Gefälschte Bauteile EMS-Firmen setzen auf etablierte Lieferantenbeziehungen

Dass auch die EMS-Branche mit gefälschten Komponenten konfrontiert wird, bestätigen die von Markt&Technik befragten Firmen einhellig. In den meisten Fällen gelingt es, die gefälschte Ware bereits am Wareneingang durch entsprechende Qualitätskontrollen und Tests abzufangen. Damit es erst gar nicht so weit kommt, setzen die EMS-Firmen auf etablierte Lieferantenbeziehungen. Aber nicht immer lässt es sich vermeiden, Ware aus nicht bekannten Quellen zuzukaufen. Und dann ist äußerste Sorgfalt geboten.

»Wir beziehen die Komponenten nur über unsere strategischen Broker und Distributoren«, erklärt Hubert Hattrup Leiter Einkauf und Materialwirtschaft, Flextronics Special Business Solutions. »Die sind zertifiziert, sichern uns eine Beschaffung nur aus zuverlässigen Quellen zu und nehmen die Ware im Falle von Qualitätsproblemen zurück. Diese Policy hat uns bisher sehr gut vor den verheerenden Auswirkungen eines Einbaus von gefälschter Ware geschützt«, so Hattrup. Außerdem hat Flextronics speziell zu diesem Thema ein interdisziplinäres Team gebildet, das derzeit die spezifischen Prozesse analysiert und einen Audit Plan erarbeitet, der uns helfen soll, die derzeitigen Abläufe noch sicherer für unsere Kunden zu machen. Dass man sich in diesen Zeiten aber nicht immer innerhalb des etablierten Lieferantennetze bewegen kann, bestätigen fast alle EMS-Firmen. Dabei ist allerdings eine umfangreiche Warenprüfung besonders wichtig, wie Gerhard Martl, Produktionsleiter bei SRI bestätigt: »Um die Risiken in der Produktion zu minimieren, wenden wir bei Brokerware verschiedene standardisierte Stufen einer Qualitäts- und Verwendungsüberprüfung an. Diese gehen z.B. von Lötversuchen über Röntgen bis hin zu der Bestückung / Testen einer limitierten Losgröße. Sehr wichtig ist hier eine sehr enge Vernetzung der Sourcing-Abteilung mit der Qualitätsabteilung sowie der Produktion. Da wir keine Brokerware ship to line verarbeiten, sondern aufgrund gut funktionierender Prozesse entsprechend verifizieren, konnten wir bisher unsere Zusatzkosten im Bereich der Produktion in akzeptablen Grenzen halten.«

Doch nicht immer ist es nur die gefälschte Ware, die Kopfzerbrechen bereitet, weiß Guido Kotthaus, Leiter Einkauf, TQ-Systems, auch  nicht voll funktionstüchtige Bauteile, die zwar noch aus den regulären Produktionsstätten der Hersteller stammen nehmen in der Lieferkette deutlich zu: »Hier gibt es Bauteile, die aufgrund von technischen Unzulänglichkeiten niemals hätten weiter vertrieben werde dürfen. Außerdem gibt es Bauteile, die einfach durch den Aufdruck anderer Bezeichnungen umdeklariert wurden oder auch Bauteile, die zwar noch die Pins nach außen führen, jedoch kein Innenleben besitzen«, erklärt der Einkaufsleiter. Auch bei TQ stehen daher besonders bei Brokerware umfassende Tests am Wareneingang an: in Abstimmung mit der Qualitätssicherung prüfen wir je nach Bauteilart den Aufdruck auf eventuell vorhandene Manipulationen, die Anschlusspins auf mögliches Refreshen und den Innenaufbau durch Röntgen«, so Kotthaus weiter.

Besondere Vorsicht geboten ist laut Hattrup geboten wenn im Internet plötzlich über irgendwelche Quellen Bauteile angeboten werden, die noch nicht einmal über einen Broker zu beziehen sind. Solche Produkte sollte man auf keinen Fall kaufen, wie Hattrup erklärt: »Uns sind Fälle außerhalb unseres Hauses bekannt geworden, in denen zum Beispiel Bauteilbeschriftungen geändert oder leere Gehäuse geliefert wurden.«

Auf eine Begleiterscheinung des Bauteile-Dilemmas weißt Manfred Tillman, CEO von Schlafhorst Electronics hin: »Neben dem Fake–Problem haben wir es mit immer höheren Preisen zu tun – bedingt durch die Marktlage. Zum Teil verlangen einzelne Händler schon sehr unanständige Zuschläge. Wir versuchen solchen »Teppichhändlern« aus dem Wege zu gehen, das funktioniert aber leider nicht immer.«