Nach Einigung im Handelsstreit Europas Tor zum US-Markt bleibt offen

US-Präsident Trump wollte die Einfuhr von in Mexiko gefertigten Gütern in die USA mit hohen Zöllen belegen. Inzwischen gibt es eine Einigung. Was bedeutet das für europäische Firmen? Markt&Technik hat nachgefragt.

Damit hätte Trump die wichtigste Lebensader der europäischen Elektronik- und Automotive-Supply-Chain für die USA gefährdet. Mit diesem Vorhaben wollte der US-Präsident die einheimische Produktion ankurbeln. Inzwischen haben sich die USA und Mexiko nebst Kanada im Zollstreit geeinigt und mit dem USMCA-Vertrag ein neues Freihandelsabkommen geschlossen. Das United States Mexiko Canada Agreement löst das seit 1994 bestehende NAFTA-Abkommen ab.

Der wichtigste Produktionsstandort deutscher und europäischer Firmen für den US-Markt scheint damit zumindest vorerst aus der Schusslinie von Trumps Zoll-Eskapaden.

Vorsicht ist dennoch geboten, meint David McQueen, Director Consulting Services bei Tetakawi. Tetakawi ist spezialisiert auf Offshoring-Dienstleistungen in Mexiko und hilft Firmen beim Markteintritt. »Mit Präsident Trump scheint nie etwas endgültig geregelt zu sein, selbst wenn es geregelt ist«, gibt McQueen zu bedenken. Es herrsche daher immer noch ein Gefühl der Unsicherheit und Unvorhersehbarkeit, das einige Unternehmen kurzfristig zögern lässt. In der Tat enthält das neue USMCA-Handelsabkommen einen Passus, der die Verwendung nationaler Schutzzölle in Zukunft einschränkt. »Es scheint, dass Trump auch von der starken Reaktion des republikanischen Senats auf mögliche Einfuhrzölle gegenüber Mexiko überrascht wurde. Die potenzielle Schädigung der Wirtschaft von Texas und Arizona hat diese beiden republikanischen Hochburgen zu vehementen Gegnern jeder Störung des bilateralen Handels zwischen den USA und Mexiko gemacht«, erklärt McQueen die Hintergründe.

Was bedeutet die Einigung nun für Europa? Für Europas Industrie heißt es erst einmal „Aufatmen“. Mexiko ist der Hidden Champion in der Lieferkette europäischer Firmen, die dort ihre Produkte oder Systeme für den US-Markt fertigen. Die dort angesiedelte Elektronik-Zulieferindustrie reicht von Leiterplatten und Elektronik-Baugruppen über Kabelbäume bis hin zu Subsystemen und Geräten, die insbesondere in Autos für den US-Markt verbaut werden, aber auch in anderen Industriegütern, etwa Maschinen und Luft- und Raumfahrt. Große EMS- und ODM-Player wie Jabil, Sanmina und Flextronics sind in Mexiko gut etabliert. Aber auch europäische Auftragsfertiger, z.B. Turck duotec und Asteelflash, nutzen die günstigen Standortbedingungen. Für die Versorgung mit elektronischen Bauteilen sorgen die Distributoren mit Logistik-Hubs vor Ort.