Europa hat in Sachen "Obsolescence" noch Nachholbedarf Die Fallstricke abgekündigter Bauelemente

»Niemand kann verhindern, dass Bauteile abgekündigt werden. Aber man kann das Risiko und die Auswirkungen deutlich minimieren.«

Passen die Lebenszyklen Ihrer Systeme nicht mehr mit den Lebenszyklen benötigter Komponenten zusammen? Stehen in Ihrem Lieferantenvertrag haarsträubende Forderungen in punkto Obsolescence-Management? Spätestens dann wird es nach Ansicht von Bjoern Bartels, Senior Consultant und Obsolescence Management Lead bei ABSC, Zeit, sich ausführlich mit dem Thema »Obsolescence Management« zu befassen.

Sind Bauteile, Baugruppen, Materialien, Werkzeuge, Software, Prozesse oder Standards, die zur Herstellung oder Instandsetzung des eigenen Systems benötigt werden, nicht mehr verfügbar, dann entstehen teure Versorgungsengpässe. Die Unternehmensberatung ABSC ist spezialisiert auf diese Materie und bietet neben Engineering- und Beratungsleistungen sowie Firmen-Audits und Software zum Obsolescence Management auch eine Schulungsreihe zum zertifizierten Obsolescence Manager an. Eine solche Qualifizierung ist schon längst überfällig, denn noch wird das Obsolescence Management ausbildungsseitig sehr stiefmütterlich behandelt, wie Bartels zu bedenken gibt: Weder gibt es eine Ausbildung zum Obsolescence Manager noch wird in den technischen Studiengängen darauf Wert gelegt. Dabei geht es in punkto Obsolescence immer mehr darum, aktives Management zu betreiben, um extreme Kosten zu reduzieren und zu vermeiden. Dabei sollen die Kurse der ABSC unterstützen: Sie helfen den Teilnehmern, in das Themenfeld von Obsolescence Management einzusteigen, oder unterstützt Fortgeschrittene in diesem Themenbereich noch detaillierteres Wissen zu sammeln. »Mit unseren Seminaren wollen wird die Ursprünge von Obsolescence beleuchten und aufzeigen wie man den Auswirkungen mit umfassendem reaktiven, proaktiven und strategischem Obsolescence Management entgegenwirkt«, erläutert Bartels. »Indem wir Workshops und Arbeitsgemeinschaften aufbauen, werden wir Obsolescence Management Strategien und Pläne im Detail ansehen. Andere Inhalte die wir abdecken werden, sind vertragliche Aspekte, Gesetzgebungen, internationale und deutsche Standards sowie welche Software Tools zum Umgang mit Obsolescence zur Verfügung stehen. Wir werden die Haupteinflussfaktoren auf  Obsolescence betrachten und Methoden ausarbeiten, um die daraus resultierenden Folgen zu minimieren.«

Die Schulungsreihe soll einen Standard in der Ausbildung schaffen und ist modular aufgebaut: Das Basiszertifikat zu erwerben, dauert etwa zwei Tage. Darauf aufbauend differenzieren sich dann die weiteren Module in Richtung Technik bzw. Engineering und in Richtung strategisches Management.
Es gibt bei ABSC aber nicht nur fertige Schulungen, sondern auch individuelle Workshops beim Kunden vor Ort. Das Interesse an solchen Workshops ist laut Bartels bereits groß – eine ähnlich gute Resonanz erwartet der Senior Consultant denn auch für den Zertifizierungslehrgang. Die Zielgruppe für die Ausbildung ist so breit wie das Kundenspektrum von ABSC: Vom kleinen EMS bis zum großen OEM ist alles dabei. Wo das Obsolescence Management angesiedelt ist, ist von Firma zu Firma ganz verschieden: vom Einkauf bis hin zum Sales. Ideal wäre nach Ansicht von Bartels eine Stabstelle mit gewisser Weisungsbefugnis, die direkt an die Geschäftsführung berichtet. »Der Obsolescence Manager muss sich einen Gesamtüberblick verschaffen und bei Bedarf die Befugnis haben, einen interdisziplinären Arbeitskreis einzuberufen, um das weitere Vorgehen zu beraten«, bekräftigt Bartels.

Viele Firmen haben die Notwendigkeit inzwischen erkannt, dass Obsolescence Management kein Selbstzweck ist und es unter Umständen sehr teuer werden kann, die Hände in den Schoß zu legen und abzuwarten. Dennoch hinkt Europa in Sachen Obsolescence Management Staaten wie den USA nach Meinung von Bartels noch deutlich hinterher. Dort ist das Thema ganz anders verankert, alleine durch die DMSMS Conferences, die Obsolescence Management schon seit 1983 ausführlich behandeln. »Die USA haben sich schon sehr früh damit beschäftigt, aber Europa ist dabei, aufzuholen«, so der positive Ausblick von Bartels, dem das Thema persönlich am Herzen liegt, wie er erklärt: »Ich möchte Deutschland auf den Stand der USA bringen.« Ein durchaus ehrgeiziges Ziel, aber immerhin ist Deutschland zusammen mit UK in diesem Punkt Vorreiter in Europa. »Dass das Thema greift, sieht man alleine daran, das sich zunehmend  mehr Verbände der Materie annehmen.« So hat beispielsweise der VDI erst kürzlich einen eigenen Fachausschuss dazu ins Leben gerufen, den Bjoern Bartels leitet.