Trumps Zölle und die Auftragsfertigung »Die USA brauchen Mexiko und Asien«

Johann Weber, Zollner Elektronik
»Metall, das in der EU gekauft wird, in den USA speziell behandelt und schließlich wieder zurück nach Europa gelangt, um hier in Systeme integriert zu werden, die dann wieder in die USA geliefert werden, verursacht letztlich zweimal die Schutzzollgebühr und das ist natürlich schon kritisch.«
Johann Weber, Zollner Elektronik: »Metall, das in der EU gekauft wird, in den USA speziell behandelt und schließlich wieder zurück nach Europa gelangt, um hier in Systeme integriert zu werden, die dann wieder in die USA geliefert werden, verursacht letztlich zweimal die Schutzzollgebühr und das ist natürlich schon kritisch.«

Die USA sind wirtschaftspolitisch derzeit ein unwägbarer Faktor. Welche Rolle Donald Trumps Schutzzölle für die Produktion spielen und wie es um die Fertigungsstandorte USA und Mexiko bestellt ist, war Thema beim Forum „Elektronikdienst-leistungen“ der Markt&Technik.

US-Präsident Trump will eine Rennaissance der USA als Produktionsstandort einläuten und fährt unter anderem deshalb eine rigide Schutzzoll-Politik. Die Auswirkungen auf die Elektronikindustrie ließen nicht lange auf sich warten. Nach den Worten von Johann Weber, Vorstandsvorsitzender von Zollner Elektronik, Europas größtem Elektronikdienstleister, schlagen die Schutzzölle bei elektronischen Baugruppen und Modulen zu Buche, die Zollner aus Europa oder China in die USA liefert: »25 Prozent tun natürlich weh. Wir diskutieren mit den Kunden zwar darüber, dass diese Kosten anfallen, für die wir schließlich nichts können, aber das sind schwierige Gespräche«, bekundet Weber. Dienstleister trifft das Problem besonders hart, da die zusätzlichen Kosten erst einmal an ihnen hängen bleiben, wenn der Kunde keine Einsicht zeigt. Die sowieso niedrigen Margen bei der Auftragsfertigung sind da schnell aufgezehrt.

Auch diverse Materialien, die in der Elektronikindustrie zum Einsatz kommen, stehen auf Trumps Schutzzoll-Liste, und das hat zur Folge, dass Zölle unter Umständen sogar doppelt entrichtet werden müssen, wie Weber an einem Beispiel erklärt: »Metall, das in der EU gekauft wird, in den USA speziell behandelt und schließlich wieder zurück nach Europa gelangt, um hier in Systeme integriert zu werden, die dann wieder in die USA geliefert werden, verursacht letztlich zweimal die Schutzzollgebühr und das ist natürlich schon kritisch.«

Unsicherheit gefährdet die Wirtschaft

Ob Trump das bedacht und gewollt hat? Stephan Baur, Gesellschafter von BMK, meint: »Der Konflikt zwischen USA und China wird auf wirtschaftlicher und technologischer Ebene ausgetragen, wo früher Kriege geführt wurden. Das hat Trump sehr gut erkannt und hat alle Pfeile im Köcher. Der Aufstieg Chinas ist nicht wegzudiskutieren und die USA setzt sich dem zur Wehr; wir als Europa sind auf eine undurchsichtige Weise mit im Boot.«

Und eben dies führt zu negativen Effekten. »Denn die Wirtschaft braucht gewisse Sicherheiten für Investitionsentscheidungen«, unterstreicht Dr. Peter Schmitt, Business Development Director von CCS. Selbst sei CCS zwar von den Schutzzöllen derzeit nicht betroffen, weil das Unternehmen wenig mit den USA direkt zu tun hat. »Aber wir sehen schon, dass unsere Kunden dadurch verunsichert sind.«

Die Unsicherheit steht auch nach den Worten von Bernd Enser, Vice President Automotive Segment von Sanmina, einem der weltweit größten Elektronikdienstleister/EMS mit Hauptsitz in den USA, an erster Stelle. »Die Weltwirtschaft war es die letzten 10 oder 20 Jahren nicht gewohnt, mit derartigen politischen Charakteren umzugehen. Die Wirtschaft hat floriert und die Politik hat pariert.« Das, so Enser, sei jetzt anders: »Trump muss zum einen sein Wahlversprechen einlösen, zum anderen versucht er weiterhin in der Rolle eines Wirtschafts-Bosses in einem Umfeld zu agieren, das andere Regeln hat.« Die aktuelle Situation lähme, zwar nicht dahingehend, dass das Geschäft einbricht, aber die Checkliste der Eventualitäten, die man als Unternehmen einplanen müsse, habe sich verlängert. »Wir wünschen uns jedenfalls, dass das politische Wasser nicht zum Sieden kommt. Wenn wir es schaffen, dass wir in einem Bereich bleiben, wo es zwar die eine oder andere Blubberblase gibt, aber die See noch relativ ruhig bleibt, werden wir auch über diesen Trend hinwegkommen.« Zeigt Trumps Protektionismus in den USA wirtschaftlich überhaupt Wirkung? »Wir merken schon, dass das Binnengeschäft in den USA angekurbelt wird«, erklärt Enser.

Noch halten sich die Auswirkungen von Trumps Politik für die Elektronikfertiger in Grenzen und die Wirtschaft brummt, dennoch stehen viele Fragezeichen im Raum. Die Rahmenbedingungen können sich wöchentlich ändern, etwa wenn sich die Situation zwischen China und den USA verschärft. »Wenn man auf einer hohen Runrate arbeitet, dann träfe uns eine Abschwächung umso empfindlicher«, erklärt Ralf Hasler, Geschäftsführer von Lacon. »In dem Moment, wo mehrere Kunden stornieren würden, weil es die Wirtschaftslage erfordert, wäre das extrem schmerzhaft.«