Zollstreit zwischen China und USA Gewinner und Verlierer in der Lieferkette

CEOs und Manager aus der EMS-Branche trafen sich zum Markt&Technik-Forum »Elektronikdienstleistungen« in den Räumen der WEKA Fachmedien in Haar bei München.

Der Zollstreit zwischen USA und China war auch Thema beim Forum »Elektronikdienstleistungen« der Markt&Technik, zu dem sich CEOs und Manager von EMS-Firmen einfanden.

Die Folgen des Zollstreits sind vielschichtig und werden die globale Lieferkette in Zukunft ordentlich durcheinanderwirbeln. Sie eröffnen aber auch Chancen für Europas Elektronik-Produzenten, wie Michael Velmeden, CEO von cms electronics, anmerkt: »Wir haben Kunden, die die Fertigung ihrer Produkte aus dem fernen Osten zurück nach Europa transferiert haben, um den neuen Zöllen zu entgehen.« Die Entscheidung für die Rückverlagerung nach Europa zugunsten cms electronics sei sehr schnell gefallen. »In Summe ist die Produktion in Europa nun wohl für den Kunden günstiger als mit den Zöllen in China und die Initialkosten wurden anscheinend schnell kompensiert«, erklärt Velmeden. Die Kosten spielen laut Velmeden überdies auch nicht mehr die alleinige Rolle. »Es geht eher um die Frage, wie „smooth“ die Lieferkette läuft.«

Bei zertifizierungsabhängigen Produkten wie Medizintechnik ist eine Verlagerung aber nicht so einfach, gibt Doede Douda zu bedenken, Vice President Business Development EMEA von Sanmina. »Einfache Produkte hingegen werden zum Teil schnell aus China rausgenommen und woanders gefertigt«, erklärt Doude.

Unter den Zöllen leiden sowohl Fertigungsstandorte in China als auch in den USA, bestätigt Johann Weber, Vorstandsvorsitzender von Zollner Elektronik, und schildert die Lage anhand zweier Beispiele aus dem eigenen Haus: In China fertigte Zollner für einen Kunden in den USA Steuerungen und Module; eine Situation, bei der der Strafzoll fällig wird: Mit den anfänglich 9 Prozent Zollaufschlag sei man noch irgendwie zurande gekommen. Die aktuellen 25 Prozent Zollaufschlag dagegen waren nicht mehr zu kompensieren. Auch beim Einkauf von chinesischen Bauteilen für die Produktion in den USA kommt der Strafzoll oben drauf: »Wir haben für einen Kunden hochwertige Bauelemente in China eingekauft, die in unserem Werk im Silicon Valley verbaut werden. Und wir standen vor derselben Situation mit erst 9 und dann 25 Prozent Zöllen.« Damit bestand keine Chance mehr, das Produkt wettbewerbsfähig zu produzieren. Der Kunde kauft die Baugruppen jetzt in Malaysia ein.

Dass die Strafzölle zu Verwerfungen in der Lieferkette führen, wird in vielerlei Hinsicht evident: So berichtet Andreas Limmer, Manager Business Development von GPV, von Unsicherheit auf Kundenseite: »Viele Kunden zögern aufgrund der aktuellen Situation bei der Standortwahl ihrer Fertigung.« Und für den Elektronikdienstleister Turck duotec ist die Situation laut Auskunft von Geschäftsführer Arthur Rönisch ausschlaggebend dafür, eine geplante Standortinvestition in China gar erst einmal zurückzustellen.

Investitionsschwäche in China

Dadurch, dass die Investitionen in China zurückgehen, sinkt der Absatz europäischer Firmen auf dem dortigen Markt, und damit auch die Stückzahlen. Albrecht Faber, Geschäftsführer von bebro electronic, erläutert: »Wir haben zwar kein Werk in China, aber ich habe zahlreiche Kunden, z.B. aus dem Maschinenbau, für die China bisher einer der größten Märkte war. Daher merken auch wir Auswirkungen, die sich meines Erachtens in der nächsten Zeit noch verstärken werden.« Außerdem, so Faber, steigen die Exportaufwände: Kunden verlangen neuerdings Ursprungszertifikate und die Deklaration der Wertschöpfung aus den USA.