Entwicklungsdienstleistungen vom EMS »Im Re-Design liegt viel Optimierungspotenzial«

Neben den »klassischen« Embedded-Anbietern sind auch immer mehr EMS-Unternehmen auf der embedded world vertreten. Wir sprachen mit Waldemar Christen von BMK darüber, wie viel Entwicklungs-Dienstleistungen, ein EMS-Unternehmen leisten kann und soll.

Entwicklungsdienstleistungen zählen zu den Kernkompetenzen des EMS-Unternehmens BMK Group. Unter dem Aspekt »Design-to-Cost« unterstützt BMK seine Kunden dabei, bestehende Produkte durch ein komplettes Re-Design deutlich günstiger zu produzieren. Aber in Konkurrenz zu den Kunden treten wolle BMK mit seinen Entwicklungs-Know-How nicht, betont Waldemar Christen, Leiter Vertrieb und Marketing bei der BMK Group.

Zum Leistungsspektrum zählen die Entwicklungsdienstleistungen bei BMK schon seit der Unternehmensgründung im Jahr 1994. Seit 2005 sind sie unter dem Namen BMK electronic solutions als Einheit innerhalb der BMK Group zusammengefasst. Eigene marktfähige Neuentwicklungen, die Produktcharakter haben, will BMK ausdrücklich nicht entwickeln. Denn oberste Prämisse von BMK sei, bei der Produkt-Entwicklung nicht in Wettbewerb mit den Kunden zu treten, so Christen: »Dafür ist unsere Entwicklungsmannschaft auch gar nicht ausgelegt. Wir maßen uns nicht an, Produkte besser entwickeln zu wollen als unsere Kunden.« Vielmehr sieht BMK seine Dienstleistungen in Bereichen wie etwa dem Re-Design als hilfreiche Ergänzung zur Entwicklungskompetenz der Kunden. »Wir entwickeln in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden und decken die Themen ab, für die der Kunde keine Ressourcen hat«, sagt Christen.

»Das gilt natürlich neben der Entwicklung auch für Produktion und Test.« Die Entwicklungsdienstleistungen von BMK umfassen den Entwurf, das Erproben und die Simulation für analoge und digitale Schaltungen sowie die Entwicklung von Mikrocontroller-Steuerungen und der entsprechenden Firmware, aber auch das komplette Design von Elektronik-Baugruppen inklusive Zulassung und Qualifizierung. Für die schnelle Projektabwicklung sorgt ein 30-köpfiges Entwicklungsteam. Aufgesetzt werden die Projekte auf gängigen Hardware-Plattformen von Atmel, Freescale, ST Microelectronics, TI und Microchip. Die zugehörige Software passen die Entwickler jeweils den Projekten an, codieren sie in C++ und dokumentieren sie ausführlich. »Wir realisieren komplexe Entwicklungen auf allen gängigen Betriebssystemen unter Anwendung von »State oft the Art-Werkzeugen«, beschreibt Peter Hellmann, Entwicklungsleiter der BMK Group. »Ein Beispiel dafür ist der erfolgreiche Praxiseinsatz der modellbasierenden Softwareentwicklung und Codegenerierung unter Eclipse.«

Bis zu 50 Prozent weniger Produkt-Stückkosten durch Re-Design

»Besonders im Re-Design von Kundenprodukten sehen wir großes Potenzial für unsere Dienstleistungen«, erklärt Christen. Ein Re-Design wird meist dann erforderlich, wenn der Lebenszyklus eines Produktes verlängert werden soll oder der Markt und die Rahmenbedingungen nach einer gewissen Zeit neue Funktionen für das Produkt fordern. Vor allem im Bereich der Gebäudetechnik, der Energietechnik, aber auch in der klassischen Industrieelektronik ist dies laut Christen oft der Fall. »Meist sieht es der Hersteller dann nicht mehr als seine Kernkompetenz an, sich damit zu beschäftigen, ein bestehendes Produkt zu optimieren oder zu re-designen«, gibt Christen zu bedenken. »sondern lässt seine Entwicklungs-Ressourcen möglichst in seine neuen Produkte einfließen.«

