Ausblick von Oliver Mihm, Plexus Elektronikdienstleister als Fels in der Brandung

Oliver Mihm ist Regional President EMEA 
bei Plexus.
Oliver Mihm ist Regional President EMEA bei Plexus.

Insbesondere bei komplexen Produkten steigt die Nachfrage nach EMS-Partnern, die möglichst viel aus der Wertschöpfungskette des Kunden abdecken können. Oliver Mihm, Regional President EMEA von Plexus, hat die fünf wichtigsten Entwicklungen der Branche zusammengefasst.

1. EMS im politischen Spannungsfeld

Um politische Unsicherheiten am Weltmarkt wie die Diskussion um Schutzzölle wirkungsvoll abfedern zu können, wird ein globaler Fußabdruck für EMS-Dienstleister immer mehr zum Ass im Ärmel. Neben Fertigungskapazitäten in Asien und insbesondere China gewinnt die Produktion in Europa und insbesondere Osteuropa wieder an Bedeutung. Wer breit aufgestellt ist, kann seinen Kunden Ressourcen in unterschiedlichen Regionen zur Verfügung stellen – unabhängig von makroökonomischen Faktoren. Für OEMs bedeutet diese Flexibilität, dass sie die Unterstützung dort erhalten, wo sie ihre Produkte regional auf den Markt bringen.

2. EMS als IoT-Schnittstelle

Mit den Herausforderungen von IoT, Indus­trie 4.0 sowie dem steigenden Innovations- und Kostendruck in der Elektronikindustrie wächst auch das Aufgabenfeld von EMS-Dienstleistern. EMS-Dienstleister unterstützen in der Regel Kunden aus unterschiedlichen Branchen und sind daher mit der Entwicklung und Fertigung verschiedener Lösungen vertraut – bei der Hardware, bei der Software sowie bei ihrer Vernetzung. Das macht sie zur Schnittstelle zwischen Herstellern und Zulieferern, wobei sie bei der Auswahl der Technologien beraten und Produktions- und Qualitätskosten steuern.

Im Bereich Healthcare und Life-Sciences lässt sich schon seit einigen Jahren eine Konvergenz von Medizin- und Konsumerelektronik beobachten, z.B. um Patientenüberwachungssysteme für den Einsatz in den eigenen vier Wänden aufzurüsten. Grundvoraussetzung dafür ist die Wahl einer sicheren, zuverlässigen, aber auch kosteneffizienten Wireless-Technologie. Ähnliches gilt für das IIoT und Industrie 4.0: Auch hier profitieren OEMs vom branchenübergreifenden Kommunikations-Know-how, z.B. bei IoT-fähigen Sensoren, Equipment, Geräten und industriellen Steuerungen sowie Cloud-Gateways.

3. EMS als Smart Factory auf Zeit
Vernetzte Produktionsanlagen versprechen Vorteile bei der Materialwirtschaft, Lageroptimierung, Logistik und Risikominimierung –
davon sind auch EMS-Dienstleister nicht ausgenommen. In der intelligenten Fabrik steigt die Qualität und Effizienz der Fertigung, während die Datenanalyse aus dem Vollem schöpfen kann. Darüber hinaus bietet die durchgehende Vernetzung ein neues Maß an Transparenz über alle Produkte und Produktionsprozesse hinweg.

4. EMS als Big-Data-Spezialist

Eine zentrale Rolle nimmt die Datenanalyse zudem beim Supply-Chain-Management ein. Durch den Einsatz neuer Technologien im Bereich Data-Analytics lassen sich interne wie externe Risiken entlang der Lieferkette vorhersehen und proaktiv minimieren. Mit dieser zusätzlichen Serviceleistung entwickeln sich EMS-Anbieter stärker als zuvor zu einem wertvollen Partner von OEMs.

5. EMS als cybersicherer Partner

Cyberkriminalität ist ein zentraler Risikofaktor für den Elektroniksektor. Die Schäden sollen bis 2021 fast 6 Billionen US-Dollar pro Jahr erreichen. Für OEMs rückt damit auch der Schutz ihres geistigen Eigentums verstärkt in den Fokus, insbesondere wenn sie mit EMS-Dienstleistern zusammen arbeiten. Diese können sicherstellen, dass effektive Sicherheitstechnologien über die gesamte Supply-Chain integriert sind und Industrie-Frameworks (ISO 27001 und COBIT) sowie länderspezifische Vorschriften eingehalten werden. Das proaktive Management von Cyberbedrohungen ist damit nicht mehr nur Kür, sondern Pflicht für jeden OEM, der die Kontinuität innerhalb der Supply-Chain sicherstellen will. Dies wird umso wichtiger in einem Umfeld, in dem Materialengpässe zu Einschränkungen in der Lieferkette führen können und die Einhaltung der Produkteinführungszeit gefährden.