Produktoffensive bei Emil Otto »Flussmittel werden immer unser Kerngeschäft bleiben«

Markus Geßner, Marketing- und Vertriebsleiter bei Emil Otto: »Mit unseren Reinigungsprodukten können wir den gesamten Fertigungsbereich einer Elektronikproduktion bedienen.«
Markus Geßner, Marketing- und Vertriebsleiter bei Emil Otto: »Mit unseren Reinigungsprodukten können wir den gesamten Fertigungsbereich einer Elektronikproduktion bedienen.«

Für den hessischen Flussmittelhersteller Emil Otto läuft es gut: Auf der SMT präsentierte das inhabergeführte Unternehmen gleich mehrere neue Produkte. Markus Geßner, Marketing- und Vertriebsleiter bei Emil Otto, spricht im Interview über die Produktoffensive.

Markt&Technik: Auf der SMT erwartete die Besucher am Stand von Emil Otto erstmals ein einheitliches Aktivatorensystem für Flussmittel, Flussmittelkonzentrate und Flussmittelgele. Was war der Anstoß für die Entwicklung?

Markus Geßner: Für Reparaturarbeiten auf bestückten Leiterplatten greifen Elektronikhersteller oft auf Flussmittel zum Hand- und Reparaturlöten zurück, die andere Aktivatoren beinhalten als die sonst eingesetzten Elektronikflussmittel. Und das hat Nachteile für den Anwender, denn es kann zu Kreuzreaktionen und schlussendlich zu Ausfällen und Kurzschlüssen kommen. Das passiert bei unseren Flussmitteln nicht. Und ein weiterer – naheliegender – Vorteil: Der Anwender kann alle Flussmittelprodukte aus einer Hand beziehen. Außerdem können Mitarbeiter unterschiedliche Flussmittel nicht verwechseln.

Für welche Flussmittel bieten Sie die Gele an?

Für die Flussmittel EO-B-001A bis C, EO-B-002A bis C, EO-B-006A bis C, EO-B-007A bis C und EO-B-009A bis C bieten wir das entsprechende Gel mit dem identischen Aktivatorensystem an. Und dabei ist Emil Otto bislang der einzige Hersteller, der vom Flussmittelkonzentrat bis hin zum Flussmittelgel Produkte auf einer Aktivatorenbasis anbietet.

Vor Kurzem hat Emil Otto auch mit einer neuen Reinigungslinie überrascht. Wie kam es zu der Produktoffensive?

Unsere bisherige Reinigungslinie hat sich gut entwickelt und wir haben zunehmend mehr Kundenanfragen erhalten. Deshalb haben wir den Bereich jetzt auch personell aufgestockt. 

Wie haben Sie Ihre Reinigungsprodukte denn bislang vermarktet?

Bisher haben wir mit Partnern zusammengearbeitet. Mittlerweile sind die Reinigungsprodukte aber ein elementarer Bestandteil unseres Produktportfolios. Daher haben wir entschieden, hier neue, eigene Wege zu gehen, um dabei auch eigene Produktideen und Innovationen umsetzen zu können. Wenn wir unsere eigenen Produkte herstellen, können wir außerdem viel flexibler auf kundenspezifische Anfragen eingehen.

Wie erklären Sie sich das plötzliche steigende Interesse an Ihren Reinigungsprodukten?

Aus unserer Sicht gibt es dafür drei Gründe: Zum einen ist es das Preis-Leistungs-Verhältnis, das Kunden überzeugt. Zum anderen können wir für unterschiedlichste Anwendungsbereiche Reinigungsmedien anbieten. So können wir mit unseren Produkten den gesamten Fertigungsbereich einer Elektronikproduktion bedienen. Der Kunde kann also wieder alle notwendigen Materialien aus einer Hand beziehen. Und schlussendlich sind es die Abnahmemengen, die Kunden bei uns erhalten können. Von der Einzelflasche bis hin zu mehreren Litern kann der Kunde unsere Reinigungsmittel beziehen. Das heißt, dass wir allein schon über die Verpackungsgröße unterschiedliche Kundengruppen ansprechen können. Wie schließen somit keinen Kunden aufgrund seiner Abnahmemengen als Zielkunde bei uns aus. 

Wird sich das Kerngeschäft von Emil Otto jetzt ändern?

Nein, Flussmittel werden immer unser Kerngeschäft bleiben, wir stellen uns nur breiter auf. 

Was sagen Sie zum bisherigen Geschäftsjahr von Emil Otto?

Bisher läuft es sehr gut. Insbesondere die neuen Multifluxer kommen am Markt gut an. Für 2018 sind wir sehr zuversichtlich. Der weitere Ausblick ist allerdings schwierig – schon alleine wegen der aktuellen politischen Situation. Viele unserer Kunden sind stark im Exportgeschäft aktiv und die momentanen Handelsstreitigkeiten sind mit Sicherheit nicht hilfreich für diese Geschäfte. 

Stichwort Handelsstreit: Wie wichtig sind für Sie die USA als Handelspartner?

Ich sehe die Zusammenarbeit mit amerikanischen Firmen sehr kritisch. Das hängt vor allem mit dem dort herrschenden Rechtsverständnis zusammen. Deshalb liefern wir nur an deutsche Firmen in den USA. Der amerikanische Markt ist für uns also nicht essenziell, vor allem, weil wir in den letzten Jahren unser Händlersystem in Europa komplett ausgebaut haben. 

Ein Schlusswort? 

Wir planen einiges in diesem Jahr. Ich will noch nicht zu viel verraten – aber Sie können gespannt sein.