 


Diese Nische ist prädestiniert für die Entwicklungsleistungen eines EMS-Dienstleisters. Besonders der Aspekt Kosten zu senken, kommt beim Re-Design deutlich zum Tragen. Dabei lassen sich – vor allem wenn das Produkt schon einige Jahre auf dem Markt ist - nicht zuletzt aufgrund technischer Fortschritte auf Komponenten- und Baugruppen-Ebene bei einigen Produkten sogar über 50 Prozent an Produkt-Stückkosten einsparen. Das Einsparpotenzial ist vielfältig: angefangen bei der Stückliste, über das Layout bis hin zur kompletten Schaltungstechnik. Ob eine neue Schaltung erforderlich ist oder nur das Layout und die Stückliste verbessert werden sollen, hängt von den jeweiligen Anforderungen des Kunden und des Produktes ab. »Selbst wenn wir nur das Layout und damit einhergehend die Stückliste überarbeiten, lassen sich bei vielen Applikationen bis zu 20 Prozent Kosten einsparen«, erläutert Hellmann. Allein die Optimierung der Stückliste birgt nach seiner Erfahrung noch ein Einsparpotenzial von circa 5 Prozent.

Wo lässt sich beim Re-Design einsparen? Design-for-Manufacturing und Design-for-Testability sind mittlerweile schon Standard im EMS-Geschäft. Neben den Schaltungstechnik nimmt aber vor allem die Auswahl der Bauteile maßgeblichen Einfluss auf die Stückkosten und bieten gleichzeitig mit das größte Optimierungspotenzial. Etwa 80  Prozent der Produktkosten sind Materialkosten. Mit einer Vorzugsteiledatenbank verfügt BMK über ein Tool, das bei der Auswahl der wirtschaftlich günstigsten Komponenten hilft: »Unsere Vorzugsteile-Datenbank bewertet die Bauteile nach verschiedenen Aspekten wie Lieferzeit, Langzeitverfügbarkeit und Abkündigungswahrscheinlichkeit«, erläutert Christen. Hinterlegt sind auch die Qualitätsdaten also beispielsweise, wie oft ein Bauteil im Test ausgefallen ist. Diese Datenbank können die Kunden von BMK überdies auch für ihre eigene Produktentwicklung nutzen.

Rechenbeispiel: Kosten sparen beim Re-Design einer Industriesteuerung 

Das Ausgangsprodukt, eine Industriesteuerung, bestand in diesem Fall aus drei Einzelleiterplatten. BMK sollte das Produkt modernisieren und dabei Kosten optimieren. »Wir konnten die Anzahl der Baugruppen trotz mehr Funktionen von drei auf eine reduzieren und damit die Herstellungskosten um etwa 60 Prozent senken«, erläutert Hellmann. Die mit dieser Entwicklung verbundene Investition amortisiert sich dabei für den Kunden bereits nach 200 verkauften Produkten. BMK hat bei diesem Projekt die Hardwareentwicklung und die CPLD-Programmierung übernommen, Layout und Muster erstellt sowie die erforderlichen Zulassungen und Qualifizierungen durchgeführt.     

Re-Design vom EMS-Unternehmen – bedeutet das nicht automatisch, dass der Hersteller bzw. OEM mit diesem Produkt völlig vom EMS-Dienstleister abhängig ist? Christen verneint: »Eine Abhängigkeit bedingt das keinesfalls. Der Kunde nimmt unsere Dienstleistung in Anspruch und erhält das vertraglich vereinbarte Produkt und alle erforderlichen Unterlagen. Alles ist transparent. Verträge, die den Kunden abhängig machen, gibt es bei uns nicht.« Der Kunde könne beispielsweise auch die Entscheidung bzgl. der Produktion nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten treffen, so Christen. Denn Entwicklung und Fertigung betrachtet BMK strikt getrennt voneinander und nicht als »Mischkalkulation«.