Eröffnung der productronica 2019 Die Zeichen stehen auf Wachstum

Falk Senger, Geschäftsführer Messe München, Rainer Kurtz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Kurtz Holding und Ajit Nanocha, CEO der SEMI, auf der Eröffnungspressekonferenz der productronica und der Semnicon Europa.
Falk Senger, Geschäftsführer Messe München, Rainer Kurtz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Kurtz Holding, und Ajit Nanocha, CEO der SEMI, auf der Eröffnungspressekonferenz der productronica und der Semicon Europa.

Auf der Eröffnungs-Pressekonferenz von productronica und Semicon gaben Ajit Manoch von der SEMI und Rainer Kurtz vom Ausstellerbeirat neueste Marktzahlen und -aussichten bekannt.

»Das Verhältnis zwischen den IC-Herstellern und der Automobilindustrie hat sich über die vergangenen zehn Jahre vollständig gewandelt«, freut sich Ajit Manoch, CEO der SEMI (Semiconductor Equipment und Materials). Bestes Beispiel: Soeben ist VW der SEMI-Initiative Smart Transportation beigetreten und ist damit nach Audi der zweite OEM, der diesen Schritt getan hat. Damit will die SEMI die gesamte Wertschöpfungskette von der Connectivity (Firmen wie Google und Apple machen mit) über die EDA (Cadence, Mentor, Synopsys), IC-Hersteller (Bosch, NXP), Zulieferer (ZF, Continental), Institute (Imec) bis zu den Verbänden und Regulierern (SEMI, VDE, EU) abdecken. 

Den Fahrzeugherstellern ist nun endgültig bewusst geworden, dass in den Halbleitern eines der größten Innovationspotenziale für die Autos und neue Mobilitätskonzepte steckt; der Trend zum autonomen Fahren dürfte das unterstreichen. Die fundamentalen Zahlen sprechen ebenfalls für sich: Über 10 Prozent der weltweit gefertigten ICs wandern heute schon ins Auto. In den Fahrzeugen der Oberklasse sitzen heute schon 10.000 Chips. In zehn Jahren sollen es nicht weniger als 100.000 sein. Weil IoT und KI die Entwicklung durch praktisch alle Branchen weiter in Richtung Elektronik treiben, wird sich der Umsatz der Halbleiter-industrie von heute rund 460 Mrd. Dollar bis in zehn Jahren auf 1000 Mrd. Dollar verdoppeln. Zum Vergleich: Der Umsatz mit Elektroniksystemen liegt heute bei 1500 Mrd. Dollar. Auch die maximale Zahl der Transistoren pro Chip soll von einigen Milliarden bis auf 1000 Milliarden steigen. 

Die Zahlen sehen also für die Hableiterindustrie blendend aus. Auch Rainer Kurtz vom Ausstellerbeirat der productronica und im Hauptberuf CEO der Kurtz Holding, erklärte anlässlich der Eröffnung der productronica: »Fundamental ist die Zukunft gut, die Hersteller von Maschinen für die Elektronikfertigung sind in der Vergangenheit um durchschnittlich 7 Prozent pro Jahr gewachsen, das wird sich so fortsetzen.« 

Aber eben nur im Durchschnitt. Denn Mitte 2018 ging der Auftragseingang in der Branche zurück, seit Ende 2018 auch die Produktion. Zwei Drittel der befragten Mitglieder sehen aktuell eine Verschlechterung der Auftragssituation, ein Drittel aber auch eine Verbesserung. Das resultiere vor allem aus der gegenwärtigen politischen und technischen Verunsicherung. Die technische Verunsicherung betreffe vor allem die Automobilbranche, denn im Moment wisse keiner so genau, wo die Antriebstechnik hingehe. 

Insgesamt schlagen sich die Verunsicherungen und die Abkühlung in wichtigen Märkten wie China in einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 8 Prozent nieder. Die gute Nachricht: Auf die Personalstruktur habe das noch keine Auswirkungen, die Firmen bauen Personal nicht ab, fahren aber Neueinstellungen herunter. 

Dennoch ist es ein wichtiges Thema, die Jugend für Jobs rund um die Elektronik zu begeistern und Studenten, Absolventen und Firmen zusammenzubringen. Dazu veranstalten der VDMA und die Fraunhofer-Gesellschaft zusammen mit der productronica zum ersten Mal in diesem Jahr beispielsweise einen Hackathon, in dessen Rahmen die Teilnehmer im Laufe von 48 Stunden eine Aufgabe lösen bzw. ein System entwickeln müssen. Er findet im Rahmen des Bereichs „Accelerating Talents“ in der Halle B2 statt. Zudem können sich die Besucher im Rahmen verschiedener Sonderausstellungen wie Smart Maintenance und 3D AOI schnell einen Überblick über diese komplexen Themen verschaffen und selber Maschinen ausprobieren. All das hat in diesem Jahr 1544 Aussteller aus 43 Länder angezogen. Falk Senger, Geschäftsführer der Messe München, rechnet mit insgesamt 44.000 Besuchern, weit über 50 Prozent davon aus dem Ausland.