Gedruckte Elektronik »Die lange Durststrecke ist nun endlich vorbei«

Jetzt ist die Zeit der Versprechungen vorbei, jetzt wird geliefert. Das hat die LOPEC in München gezeigt.

Denn die gedruckte Elektronik macht Produkte quer durch alle Branchen kostengünstiger, leichter, einfacher und funktionaler. »Nach langer Durststrecke ist es nun endlich soweit«, freut sich Wolfgang Mildner, General Chair LOPEC, anlässlich der Eröffnung der Messe in München. Dafür sprechen gleich mehrere Gründe.

Erstens ist ein mittlerweile starkes Ökosystem rund um den vielfältigen Bereich der gedruckten Elektronik entstanden. Zweitens sehen die Anwender aus den Bereichen Mobilität, Medizin, Well-Being und Consumer jetzt, dass die gedruckte Elektronik ihre drängenden Probleme lösen kann. Und dass sie die Funktionen, die ihre Kunden gerne nutzen wollen – Schlagwort funktionale Oberflächen – erst ermöglichen. Auch für Industrie 4.0 wird sich die gedruckte Elektronik als ein entscheidender Faktor erweisen.

»Wir müssen nicht mehr eine Technik anpreisen, die auf der Suche nach den Problemen ist, die sie lösen kann. Die Anwender sind überzeugt, dass ein wichtiger Teil der Zukunft für sie in diesen Druckverfahren liegt«, so Wolfgang Mildner. »Die Anwender erkennen, dass die gedruckte Elektronik in der Elektromobilität und vielen weiteren Märkten für günstigere Fertigungsmethoden und mehr Funktionalität für den Anwender führt.«

Was macht ihn so sicher, dass der Durchbruch geschafft ist? In diesem Jahr haben sich so viele Hersteller von Materialien unter den Ausstellern eingefunden wie nie zuvor. Sie wittern, dass sich nun mit der gedruckten Elektronik gute Geschäfte machen lassen, weil die Nachfrage der Anwender rasant wächst.

Continental – in diesem Jahr zum zweiten Mal auf der LOPEC vertreten – hat dies mit einer passenden Ankündigung auf der diesjährigen LOPEC unterstrichen: Das Unternehmen baut in Freiburg ein Technikum auf. »Wir wollen die Verfahren dort für verschiedene Sektoren – etwa Industrie 4.0 – schnell zur Produktionsreife bringen«, sagt Dr. Erhard Barho, Head of Functional Surface Solutions der zu Continental gehörenden Benecke-kaliko. „Hardware as a Service“ anbieten zu können sei eines der Ziele.

Ein weiteres Beispiel ist Siemens, die in diesem Jahr zum ersten Mal auf der LOPEC als Aussteller mitmachte. Denn die Unternehmen, die Maschinen für die Fertigung von gedruckter Elektronik bauen, sowie die Firmen, die darauf produzieren, haben sich für Siemens zu einem interessanten Markt entwickelt. Am Beispiel einer Batterie-Wickelmaschine demonstrierte das Unternehmen, wie sich die eigenen Steuerungstechnik vom Edge bis in die Cloud dazu nutzen lässt, die Wickelmaschine künftig vorausschauend warten zu können und wie die Batterieproduzenten ihren Kunden in der Automobilindustrie auf Basis der Edge- und Cloud-Analytik hohe Qualität bieten können.

Airbus zeigte am Stand der OE-A am Beispiel der Innenverkleidung einer Passagierkabine, wie vielfältig sich gedruckte Elektronik dort anwenden lässt. Ohne sie sei die Zukunft der Passagierkabinen schlicht nicht mehr denkbar.

„Hybride Elektronik“ war eines der großen Schlagwörter auf der diesjährigen Messe. Damit ist gemeint, dass unterschiedliche Drucktechniken und die etablierte Elektronik zu neuen 3D-strukturierten Gesamtsystemen integriert werden. »Nicht mehr einzelne Techniken, sondern ihr Mix wird entscheidend«, so Mildner.

Ein weiteres Schlagwort war Stretchable Electronics: »Hier sehe ich den nächsten Durchbruch«, so Wildner. Im Hintergrund würden viele führende Unternehmen ganz verschiedener Branchen daran arbeiten. Denn hier lassen sich bestehende Komponenten mithilfe neuer Verbindungs- und Gehäusetechniken zu flexiblen Systemen zusammenführen.