Limtronik, ein Jahr nach der Ausgründung aus dem EN-Konzern »Die Eigenständigkeit ist ein Gewinn für uns«

Gerd Ohl, Limtronik: »Wir fertigen nach wie vor Low Volume / High Mix.«
Gerd Ohl, Limtronik: »Wir fertigen nach wie vor Low Volume / High Mix.«

Gut ein Jahr agiert Limtronik als eigenständiges EMS-Unternehmen am Markt. Der ehemalige Limburger Standort des EMS-Konzerns EN Electronic Network hat sich als wendiger Mittelständler gut etabliert und verbuchte im vergangenen Jahr ein Auftragsplus von 40 Prozent. »In diesem Jahr werden wir uns verstärkt auf das Neukundengeschäft konzentrieren«, erklärt Limtronik-Geschäftsführer Gerd Ohl.

Markt & Technik: Wie hat sich das Geschäft seit der Ausgründung entwickelt?

Gerd Ohl: Wir sind mit unserer Entwicklung sehr zufrieden. Die Eigenständigkeit ist ein Gewinn für den Standort. 2010 brachte uns ein gesundes Wachstum von etwa 40 Prozent. Es ist uns gelungen, bei Lieferanten und  Kunden positive Eindrücke zu hinterlassen. Auf der electronica hat mich beispielsweise ein Lieferant gefragt, »was ist denn in Limburg los, man hört ja nur Gutes.  „Bei meinen Mitarbeitern habe ich das Gefühl, dass sie buchstäblich‚ wie von einer Leine gelassen sind’ und eine enorme Dynamik entwickelt haben.“ 

Hat sich die Kunden- und Auftragsstruktur seit der Ausgründung verändert?

Die Kunden- und Auftragsstruktur ist im Grunde gleich geblieben. Wir fertigen nach wie vor Low Volume - High Mix. Natürlich wurde unser Schritt in die Selbstständigkeit sehr genau beobachtet und anfangs sicherlich als Risiko betrachtet. Ich denke aber, wir konnten unseren Kunden im Laufe des letzten Jahres beweisen, dass sie den richtigen Partner in uns haben. Unser Wachstum ist in erster Linie auf unsere derzeitigen Bestandskunden zurückzuführen. Die Schaffung von zwei neuen Positionen im Bereich Außendienst sind das Resultat einer Neuausrichtung unserer Vertriebsstrategie, die wir bereits zu Beginn des Jahres 2010 gestartet haben. Diese zielt in erster Linie auf die individuellere Betreuung unserer Kunden im In- und Ausland ab. Sie dient gleichzeitig der Erschließung neuer Vertriebswege und gewährleistet so auch zukünftig die effektive Versorgung der Zielmärkte mit qualitativ hochwertigen Dienstleistungen.  Neukundengewinnung ist eines unserer favorisierten Ziele in 2011.

Wo sehen Sie hier Potenzial?

Der EMS-Bereich ist in allen Märkten gut aufgestellt. Die Industrieelektronik steigt deutlich, auch der Medizinsektor hat einen sehr guten Wachstum erzielen können. Automotive stagniert etwas, die Consumer Elektronik hingegen schwächelt. Bis auf  Premium-Segmente werden mittlerweile viele Teile meist in Asien gefertigt.

Vielversprechend ist auch die Sicherheitstechnik. Neue Themen sind Applikationen für die Elektromobilität und Geräte und Anwendungen für den Aufbau eines Smart Grids: vom Smart Meter bis hin zum Energiemanagement-Gerät. Hier sind wir an einigen Projekten beteiligt und hoffen, in diesem Jahr in diesem Segmenten uns profilieren zu können.

Was haben Sie seit der Ausgründung in der Organisation verändert?

Wir haben im letzten Jahr kräftig in den Personalausbau investiert und die Mitarbeiterzahl von 100 Mitarbeitern auf 150 Mitarbeiter erhöht.

Begonnen haben wir mit dem Aus- und Aufbau einer eigenen Einkaufsabteilung. Für diese Positionen konnten wir einige ehemalige EN-Kollegen des strategischen Einkaufs gewinnen. Mit dem Hintergrund der aktuellen Marktsituation war und ist der Aufbau dieses Bereichs natürlich eine Herausforderung. Im gesamten Werk haben wir unsere Teamstruktur weiter ausgebaut.  Auch unsere Prozesse haben wir genau unter die Lupe genommen. Das heißt, wir hinterfragen unsere Projekte im Bezug auf Kostenanalyse und Produkte im Fluss. - Dadurch ist es uns gelungen, die Preise trotz der höheren Bauteilekosten nahezu stabil zu halten.