Schulterschluss im Rework-Markt: Finetech kauft Martin

Seit 1. Januar 2010 gehört Martin Rework zu Finetech. Der Produktions- und Unternehmensstandort von Martin in Wessling bei München solle aber weiter bestehen bleiben, erklärt Gunter Kürbis, CEO von Finetech.

Das Produktspektrum von Martin und Finetech ergänzt sich nach Meinung von Gunter Kürbis, CEO von Finetech optimal: Martin ist Marktführer im mittleren Preissegment, während Finetech den High-End-Bereich adressiert.   

Markt&Technik: Jahrzehnte gewachsen und inhabergeführt - da ist ein Firmenverkauf eines gesunden Unternehmens eher ungewöhnlich. Was waren die Beweggründe?

Gunter Kürbis: Die Gründer sehen für »ihre« Firma in der Fusion eine sinnvolle Entwicklung. Auch wenn Herr Martin das Unternehmen über Jahrzehnte hinweg an der Spitze des Marktes gehalten hat: Fakt ist, das Wettbewerbsumfeld wird zunehmend schwieriger. Die Innovation in der SMD-Technik ist 20 Jahre alt, die Produkt- und Innovationszyklen sind seither langsamer. Eine kleine Firma wie Martin kann also nicht mehr nur durch Wendigkeit und Entwicklungsvorsprung punkten. Durch die Fusion mit Finetech kann Martin jetzt wieder mit höherer Schlagkraft weltweit agieren, um die dominante Marktposition im mittleren Preissegment zu erhalten.

Und andersherum gefragt: Warum hat sich Finetech zum Kauf entschlossen?

Martin bietet einfache solide und kostengünstige Rework- und Dispensgeräte von 1000 bis etwa 25.000 Euro. Das Fintech-Portfolio beginnt preislich da, wo Martin aufhört. Entsprechend ist natürlich auch der technologische Unterschied: Die Martin-Geräte arbeiten mit einer Genauigkeit von Hundertstel Millimeter, wir arbeiten im Mikrometer-Bereich. Martin adressiert sozusagen die Standard-SMD-Technik, wir Flip-Chip-Applikationen im High-End-Produktionsbereich und in der Entwicklung.

Finetech-Geräte kommen überall da zum Einsatz, wo eine sehr hohe Platziergenauigkeit gefordert ist und höchste Anforderungen an Prozesstoleranz und -reproduzierbarkeit gestellt werden.
Zusammen können wir nun das gesamte Rework-Spektrum abdecken, ohne eine Konkurrenz zwischen den Linien zu haben. Das ist eine sehr gute Voraussetzung. Gleichzeitig erwarten wir Synergien zwischen den Produktlinien und werden diese selbstverständlich nicht ungenutzt lassen, beispielsweise wenn es um Patente oder um Technologie-Aspekte geht, die man von einer Produktlinie auf die andere übertragen kann.

Wichtig sind uns hier mögliche Synergien im Einsatz unterschiedlicher Heiztechniken. Denn in Zukunft werden sich die Anforderungen an lokale Heizungen vor allem im Bereich der Reparatur von mobilen Geräten massiv verändern. Gute Möglichkeiten zeichnen sich ebenfalls beim Einsatz der Martin-Dispensetechnik in Finetech-Geräten für den Einsatz in der Mikromontage ab.       

Bei allen technologischen Unterschieden der Produkte: Was wird sich organisatorisch für Martin und Finetech ändern?

Zunächst wird sich organisatorisch wenig ändern. Den Standort Wessling werden wir  beibehalten. Die Produktion und die Entwicklung der Martin-Produkte sollen dort weiterlaufen. Herr Dr. Baumann und ich sind gleichzeitig Geschäftsführer von Martin, aber beide Unternehmen werden separat weitergeführt. Unterstützen wird uns dabei ein neuer Betriebsleiter in Wessling: Felix Frischkorn wird beginnend ab Februar die Martin GmbH führen. Außerdem stärken wir den Verkauf durch unseren neuen Verkaufsleiter Franz Leitenstern.