Trumps Zölle und die Auftragsfertigung »Die USA brauchen Mexiko und Asien«

Neues Geschäftspotenzial durch die Schutzzölle?

Diesen Trend bestätigt auch Jürgen Seibert, Vice President Business Development von Plexus. »Globale OEMs haben sich in den letzten 18 bis 24 Monaten so aufgestellt, dass sie in Europa produzieren, wenn sie für ihre Produkte einen europäischen Bedarf sehen und sich damit bis zu einem gewissen Grad unabhängig machen«, bestätigt »Allerdings wollen sie trotzdem in Dollar abrechnen und geben das Risiko damit an den EMS ab«. Aber grundsätzlich sieht Seibert gute Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit mittelständischen US-Firmen, vor allem für die regionalen EMS auch in der DACH-Region. »Den gleichen Trend stellen wir übrigens auch bei asiatischen Firmen außer China fest. Auch sie sind im Falle eines europäischen Bedarfs ihrer Produkte bereit, die Fertigung nach Osteuropa zu geben.« Also alles in allem ein Gewinn für Europa? Dass Trumps Protektionismus auch Geschäftsmöglichkeiten für Europa generieren könnte, weil US-amerikanische Firmen ihre Produktion nach Europa verlagern, ist zumindest nicht von der Hand zu weisen. »Wenn die Handelsbeziehung zu den USA etwas leidet, dann wird die europäische Schiene für Asien etwas wichtiger und das kann uns in Europa nur helfen«, fasst Felix Timmermann zusammen, Executive Vice President von Asteelflash.

Allerdings ist eine Fertigungsverlagerung nicht in allen Fällen einfach möglich. »Bei FDA-regulierten Produkten beispielsweise kann man nicht so einfach umstellen und heute in Europa und morgen in Asien produzieren. Da wartet man schon mal ein oder zwei Jahre, bis die Produktion verlagert werden kann«, gibt Weber zu bedenken.

Gleichzeitig denken EMS-Firmen, die bisher nicht in den USA produziert haben, nun auch intensiver über einen Standort „in der neuen Welt“ nach, wie Jörg Neukirch bestätigt, Geschäftsführer der Neways in Neunkirchen. »Wir sehen mehr Druck durch Trump und denken darüber nach, in Nordamerika Fuß zu fassen. Wir haben dort bereits einen Engineering-Standort und bedienen darüber Kunden in den USA, aber produzieren nicht dort.« Mit diesen Überlegungen begegne Neways aber nicht nur der aktuellen politischen Lage, sondern folge auch dem Trend, Kunden lokal zu bedienen, unterstreicht Neukirch. 

Mexiko nach wie vor hoch im Kurs

Und was wird aus dem vor Trumps Amtsantritt viel gepriesenen Fertigungsstandort Mexiko? Trotz polternder Ankündigungen hat Trump bisher keine Schutzzölle auf Einfuhren aus Mexiko verhängt. Das Land bildet mit den USA und Kanada die nordamerikanische Freihandelszone (NAFTA). Nach den Worten von Christian Groß, Geschäftsbereichsleiter Vertrieb von Turck duotec, spüre man auf den Standort Mexiko demnach bisher auch keine Auswirkungen – eher im Gegenteil: »Viele unserer mittelständischen Kunden nehmen mit uns Kontakt auf, um Produktionen in den USA und Mexiko mit aufzunehmen.« Bedarfe lokal zu bediene, sei ein großes Thema, auch für Kunden, die das früher rigoros ausgeschlossen haben. Auch Felix Timmermann stellt für Asteelflash eine verstärkte Nachfrage nach dem Produktionsstandort Mexiko fest. »Kunden, die bisher in Asien für die USA gefertigt haben, wollen die Mexiko-Variante für sich erforschen. Es ist aber noch zu früh zu sagen, ob es Auswirkungen haben wird, weil vieles noch vage ist.«