Kommentar Globale Prognosen sind nur eingeschränkt auf Deutschland übertragbar

die aktuelle EMS/ODM-Analyse von IHS iSuppli prognostiziert kaum Wachstum für die weltweite Auftragsfertigung. Doch was bedeutet das nun für den deutschen EMS-Markt? Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die weltweiten EMS/ODM-Prognosen von IHS iSuppli nicht oder nur eingeschränkt auf die deutsche bzw. deutschsprachige EMS-Landschaft übertragbar sind.

Die aktuelle EMS/ODM-Analyse von IHS iSuppli prognostiziert kaum Wachstum für die weltweite Auftragsfertigung.

Doch weltweite Markttreiber wie Tablet-PCs, Notebooks und Smartphones spielen für die deutschen EMS-Firmen so gut wie keine Rolle. Die hiesigen EMS-Firmen fertigen vor allem Baugruppen und Geräte für die Industrieelektronik, Medizinelektronik, Automotive, Luftfahrt und erneuerbare Energien. Und sieht man von der Solarindustrie ab, versprechen die genannten Marktsegmente der EMS-Industrie auch für dieses Jahr zumindest ein moderates Wachstum im einstelligen Bereich, wie uns viele EMS-Firmen nahezu einhellig bestätigt haben.  

Eine exakte und wirklich aussagekräftige Markt-Erhebung für den sehr fragmentierten deutschen EMS-Markt ist zugegebenermaßen schwierig, weil die Zahl der Firmen, die in irgendeiner Form EMS-Dienstleistungen anbieten, nicht überschaubar ist. Hinzu kommt, dass die Grenzen zwischen Inhouse-Fertigungen und EMS zunehmend verwischen. Viele Inhouse-Fertigungen bieten inzwischen auch externen Kunden Fertigungskapazitäten an oder haben sogar ein eigenes Geschäftsfeld »EMS« gegründet.

Prognosen sind gerade in wirtschaftlich unwägbaren Zeiten oft nicht mehr als der Blick in die Kristallkugel und lassen beliebig viel Spielraum für Interpretationen und Spekulationen. Aber sie sind trotz allem auch ein wichtiges Werkzeug für Unternehmen, um ihre Umsatzziele und Erwartungen mit Zahlen zu unterfüttern. Und Insofern tragen solche Prognosen auch die Last der Verantwortung. Wenn eine Prognose aber unter dem Deckmantel der globalen Gültigkeit nur Allgemeinplätze propagiert, bleibt sie diesen Anspruch schuldig.   

Karin Zühlke