»Viele, die meinen sie seien global, sind nur international« Europa – Fertigungsstandort mit vielen Vorteilen

Günter Lauber, CEO von ASM Assembly Systems: »Wir können in Europa auch weiterhin erfolgreich entwickeln und produzieren«, erklärt Günter Lauber, CEO von ASM Assembly Systems. Allerdings nur, wenn es gelänge, in den Unternehmen verschiedene Kulturen zusammen zu bringen und nutzen.
Günter Lauber, CEO von ASM Assembly Systems: »Wir können in Europa auch weiterhin erfolgreich entwickeln und produzieren«, erklärt Günter Lauber, CEO von ASM Assembly Systems. Allerdings nur, wenn es gelänge, in den Unternehmen verschiedene Kulturen zusammen zu bringen und nutzen.

Die Zukunft der industriellen Produktion in Deutschland und Europa – darüber diskutierten die Teilnehmer des CEO-Round-Table auf der productronica. Ergebnis: Europa und besonders Deutschland sind gut positioniert, sie haben Zukunft – auch wenn ein noch paar Hausaufgaben zu erledigen sind.

»Wir können in Europa auch weiterhin erfolgreich entwickeln und produzieren«, erklärt Günter Lauber, CEO von ASM Assembly Systems. Allerdings nur, wenn es gelänge, in den Unternehmen verschiedene Kulturen zusammen zu bringen und nutzen. »Viele Unternehmen glauben, sie wären global, dabei sind sie nur international«, so Lauber. Als Beispiel für Globalisierung führt er sein eigenen Unternehmen an, in dem nach der Übernahme Arbeitsgruppen aus den verschiedenen Weltregionen zusammen geführt wurden, um von den Stärken der jeweiligen Kulturen zu profitieren. »Deutsche Ingenieurskunst, auf die das asiatische Unternehmen stolz ist, passt hervorragend zu asiatischer Kosteneffizienz, wir werden weiter in Europa und Deutschland entwickeln und produzieren«, ist sich Lauber sicher.

Dass Europa im globalen Kontext erfolgreich sein kann, davon ist auch Bernhard Rindt, Mitglied der Geschäftsleitung von SRI Radio Systems, überzeugt, »wenn wir die globalen Netzwerke nutzen. Vor allem der Automobilmarkt und die Industrie sind die treibenden Kräfte dafür im deutschsprachigen Teil Europas, hier gehen die Wachstumsimpulse aus.«

Aber global zu werden, ist ein weiter Weg, oft herrschen allerlei Befürchtungen und Ängste unter den Mitarbeitern, die überwunden werden müssen. Es ist eben schwierig, Denkweisen zu ändern und häufig spielt der »Not invented by me«-Faktor eine große Rolle. »Wir müssen die Mitarbeiter mitnehmen, und ihnen die Vorteile für sie selber klar machen, dann machen sie auch mit«, sagt Dr. Marc Schweizer, Vorstandsvorsitzender von Schweizer Electronic. »Ansprachen zu halten und Slides aufzulegen, genügt nicht«, bestätigt Lauber.

Ein wichtiger Punkt dabei: Globalisierung darf nicht bedeuten, schlicht Arbeitsplätze zu verlagern, nur weil es in bestimmten Regionen niedrige Lohnkosten gibt. Erstens steigen sie auch dort, zweitens kommt es darauf an alle Kosten mit einzubeziehen. »Best Cost Country statt Low Cost Country«, formuliert Johann Weber, Vorstandsvorsitzender & Vorstand Elektronik von Zollner Elektronik. Dann kommen Faktoren wie Innovationsfreude der Mitarbeiter, Flexibilität und Time-to-Market ins Spiel. »Da kann Deutschland trotz hoher Lohnkosten zum Best Cost Country aufsteigen«, so Weber. Und nicht zuletzt der Transport spielt für viele Güter eine Rolle. Da kann die Produktion vor Ort günstiger sein, außerdem widersprechen lange Transportwege den Forderungen nach Energieeffizienz und auch Time-to-Market.

Flexibilität und Innovation

Gerade weil die Verbraucher in Europa hohe Ansprüche an die Produkte haben, was sich in einer großen Varianz und hoher Dynamik niederschlägt, ist eine flexible Produktion vor Ort interessant. Das dürfte laut Klaus Weßing, Production Manager von Gigaset, die Produktion auch in Zukunft in Deutschland und Zentraleuropa halten. »Europa gewinnt, weil wir kreativ sind und innovative Produkte auf den Markt bringen«, bringt es Lauber auf den Punkt. Außerdem habe die Industrie hierzulande aus der Krise gelernt, die Kostenstruktur optimiert und die Produktionseffizienz erhöht. Und dank des starken Mittelstandes ist Deutschland schnell aus der Krise heraus gekommen.

Was zusätzlich Hoffnung macht: Erneuerbare Energien und E-Mobility werden der Elektronik Auftrieb verschaffen, Märkte, in denen Europa und besonders Zentraleuropa führend ist. »E-Mobility ist nicht die Zukunft, sie ist da, in China dominieren jetzt schon die Elektro-Scooter«, sagt Weßing. »Da müssen wir nachziehen«, fordert Weber, auch wenn das heute noch nicht wirtschaftlich sei. Speicher und Infrastruktur müssten entwickelt werden, dazu erfordere es einen Anschub.

Ein weiteres Thema, dass die Teilnehmer der Podiumsdiskussion als zukunftsträchtig ansehen, ist Recycling. Gerade unter dem Aspekt steigender Rohstoffpreise und teilweise mangelnder Verfügbarkeit biete sich findigen Unternehmen geradezu eine Chance, wie Weßing betont. Recycling, darin waren sich die Diskussionsteilnehmer einig, werde künftig eine Schlüsselrolle spielen.