Der Aufschwung in der EMS-Branche führt zu Lieferproblemen auf dem Komponentenmarkt »Die Materialverfügbarkeit ist unser größtes Problem«

Als »Herausforderung Nummer 1« für 2010 bezeichnen die von Markt&Technik befragten EMS-Unternehmen die Materialverfügbarkeit: Lange Lieferzeiten und Allokation bei einigen Bauelementen bremsen den Aufschwung.

Vor allem wer auftragsbezogen kleine Mengen bestellt oder kurzfristig Material ordern möchte, hat schlechte Karten. Abhilfe schaffen könnte zukünftig eine engere Zusammenarbeit in der Lieferkette.

»Die Kapazitätsengpässe führen zu Verzögerungen, die für uns und unsere Kunden schädlich sind«, bringt Dr. Maximilian Seidel, Geschäftsführer bei Seidel Electronics, die Situation auf den Punkt. Viele Halbleiter haben Lieferzeiten von bis zu 20 Wochen oder sind derzeit gar nicht verfügbar. Knapp sind auch DRAMs und einige passive Komponenten. Die Leiterplattenhersteller melden ebenfalls Kapazitätsengpässe: Lieferzeiten von 40 Tagen und mehr sind keine Seltenheit.

Die Folge: EMS-Unternehmen laufen Gefahr, ihre Fertigungsaufträge nicht pünktlich oder nur mit deutlichen Mehrkosten produzieren zu können. »Die Allokation ist momentan bei einzelnen aktiven Bauelementen signifikant spürbar«, sagt Waldemar Christen, Leiter Vertrieb und Marketing bei der BMK Group. »Der bereits 2009 erkennbare Trend hat sich durch die erhöhte Nachfrage zu einem ernsthaften Problem entwickelt.« Wie sich das auswirkt, schildert Detlef Schneider, Geschäftsführer der TQ-Group: »Man bestellt, bekommt das auch bestätigt, aber leider nicht geliefert, weil es an anderer Stelle jemanden gibt, der die Teile auch benötigt und mehr bezahlt, als man selbst vereinbart hat.«

Was ist der der Grund für diese Entwicklung? Die Marktbelebung beschert der EMS-Branche verstärkt kurzfristige Fertigungsaufträge: zum Beispiel erhöhte Stückzahlen oder aus dem letzten Jahr verschobene Projekte, die nun möglichst schnell anlaufen sollen. Das kann der Komponentenmarkt in einigen Segmenten nur bedingt oder gar nicht abfedern, denn vor allem bei Halbleitern und Leiterplatten ist im vergangenen Jahr viel Produktionskapazität verlorengegangen.

Noch relativ gut dabei ist, wer langfristige Aufträge bei seinen Lieferanten platziert oder auf Vorrat bestellt hat: »Wir disponieren möglichst viele Bauteile nicht auftragsbezogen, sondern auf Basis des bisherigen Verbrauchs in einem bestimmten Zeitraum«, so Wolfang Peter, Geschäftsführer von Vierling. Die aktuelle Situation verleitet allerdings einige EMS-Firmen dazu, mehr zu bestellen als nötig, »was zu einer verschärfenden Eigendynamik führt«, warnt Peter.

Besonders für EMS-Unternehmen, die nur geringe Mengen bestellen, könnte die schwierige Verfügbarkeit zu einem Wettbewerbsnachteil werden: »Weil wir auftragsbezogen nur kleinere Mengen an Bauelementen und Leiterplatten abnehmen, können wir uns immer wieder hinten anstellen«, gibt Mathias Holsten, Geschäftsführer von Plath EFT, zu bedenken. Eine konzentrierte Zusammenarbeit mit bestimmten Lieferanten helfe hingegen bei Engpässen und sichere im Bedarfsfall eine bevorzugte Belieferung, erklärt Peter.