Trotz Allokation EMS-Industrie legt 2018 Rekordwachstum hin

EMS in DACH: Knapp Neun Milliarden Euro Jahresumsatz

Der Gesamtumsatz der EMS-Industrie in DACH kommt 2018 nahe an die 9-Mrd.-Euro-Grenze heran, 2017 waren es in Summe 8,38 Mrd. Euro. Genauere Zahlen werden bis Juli 2019 erwartet. Die ersten veröffentlichten Daten von europäischen börsennotierten EMS-Unternehmen zeigen ein vergleichbares Wachstum für 2018, sodass auch die europäische EMS-Industrie voraussichtlich ein sehr gutes Umsatzplus erwirtschaftet hat.

Die Gründe für den Erfolg der EMS-Firmen in DACH und Europa sind nach Auskunft der beiden CEOs von Katek und Zollner vielschichtig. Rainer Koppitz macht das außergewöhnliche Wachstum der Branche konkret an zwei Faktoren fest: »Die Konjunktur lief 2018 noch sehr gut und Elektronik spielt quasi überall mit hinein. Darüber hinaus sehen wir, dass das Thema IoT so richtig durch die Decke geht. Ursprünglich mechanische Geräte werden jetzt zunehmend mit Elektronik angereichert und diese wird immer komplexer und vernetzter. Und das Gehirn dieser Geräte wird von der EMS-Industrie geliefert. Insofern wird der Boom der IoT-Devices auch ein Boom für die EMS-Industrie.«

Koppitz ist überzeugt davon, dass sich der IoT-Erfolg in Volumen für die EMS-Industrie übersetzen lässt. Das führe dazu, dass EMS/ODM-Leistungen so gefragt sind wie nie zu vor. »Das ist ein Trend, der sich weiter verstärken wird!« Dennoch sieht Koppitz auch konjunkturelle Wolken am Himmel, die dazu führen werden, dass weniger investiert wird. Momentan deute aber noch nichts auf einen Abschwung hin; Wolken ja, aber es regne noch nicht, so Koppitz, denn auch die Januarzahlen seiner EMS-Firmen führen den Aufwärtstrend fort.

Made in Germany wieder gefragt

Johann Weber sieht die Tatsache, dass der technische Fortschritt exponentiell zunimmt und die digitale Transformation kein Zukunftsthema mehr ist, sondern bereits in vielen Bereichen gelebt wird, als wichtigen Faktor für die positive Entwicklung der EMS-Industrie in Deutschland und Europa: »Dadurch ergibt sich ein größerer Markt für die EMS-Branche als Ganzes. Speziell aber in Deutschland sehe ich die Gründe für den Erfolg der EMS-Dienstleiter in der vorhandenen technologischen Kompetenz, einem hohen Automatisierungsgrad, hochqualifizierten Mitarbeitern sowie in der Umsetzung von Industrie 4.0 und der bedarfsorientierten Flexibilität«, fasst Weber zusammen.

»Daraus ergibt sich eine hohe Produkt- und Datenqualität, die in Verbindung mit der gesamtheitlichem Traceability in der elektronischen Produktion die nötige Transparenz in der Supply-Chain schafft. Hohe Flexibilität, transparente und standardisierte sowie bedarfsorientierte Prozesse sind Voraussetzungen, um den Kunden bestmöglich zu unterstützen und ihm einen Mehrwert zu bieten. Denn auf allen Ebenen nimmt die Komplexität der Produkte und Prozesse weiter zu und die Vernetzung wird weiter intensiviert. Daher ist beim Kunden das Qualitätszertifikat Made in Germany wieder gefragt und ihm auch wichtig.«

Die Zeichen stehen also vor allem bei High-Tech wieder voll auf „Made in Germany“, wie auch Rainer Koppitz bestätigt: »Lassen Sie mich das an einem Beispiel erklärten: Wenn ich als EMS für eine europäische Firma, die Elektronik für hochkomplexe Nachtsichtgeräte baut, tätig bin, muss man hochflexibel sein und dazu fähig, in kurzer Zeit die Produktion nach Kundenwünschen auszurichten. Das bekomme ich nicht hin, wenn ich in Asien sitze«, erläutert Koppitz. »Und wenn wir nach Werken beispielsweise in Mexiko und China gefragt werden, ist die vorrangige Begründung nicht, dass die Fertigung billiger werden soll, sondern es geht stets um lokale Nähe vor Ort. Billig spielt häufig eine Rolle bei hohen und lang im Voraus kalkulierbaren Volumina.« Wenn es schnell gehen muss, Flexibilität und High-Tech gefordert sind und die Bedarfe sehr stark schwanken, dann ist laut Koppitz die Produktion vor Ort stets die bessere Alternative.

Aber auch die wirtschaftliche Struktur ist laut Koppitz ein Grund für den großen Erfolg der EMS-Industrie in DACH: »Wir haben hier unglaublich viele Mittelständler und gehobene Mittelständler, die teils Milliardenumsätze erwirtschaften und hochinteressante Güter produzieren, die mehr und mehr Elektronikbaugruppen beeinhalten – von Robotern über LED-Ambientebeleuchtung für Autos bis hin zu per WLAN vernetzten Kühlschränken. Wenn man das wiederum kombiniert mit Nähe und Flexibilität, dann liegt es auf der Hand, warum es in DACH so viele erfolgreiche EMS-Firmen gibt.«