Vom Shopfloor bis zum Einkauf Digitalisierungsoffensive in der EMS-Industrie

Markus Aschenbrenner, Zollner: »Wir haben vor einiger Zeit beschlossen, in Software-Werkzeuge zu investieren, und erarbeiten eine Digitalisierungsstrategie für unser Geschäft; die Basis dafür ist eine einheitliche Softwarelandschaft bestehend aus einem weltweit einheitlichen ERP-, MES- und PLM-System.«

Die Corona-Krise lässt allerorten den Ruf nach Digitalisierung laut werden. Die EMS-Industrie in DACH ist dem längst voraus: Vom Shopfloor bis hin zum Einkauf kommen bereits vielerlei smarte Lösungen zum Einsatz.

Die helfen der Branche nun auch dabei, die aktuellen Herausforderungen als Partner der OEMs flexibel zu meistern.

Auch die EMS-Industrie bleibt von der aktuellen Krise nicht verschont: Vor allem Automobilzulieferer wurden vom Produktions-Lockdown ihrer OEM-Kunden getroffen. Die Auswirkungen hängen jedoch stark von der Kundenstruktur des jeweiligen Unternehmens ab, wie Bo Lybæk, CEO von GPV, weiß: »Auf die Krise bezogen sind unsere Kunden eher eine bunte Mischung. Einige verzeichnen hohe Wachstumsraten und steigern ihren Umsatz bei uns, während andere stillstehen. Wir haben den Vorteil, dass wir unsere Produktion nicht nach einigen wenigen, großen Produktgruppen und Kunden ausgerichtet haben, sondern agil sind und uns den Kunden, die aufgrund der Krise ein Wachstum erleben, schnell anpassen können.« GPV mit Sitz in Dänemark zählt nach der Übernahme der Schweizer CCS-Gruppe zu den größten EMS in Europa. Trotz Coronakrise will das Unternehmen weiter investieren und implementiert an allen Standorten derzeit ein neues Manufacturing Execution System (MES), das u.a. zur weiteren Digitalisierung von Prozessen und Ressourcenmanagement beitragen wird.

»Als EMS-Partner etlicher großer globaler Erstausrüster besteht unsere wesentlichste Berechtigung darin, bei unseren Kunden Wachstum zu schaffen. Das bewirken wir in erster Linie durch zusätzliche Digitalisierung, und diesbezüglich sind wir in sehr vielen Bereichen bereits Vorreiter. Wir haben die besten Voraussetzungen, um langfristig Marktanteile und Kunden an einem Markt zu gewinnen, der sich im Wachstum befindet«, fasst Lybæk zusammen. So hat GPV in diesem Jahr verschiedene Videosysteme erprobt, die die Zusammenarbeit mit den Kunden während der Corona-Krise erleichtern. Diese Erfahrungen sind so gut, dass Bo Lybæk davon ausgeht, dass etliche von ihnen permanent eingeführt werden: »Die Corona-Krise ist zweifelsohne auch ein Augenöffner hinsichtlich der schnellen Implementierung digitaler Kooperationsformen. Das ist positiv und eine der Lehren, die wir selbstverständlich mitnehmen.«

Auch das mittelständische EMS-Unternehmen Hekatron ist bislang gut durch die Krise gekommen: »Die Entwicklungen der ersten Monate sind aber trotz Corona-Krise positiv«, stellt Geschäftsführer Michael Roth fest. Auch er hat u.a. in digitale Technologien investiert, um »flexibel, effizient, qualitativ hochwertig und pünktlich produzieren zu können«. So wird zum Beispiel das intelligente Bilderkennungs- und Bildverarbeitungsverfahren „Schlauer Klaus“ zur Überwachung der Fertigungsqualität eingesetzt. Auf diesen smarten Helfer setzt auch Prettl Electronics, um in seinen Werken bestehende Prozesse zu optimieren und die Digitalisierung im Shopfloor umzusetzen. Im ersten Schritt kommt das System vor allem in der THT-Bestückung zum Einsatz.Neben Anleiten, Prüfen & Bestätigen dokumentiert das System die Vorgänge digital und macht Rückschlüsse möglich. Neben der Qualitätssicherung stellt der Hersteller des Systems „Schlauer Klaus“ eine Produktionssteigerung von 20Prozent in Aussicht.