Interview mit Ralf Hasler, Lacon »Hardware-Maker für die Digitalisierung der Industrie«

Dr. Hasler, CEO Lacon-Gruppe, und Dr. Allan Yang, CTO Advantech, vor dem Firmenhauptsitz Advantech in Taipeh
Dr. Hasler, CEO Lacon-Gruppe, und Dr. Allan Yang, CTO Advantech, vor dem Firmenhauptsitz Advantech in Taipeh

2018 war bei Lacon das beste Jahr der Firmengeschichte. Auf den Lorbeeren ausruhen könne man sich aber nicht, meint Ralf Hasler, CEO der Lacon-Gruppe. Er treibt stattdessen neue Themen voran, wie die Partnerschaft mit Advantech.

Markt&Technik: Lacon hat schon früh das Potenzial der Startup-Förderung entdeckt. Inzwischen scheint der Hype und die Begeisterung um die Startups etwas abgeebbt. Gilt das auch bei Lacon?

Ralf Hasler: Wir haben uns in den letzten zwölf Monaten an vier Startups aus dem IoT-Umfeld beteiligt und positionieren uns damit in attraktiven Wachstumsmärkten wie Ladeinfrastruktur, Smart Grids, Smart Waste und Wearables. Das ist aus meiner Sicht eine Win-Win-Situation, weil auch die Startups durch einen erfahrenen Industriepartner schneller und sicherer Fahrt aufnehmen.

Ein wesentlicher Meilenstein für Sie ist eine auf höchster Ebene initiierte strategische Partnerschaft mit dem Embedded-Hersteller Advantech. Wie kam es dazu?

Da wir schon seit jeher Baseboard-Entwicklung für industrielle Anwendungen durchführen, ist Advantech vor einiger Zeit an uns herangetreten: Der heterogene Embedded-Computing-Markt in Europa erfordert häufig ein Customizing auf Hardware-Ebene. Das kann ein großer asiatischer Hersteller nur für sehr große Projekte bieten. Mit uns gemeinsam erschließt sich Advantech die typischen kleinen und mittelgroßen Projekte des deutschen Mittelstands. Aus den bereits bestehenden engen Geschäftsbeziehungen verschiedener Projekte hat sich eine strategische gemeinsame Ausrichtung „EMS Smart Integration“ mit Advantech ergeben. Advantech profitiert dabei von der Verankerung der Lacon-Gruppe im europäischen Mittelstand und den langjährigen Erfahrungen im Investitionsgütersektor, und Lacon gewinnt den Zugang zu Advantechs Kompetenzen in der Entwicklung ganzheitlicher IoT-Lösungen für die Industrie. Der Kunde kann Geräteentwicklung, Produktion und Virtualisierung komplett über die Lacon abwickeln. Lacon bedient sich aus dem umfassenden Embedded-Board/SOM-Portfolio von Advantech und wird darin unterstützt, die kunden- bzw. anwendungsspezifischen Base-Boards zu entwickeln. Wir treten dabei nicht als Unterlieferant von Advantech, sondern als Systemlieferant mit Advantech „im Gepäck“ gegenüber den Kunden auf.

Lacon ist also „Advantech Solution Partner“ – was heißt das konkret?

Lacon als Advantech Solution Partner kann damit nicht nur Hardware, sondern eine komplette IoT-Lösung mit SaaS-Komponenten anbieten und betreiben. Seit etlichen Jahren hat Advantech ein hardwaregetriebenes IoT-Ökosystem unter dem Namen „WISE-PaaS“ aufgebaut, mit dem nicht nur die Konnektivität in die großen Cloud-Lösungen wie Azure, Mind­sphere, amazon, cloud foundry abgebildet werden kann, sondern auch Anwendungspakete mit einfacher Parametrierung angeboten werden.

Somit wird künftig auch das Saas-Geschäft – also Software as a Service – eine maßgebliche Rolle bei Lacon spielen?

Wir haben begonnen, einzelne IoT-Use-Cases Lacon-intern als Referenzprojekte zu entwickeln. In Rumänien etablieren wir gerade ein Team für die WISE-Paas-Programmierungen, um das SaaS-Geschäft zu entwickeln. Weiterhin kooperieren wir mit einigen Strategie­beratungen, um das technologische Follow-up bei Digitalisierungsprojekten zu begleiten.  Wir werden uns damit zu einer treibenden Kraft für IoT-Lösungen für den deutschen Mittelstand entwickeln. Das Technologieportfolio von Advantech ist überwältigend, und durch den direkten und intensiven Dialog mit deren Entwicklern können wir in vielen Fällen die Trennung zwischen Computing und Carrier-Board aufheben und so kostengünstige, performante Lösungen mit voller Konnektivität anbieten.

Damit gehen Sie mit all dem einen für die EMS-Industrie ungewöhnlichen Weg. Reicht es heute nicht mehr, nur Elektronikdienstleister zu sein?

Das EMS-Business entwickelt sich zu einem kompetenzgetriebenen Design-Business weiter. Wer global in den Industriemärkten mitmischen will, muss Original-Design-Manufacturing beherrschen, und das heißt eben auch, sich mit der IoTisierung von Geräten auszukennen.

Unsere Grundstrategie der kommenden Jahre lautet demnach, das Geschäft weniger fertigungslastig, sondern mehr technologiegetrieben als Hardware-Maker für die Digitalisierung in der Industrie zu führen.