Kommentar Die Plattform ist tot, es lebe die Plattform!

Karin Zühlke, Markt&Technik
Karin Zühlke, Leitende Redakteurin, Markt&Technik

»Industrie 4.0 is in the air«, so in etwa lässt sich der Spirit zusammenfassen, der die Hannover Messe in diesem Jahr beherrscht. Dürfen wir uns auf ein Wirtschaftswunder 4.0 freuen? Das Rennen um Industrie 4.0 ist jedenfalls längst noch nicht verloren, im Gegenteil: Yes, we can!

Seit der CeBIT gibt es sie nun: die neue Plattform Industrie 4.0. Entscheidende Änderung gegenüber der alten Plattform: Die Leitung obliegt nun den beiden Bundesministern Wanka und Gabriel. Ansonsten setzt das neue Konstrukt ganz nach dem Prinzip »Der König ist tot, es lebe der König« auf Kontinuität und eine breite Basis aus Verbänden, Forschungseinrichtungen und Industrie. Welche Unternehmen der neuen Plattform und ihren Arbeitsgruppen angehören, ist allerdings ein – unverständlicherweise – gut gehütetes Geheimnis.

Ein Stück des Geheimnisses lüfteten die Plattform-Initiatoren Wanka und Gabriel nun auf der Hannover Messe, wo sie das neue Leitungsgremium aus Industrie, Forschung und Gewerkschaft vorstellten: Dieses besteht aus der Fraunhofer Gesellschaft, IG Metall, Siemens, Festo, SAP, der Telekom und dem BDI.

Auch wenn die neue und breiter aufgestellte Plattform auf den ersten Blick wie ein träger Supertanker und nicht wie ein wendiges Schnellboot wirkt, trägt der politische Rettungsversuch doch bereits Früchte: Die Industrie rückt sichtbar näher zusammen, und ihre großen Player positionieren sich auf der Hannover Messe geschlossen als globaler Anbieter von Technologien für die Fabrik der Zukunft.

Ob es nun am politischen Machtwort liegt oder die Unternehmen selbst die Notwendigkeit erkannt haben: Seit der CeBIT ist zum ersten Mal so etwas wie eine gemeinsame Aufbruchstimmung in Richtung Industrie 4.0 zu erkennen und damit verbunden die Hoffnung, dass die deutsche Industrie ihre Pole-Position doch noch nicht an die USA und das IIC verloren hat. Telekom-Vorstand Clemens appellierte auf der CeBIT einmal mehr an den Pioniergeist unserer Industrie und verkündet dabei gar das Wirtschaftswunder 4.0. Auf der Hannover Messe setzte sich diese "perfekte Welle" unvermindert fort: Industrie 4.0 war nicht nur an zahlreichen Ständen als Marketing-Slogan sichtbar, sondern glänzte auch schon mit Best Practise Beispielen. Yes, we can! 

Die Großen – Siemens, Telekom, SAP usw. – haben das Heft in die Hand genommen. So war es von der Politik gewünscht, und das ist auch gut so. Denn nur sie haben die Reichweite, die der deutschen Industrie 4.0 weltweit zum Erfolg verhelfen kann. Eine breite Akzeptanz und damit De-Facto-Standards entstehen eben nur über diese große Reichweite, siehe Google und Android.

Allerdings bleibt zu hoffen, dass die vielen innovationsfreudigen Mittelständler im Spiel der Big Player nicht auf der Strecke bleiben. Denn was die Großen jetzt lautstark verkünden, wie etwa Cloud-Konzepte für die smarte Fabrik, gibt es als Leuchtturm-Projekte auch schon von mittelständischen Unternehmen.

Ein Hinweis in eigener Sache:

Um spannende Projekte, Strategien und Technologien rund um die Industrie 4.0 geht es nicht nur auf der Hannover Messe, sondern auch auf unserem 3. Industrie 4.0 & Industrial Internet Summit am 20. und 21. Oktober in München. Bis zum 4. Mai - wir haben den Call-for-Papers noch einmal einige Tage verlängert,  haben Sie noch die Gelegenheit, das Programm aktiv mitzugestalten. Details zum Call for Papers finden Sie auf www.industrie4-summit.de.

 

 

seit der CeBIT gibt es sie nun: die neue Plattform Industrie 4.0.