Deutsche Industrie legt zu Einkaufsmanager-Index klettert auf 22-Monatshoch

Die Geschäftsbedingungen in der deutschen Industrie haben sich im August weiter verbessert. Das signalisiert der saisonbereinigte IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI), der mit aktuell 52,2 Punkten auf einem 22-Monatshoch nach 51,0 im Juli landete.

Demnach erholen sich die Auftragseingänge weiter von ihren Tiefstständen, die auf dem Höhepunkt des Coronavirus-Lockdowns gemessen wurden. Darüber hinaus stieg die Produktionsrate den IHS-Markit-Angaben zufolge auf den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren. Zwar setzte sich der Abbau von Arbeitsplätzen abermals fort, er fiel allerdings aufgrund der besseren Geschäftsaussichten und wachsender Auftragsbestände weniger stark aus als im Vormonat.

„Der deutschen Industrie ist es gelungen, ihre Produktion bereits den zweiten Monat in Folge wieder auszuweiten. Allerding ist es angesichts der noch nicht überwundenen Corona-Krise und der damit verbundenen negativen Folgen auf weite Teile der Wirtschaft noch zu früh für eine Entwarnung“, betonte Dr. Silvius Grobosch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), am Freitag in Eschborn.

„Laut EMI hat die deutsche Industrie die Corona-Rezession hinter sich gelassen und nicht nur das: Auch die Abwärtsbewegung im vergangenen Jahr wurde wieder wettgemacht“, kommentierte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, am Freitag auf BME-Anfrage die aktuellen EMI-Daten. Die expansiven Maßnahmen der vergangenen Monate scheinen „also bei den Unternehmen anzukommen. Wichtig ist nun, dass der Aufschwung nicht wieder durch Lockdowns zunichtegemacht wird. Trotz dieser besseren Stimmung bleibt zu beachten, dass das Vor-Corona-Krisenniveau voraussichtlich erst wieder 2022 erreicht wird“, fügte die Helaba-Bankdirektorin hinzu.

„Die deutsche Wirtschaft ist im dritten Quartal auf Wachstumskurs. Aber zur Euphorie gibt es keinen Grund“, sagte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, am Freitag dem BME. Die Corona-Entwicklung erfordere höchste Wachsamkeit und bleibe die größte Herausforderung für die deutsche Konjunktur, so Kater abschließend.

„Der Anstieg von Produktion und Neuaufträgen im August bedeutet für viele Unternehmen einen wichtigen Schritt aus dem Pandemie-Tal heraus. Auch wenn der Wirtschaftseinbruch nicht so tief ausfallen wird, wie ursprünglich befürchtet, sind zahlreiche Betriebe noch weit entfernt von den Umsätzen, die sie vor der Krise hatten“, betonte DIHK-Expertin Melanie Vogelbach am Freitag in ihrem EMI-Statement für den BME. Danach rechne laut DIHK-Befragung rund jedes zweite Unternehmen nicht mit einer raschen Rückkehr zur Normalität. Hinzu komme: Die Auftragslage sei derzeit stark von Nachholeffekten zuvor ausgebliebener Geschäfte getrieben. Vogelbach weiter: „Die aktuellen Erwartungen stehen daher unter dem Vorbehalt, dass sich die positive Entwicklung fortsetzt. Auch dämpfen die Unsicherheiten im Auslandsgeschäft die konjunkturelle Erholung. Noch immer erschweren eine verminderte Nachfrage, ausbleibende Investitionen, Störungen in den Lieferketten und Einschränkungen bei Geschäftsreisen die internationalen Geschäfte. Herausfordernd bleibt zudem die finanzielle Situation in etlichen Unternehmen. Für das Wirtschaften hierzulande brauchen die Betriebe daher mehr denn je gute Standortbedingungen.“

Zur jüngsten Entwicklung des EMI-Teilindex Einkaufspreise sagte Dr. Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director Industrials, Automotive & Services der IKB Deutsche Industriebank AG, am Freitag dem BME: „Die deutlich verbesserten Werte des EMI schlagen sich auch in der Entwicklung der Weltrohstoffpreise nieder: Diese zogen im Durchschnitt des August 2020 auf breiter Front um gut sieben Prozent an. Infolge der Aufwertung zum US-Dollar machte der Anstieg in der Euro-Zone jedoch nur 3,8 Prozent aus. Besonders stark fiel der Preisanstieg bei Aluminium, Kupfer und Nickel aus. Dagegen ist der Preisanstieg bei den Edelmetallen weniger von der industriellen als von der investiven Nachfrage getrieben. Die stark angezogenen Spotmarktpreise für Eisenerz schlugen sich nun auch in festeren Stahlpreisen nieder. Wir erwarten bei den Industriemetallen in den nächsten drei Monaten dennoch eine eher stabile Seitwärtsbewegung mit nur leichtem Aufwärtspotenzial.“