Die Anforderungen lassen sich nicht über einen Kamm scheren EMS für die Luft- und Raumfahrt

Die Luft- und Raumfahrttechnik wird gerne in einem Atemzug genannt, über einen Kamm scheren lassen sich diese beiden Bereiche in punkto Fertigung aber nicht, denn die Anforderungen unterscheiden sich deutlich. Die TQ-Group arbeitet für beide »Seiten«: für die Raumfahrttechnik als Fertigungsdienstleister, in der Luftfahrttechnik ist TQ außerdem als Entwicklungspartner mit im Boot.

Wer für die Raumfahrtindustrie fertigt, braucht als Dienstleister zwar keine Zertifizierungen, die Mitarbeiter, die an der Fertigung beteiligt sind, müssen aber spezielle Schulungsprofile nachweisen. »Ausgelagert werden normalerweise nur Teilaufgaben, wie das Handlöten der THT-Bauteile. Die SMD-Bestückung übernimmt ein in der Raumfahrttechnik tätiger OEM normalerweise selber, denn die SMD-Linie muss von der ESA abgenommen werden. Hier sind umfangreiche Qualifizierungen erforderlich, die für einen Dienstleister fast nicht zu bewerkstelligen sind«, schildert Patrick von Unold, Leiter Entwicklung bei TQ. Aber auch das Handlöten der THT-Bauteile ist anspruchsvoll und zeitaufwändig. Die Mitarbeiter, die mit dieser Aufgabe betraut werden, müssen ein mehrwöchiges Training für das Löten solcher Baugruppen durchlaufen. 100 Bauteile auf eine Baugruppe aufzulöten dauert manuell etwa 20 Stunden. Zum Vergleich: Im maschinellen SMD-Prozess werden etwa 50.000 Stück oder mehr Bauteile pro Stunde bestückt. Gelötet werden die Baugruppen im neuen TQ-Reinraum der Klasse ISO 8.3 / 100.000: Der 105 Quadratmeter große Reinraum ist mit zehn Arbeitsplätzen ausgestattet. Klimatechniksysteme, Luftbe- und entfeuchter sowie Filter- und Lüftereinheiten regeln das Raumklima und sorgen 14 Mal pro Stunde für einen Luftaustausch. Für die Raumfahrttechnik ist ein Reinraum Voraussetzung, kann jedoch auch für Projekte anderer Branchen sinnvoll sein, in denen eine Fertigung in gefilterter Luft sinnvoll ist. Als Beispiele nennt Patrick von Unold unter anderem das Verbinden von Glas und Displays für Anzeigesysteme und optische Systeme für die Sensortechnik.  

Derzeit fertigt TQ in der Raumfahrttechnik beispielsweise für Tesat, einem der größten Hersteller für Satellitentechnik. »Satelliten haben eine über Jahre andauernde Vorplanungsphase - sie müssen alle 10 bis 15 Jahre ausgetauscht werden. Dann verglühen sie, weil sie nicht mehr stabil in ihrer Umlaufbahn gehalten werden können«, erklärt von Unold. Noch ist der Raumfahrt-Bereich ein Nischenmarkt für TQ. Die Satellitentechnik sei zwar ein langfristiges Geschäft, die Stückzahlen in diesem sehr speziellen Markt sind meist aber sehr niedrig: Der Wert einer Baugruppe ist dafür aber umso höher, wie Patrick von Unold schildert: »Bei Satellitenbaugruppen sind alleine die Bauteile-Kosten enorm hoch. 10 oder 20 Tausend Euro für ein Bauteil sind keine Seltenheit in diesem Bereich.« Das liege unter anderem daran, dass die Bauteile vorab qualifiziert werden müssen und auch das ist wiederum sehr kostspielig. »In der Raumfahrt treten wir rein als EMS-Dienstleister auf und kaufen auch das Material, wie sonst bei uns üblich, nicht selber ein. Aufgrund des enormen Qualifikationsaufwandes sind solche Bauteile auf dem freien Markt gar nicht verfügbar«, erläutert Patrick von Unold. Auch bei der Prüfung solcher Baugruppen gibt es spezielle Anforderungen, z. B. Dauer-Test unter Vakuum, wie Patrick von Unold schildert.