Electronic Manufacturing Service EMS für erneuerbare Energien: Tops und Flops

Das Top-Segment »Solarindustrie« hat sich für die Fertiger im deutschsprachigen Raum vielerorts zum Flop entwickelt. Glücklich darf sich schätzen, wer nicht alles auf eine Karte gesetzt und das Risiko über mehrere Branchen verteilt hat: So gilt zum Beispiel die Leistungselektronik für die Elektromobilität nach wie vor als ertragreiches Feld für die hiesige EMS-Industrie.

Noch vor einem Jahr galten die PV-Wechselrichterhersteller als viel versprechende Klientel für die deutschen EMS-Firmen. Kaum einer der großen Wechselrichter-Anbieter bediente sich nicht externer Fertigungskapazitäten. So beschäftigte SMA laut Insiderinformationen in Spitzenzeiten bis zu 16 Auftragsfertiger. Umso härter trifft es die EMS-Firmen, die in diesem Segment aktiv sind oder waren, jetzt die PV-Krise: »EMS-Unternehmen, die hohe Anteile ihres Produktionsportfolios auf die Solarindustrie ausgelegt haben und anderweitig keine Möglichkeit haben, den Einbruch dieses Segments auszugleichen, können dadurch sicherlich Probleme bekommen«, erklärt Johann Weber, Vorstandsvorsitzender von Zollner Elektronik.

Nicht genug damit, dass die Aufträge wegbrechen: Wer für den Kunden das Material beschafft hat, bleibt unter Umständen auch auf seinen Bauteilen und den Kosten dafür sitzen. Umso entscheidender ist es nach Ansicht von Weber, eng mit dem Kunden zusammenzuarbeiten, den Markt sehr genau zu beobachten und eine integrierte Supply Chain aufzubauen. So können EMS und Kunde frühzeitig reagieren. »Bei neuen Branchen muss man sich im Vorfeld den Kunden genau ansehen und abwägen, wie hoch das Risiko ist«, gibt Erwin Stoeckinger zu bedenken, Director Sales & Marketing von cms electronics. Haben es EMS-Firmen mit tieferer Wertschöpfung leichter, solche Krisen zu kompensieren? Letztlich geht es grundsätzlich wohl weniger um die Tiefe der Wertschöpfung als um die Verteilung auf mehrere Branchen. Darin liegt nach Ansicht von Dr. Werner Witte, Geschäftsführer von BuS Elektronik, ein wesentlicher Aspekt, sich vor dem Crash einzelner Branchen zu schützen. »Auch darf ein einzelner Kunde nicht zu groß werden. Das Pareto-Prinzip sollte auch hier gelten: An 80% des Umsatzes sollten zahlenmäßig mindestens 20% der Kunden beteiligt sein«, betont Witte.

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EMS für erneuerbare Energien: Das sagen die Experten

EMS für erneuerbare Energien: Das sagen die Experten

Wer dieses Pareto-Prinzip im Fall der Solarindustrie nicht befolgt hat, zahlt jetzt Lehrgeld: Getroffen hat das mit SRI auch eines der größten deutschen EMS-Unternehmen. Das Duracher Unternehmen beschäftigt derzeit etwa 600 Mitarbeiter. Aktiv am Markt als EMS ist der Nokia-Siemens Spin-off seit Herbst 2008. »Als wir auf den Markt gegangen sind, war der Solarmarkt der Markt, der sich am leichtesten erobern ließ, denn alles andere lag ja ziemlich am Boden«, erklärt Bernhard Rindt, Mitglied der Geschäftsleitung von SRI. Insofern lag es nahe, dass SRI den Sektor »Energie und Umwelt« zu einer starken Säule ausbaute. Das, so Rindt, habe auch die ersten Jahre gut funktioniert, obwohl der Markt schon immer recht volatil war. Im ersten Quartal dieses Jahres kam dann aber der Einbruch in diesem Bereich. »Im März haben wir daraufhin einen Restrukturierungsplan gestartet, den wir aus eigenen Mitteln finanzieren wollten«, führt Rindt aus. »Das ist dann aber leider auf der Ziellinie im Juni gescheitert.«

SRI hat dennoch Glück im Unglück. Denn das Duracher Unternehmen muss nicht in ein klassisches Insolvenzverfahren gehen, sondern erfüllt die Voraussetzungen für den ESUG-Schutzschirm und kann in Eigenverwaltung sanieren und produzieren, weil die Gläubigerforderungen zum Stichtag der ESUG-Verfahrenseröffnung eingefroren werden. Bis September haben die Duracher Zeit, einen Restrukturierungsplan zu erarbeiten, den die Schuldnerkommission genehmigen muss, die damit sicherstellen will, dass sie einen höheren Anteil bekommt als im Auflösungsfall.

Rindt ist optimistisch, was den weiteren Verlauf anbelangt, »aber mit Veränderungen müssen wir rechnen«. Details dazu wird es aber erst im September geben. »Das ganze Konzept steht und fällt mit den drei Säulen: Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten«, so Rindt. Momentan produziert SRI für nahezu 100 Prozent der Kunden weiter, auch im Solarbereich. Allerdings sind die Planzahlen im Solarbereich schwierig. Das Level liegt derzeit bei 20 Prozent der ursprünglichen Planung. Im Übrigen glaubt Rindt auch weiter an das SRI-Segment »Energie und Umwelt«. Derzeit konzentriert sich das Unternehmen vornehmlich auf die Elektromobilität und Automotive.

Auf die Elektromobilität setzt auch Dr. Werner Witte, Geschäftsführer von BuS Elektronik: »In der Tat ist das ein erfolgversprechendes Feld und besonders für die Unternehmen interessant, die über langjährige Erfahrung in der Automobilproduktion verfügen.« Und das darf BuS getrost für sich in Anspruch nehmen. Der Auftragsfertiger aus dem sächsischen Riesa fertigt schon seit Jahren für die Automobilindustrie. Die Produkte für die Elektromobilität sind oft sehr anspruchsvoll, weil aufwendiger zu bestücken. »Außerdem sind technologische und aufbau- und verbindungstechnische Herausforderungen zu lösen, die mit der Leiterplatte beginnen und sich auf viele Prozessschritte in der Baugruppenfertigung erstrecken«, erklärt Witte. Dazu gehören Sonderprozesse wie Lackieren und Vergießen, hochpräzises elektrisches Messen und aufwendige Baugruppentests. Außerdem muss man die Baugruppen in einer Umgebung mit ausgeprägten Wärmesenken löten.

»Ingesamt lässt sich sagen, dass einerseits der Entwicklungs- bzw. Engineeringanteil bei diesen Baugruppen erfreulich hoch liegt und der Kunde von seinem EMS-Dienstleister diese Fähigkeiten auch einfordert, andererseits nimmt auch der Wertschöpfungsumfang an der Baugruppe zu«, schildert Witte. Damit diese Umstände nicht beliebig preistreibend sind, muss ein solcher Produktionspartner aber wiederum in der Lage sein, die Wertschöpfungsschritte weitestgehend zu automatisieren. Beides, technisches Leistungsvermögen und Finanzkraft, sind an dieser Stelle nach den Worten von Witte gefordert: »Sie können es auch Engagement nennen, und Engagieren geht am besten unter Partnern, und in einer Partnerschaft sollten Vereinbarungen leicht fallen.«