Trumps Zölle und die Auftragsfertigung »Die USA brauchen Mexiko und Asien«

Mangel an Produktionsarbeitskräften in den USA

Heiligt der Zweck die Mittel? Auch wenn die Diskussionsrunde Verständnis für Trumps Beweggründe, wieder mehr Produktion ins eigene Land zu holen, äußert, ziehen die meisten Teilnehmer in Zweifel, ob dessen Rundumschlag gesamtheitlich gesehen klug war. »Ich finde das Vorgehen der USA nicht sonderlich glücklich, denn es war in der Vergangenheit lange Zeit en vogue, die Fertigung aus den USA nach Mexiko oder Asien zu verlagern«, so Gerd Ohl, Geschäftsführer von Limtronik. Man setzte auf „saubere“ Bürojobs, für die Fertigungstätigkeiten hingegen auf die verlängerten Werkbänke. »Das führte dazu, dass es momentan quasi keine Produktionsarbeitskräfte in den USA gibt. Wir haben seinerzeit keine qualifizierten Mitarbeiter für unseren Produktionsstandort in den USA gefunden. Wir mussten das Personal nach Deutschland holen und selbst ausbilden. Und dieses Rad lässt sich nicht so einfach zurückdrehen«, gibt Ohl zu bedenken. Auch Bernd Enser ist der Ansicht, dass die USA eine komplette Rückführung der Produktion von der Manpower her gar nicht stemmen könnten. »Die USA brauchen ein Mexiko und ein Asien für die Produktion«, ist er überzeugt.

Und inwieweit hilft ein Fertigungsstandort in den USA, um die Zollkosten im Falle der Elektronikdienstleistungen abzumildern? Die Kostenersparnis hält sich laut Weber in Grenzen. »Wir produzieren auch in den USA, aber in dem Fall bleibt nur die Wertschöpfung außen vor, wenn die elektronischen Komponenten, weil sie aus China importiert werden müssen, schutzsteuerpflichtig sind.« Nutznießer der Situation sind nach den Worten von Weber – zumindest potenziell – asiatische, nichtchinesische Auftragsfertiger, da auf die von ihnen in anderen asiatischen Ländern erbrachte Wertschöpfung keine Schutzzölle zu entrichten ist.

Unterm Strich hat Trumps Politik aber nicht nur negative Auswirkungen auf europäische Elektronikdienstleister. Gerd Ohl berichtet beispielsweise von hiesigen Bestandskunden, die ihre Produkte auch in den USA verkaufen und darüber nachdenken, bestimmte Fertigungsinhalte, wie etwa Gerätemontage, an den Limtronik-Standort USA zu verlagern. Auch Roland Hollstein, Geschäftsführer von Grundig Business Systems, kann der Tatsache, dass durch Veränderungen eingefahrene Strukturen aufgebrochen werden, durchaus etwas Gutes abgewinnen, zumal er neues Geschäftspotenzial sieht: »Wir bekommen derzeit Anfragen von mittelständischen US-Unternehmen, die viele Produkte in Deutschland entwickeln, aber bisher in Asien produziert haben und sich nun nach Montage- und Fertigungskapazitäten in Deutschland und Europa umsehen, um politische Unsicherheiten abzufedern.«