Daimler, Volkswagen, Siemens, Lenovo Die KI-Strategien der großen Hersteller

Prof. Jürgen Schmidhuber, ­Direktor des IDSIA-Instituts
»Die Verbindung von Robotik und KI ist eine Stärke Deutschlands.«
Prof. Jürgen Schmidhuber, ­Direktor des IDSIA-Instituts »Die Verbindung von Robotik und KI ist eine Stärke Deutschlands.«

Für produzierende Unternehmen ist künstliche Intelligenz gleich in doppelter Hinsicht ein wichtiges Werkzeug: für smarte Produkte ebenso wie für eine optimierte Produktion. Was das in der Praxis bedeutet, zeigen exemplarisch die KI-Strategien von vier großen Herstellern.

Vom Quantencomputer in der Cloud bis zur emissionsarmen Turbine – das Anwendungsspektrum für künstliche Intelligenz (KI) wächst rasant. Daher beschäftigen sich längst nicht mehr nur Forschungslabore und Tech-Giganten wie Apple, Amazon, IBM oder Google mit lernfähigen Algorithmen, sondern inzwischen nahezu die gesamte Industrie. Einen interessanten Einblick in die – zum Teil sehr unterschiedlichen – KI-Strategien von Branchengrößen wie Daimler, VW, Siemens oder Lenovo bot die KI-Tagung des Handelsblatts am 15. und 16. März in München.

Künstliche Intelligenz ist für produzierende Unternehmen gleich in doppelter Hinsicht ein wichtiges Werkzeug: Einerseits sollen die hergestellten Waren smarter werden, gleichzeitig lässt sich aber auch der Produktionsprozess durch den Einsatz lernfähiger Algorithmen optimieren. Bei einem Autohersteller wie Daimler ist beispielsweise die optische Endkontrolle des fertigen Fahrzeugs eine so anspruchsvolle Aufgabe, dass sie sich nur mit Hilfe von KI-Lösungen automatisieren lässt. Maschinelles Lernen spielt natürlich auch eine Schlüsselrolle auf dem Weg zum autonomen Fahren. Wobei selbstlernende und damit nicht mehr deterministische Systeme die auf Sicherheit bedachten Entwickler vor neue Herausforderungen stellen. So seien auch bei sehr guten KI-Systemen zweistellige Fehlerraten im Feldtest nichts Ungewöhnliches, berichtet Steven Peters, Leiter AI Research bei Daimler. Ein sicheres Verhalten ließe sich daher nur auf System­ebene erreichen, wo andere Komponenten fehlerhafte KI-Entscheidungen korrigieren könnten. Den Serieneinsatz von vollautomatischen Robotertaxis zumindest auf bestimmten Strecken erwartet Daimler für 2025.

Volkswagens CIO Martin Hofmann kokettiert zwar zunächst damit, dass VW eigentlich keine KI-Strategie habe und einfach experimentiere. Doch dann stellt er sowohl konkrete Lösungen als auch sehr ambitionierte Zukunftspläne vor. Die Preisaktualisierung für die rund 450.000 Ersatzteile im Konzern etwa übernehmen bereits verstärkt intelligente Algorithmen. Insgesamt läge das Einsparpotenzial durch KI-Lösungen konzernweit bei 300 Millionen Euro. In Kooperation mit Google und dem Quantencomputer-Spezialisten D-Wave will VW zukünftig sogar auf ein völlig neues Geschäftsmodell setzen und Quantencomputing in der Cloud anbieten, um etwa künstliche neuronale Netze mit Lichtgeschwindigkeit trainieren zu können. Hofmann gibt ehrlich zu, dass noch vor zwei Jahren niemand bei VW an diese Technologie geglaubt hätte. „Inzwischen hat sich das völlig verändert und wir investieren viel Geld.“