Momentum für smartPCN 3.0 Der Stein kommt ins Rollen

Die Teilnehmer des Forums zum Thema Obsolescence in den Räumlichkeiten der Markt&Technik.

smartPCN hat über die Kooperation mit dem VDMA deutlich an Gewicht gewonnen. Wie hat sich der Standard im vergangenen Jahr entwickelt? Ein Blick auf den Status Quo.

In der Industrievereinigung Component Obsolescence Group (COG) Deutschland e.V. hat sich bereits im April 2009 die Arbeitsgruppe smartPCN mit dem Ziel herausgebildet, einen Standard zu etablieren, mit dem sich PCNs (Product Change Notifications) einheitlich übermitteln lassen. Das XML-basierte, maschinenlesbare Kommunikationsformat ermöglicht ein weitgehend automatisiertes Handling von Änderungsmitteilungen über die gesamte Supply-Chain.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Weiterentwicklung des smartPCN-Formates: Basierte smartPCN1.0 noch auf Excel, entwickelte sich der Standard schnell weiter. Sozusagen als Prototyp diente Version 2.0 und war auf die Bedürfnisse der Elektronikindustrie ausgelegt. Mit der aktuellen Version 3.0 erweitern die Experten das Tool. »Mit smartPCN 3.0 haben wir noch mal einen großen Schritt gemacht«, erklärt Dr. Wolfgang Heinbach, Geschäftsführer von D+D+M und der GMP German Machine Parts. Der Standard sei in der neuen Version branchenneutral, es spielt also prinzipiell keine Rolle, ob die PCNs elektronische, elektromechanische oder mechanische Bauteile, Softwarekomponenten oder Hilfsmittel betreffen. Dazu haben die Experten sogenannte Substrukturen definiert, die individuell benannt und mit Informationen befüllt werden können, »und zwar zukunftssicher, sodass wir nicht alle drei Monate einen neuen Standard brauchen.

Mit Version 3.0 können wir theoretisch einen ganzen Zug abkündigen.« Deshalb ist Heinbach zufolge auch bereits die europäische Zugindustrie an smartPCN 3.0 interessiert, darunter Unternehmen wie Bombardier, Alstom und Siemens. Phoenix Contact führt zurzeit umfassende Tests mit smartPCN durch und plant die Einführung im zweiten oder dritten Quartal des nächsten Jahres. Auch Rutronik befindet sich in der Testphase. Aktuell enthält der Standard 20.000 PCNs von fast 400 Herstellern und deckt über eine Millionen Bauelemente ab. Um smartPCN weiter Auftrieb zu verleihen, arbeitet die COG mit ihrer Mutterorganisation International Institute for Obsolescence Management (iom) in Großbritannien zusammen.

Branchenübergreifend und über die gesamte Supply-Chain

Ein Highlight in den letzten zwölf Monaten war für Dieter Paatsch, Electronic Components Manager bei Festo, zu sehen, wie die Kooperation des VDMA smartPCN beschwingt: Ende 2017 hat die Arbeitsgruppe „interagierendes Obsoleszenzmanagement“ beim VDMA mit dem Einheitsblatt 24903 das smartPCN-Konzept übernommen und erweitert. »Das Einheitsblatt und smartPCN sind in der technischen Definition einheitlich. Wir sind mit dem VDMA-Standard auf dem Weg, über dieses Einheitsblatt branchenübergreifend und über die gesamte Supply-Chain einen einheitlichen Kommunikationsstandard zu schaffen«, erklärt Paatsch und fügt an: »Und das ist ja auch noch nicht das Ende. Ich denke, ISO ist auch noch geplant.« Das Einheitsblatt ist beim VDMA auf Deutsch und kostenpflichtig beim Beuth-Verlag auf Deutsch und Englisch erhältlich.

»Es kommt ein bisschen wie ein Boomerang auf uns zurück – im positiven Sinne«, kommentiert Paatsch den Auftrieb, den der VDMA smartPCN gegeben hat. »Aber einen Standard zu definieren ist das eine, die Umsetzung dann das andere.« Momentan erarbeitet Festo deshalb in einem Pilotprojekt mit der Firma Hauni Maschinenbau die Umsetzung des Standards in der Praxis.

Der Weg scheint geebnet; »damit sich smartPCN jedoch weitläufig durchsetzt, ist ein Umdenken erforderlich«, sagt Ulrich Ermel, Director New Business Development bei Puls. »Bei vielen Unternehmen, die Elektronik einkaufen, werden die PCN-Meldungen aufwändig geöffnet, bearbeitet, in eine Datenbank eingegeben, intern verwaltet, für den Kunden herausgeneriert und ihm dann als PDF geschickt.« Der Prozess erscheint Ermel veraltet, aber streng genommen funktioniere er. »Mit SmartPCN ist der Produktivitätsschub riesig, setzt allerdings eine IT-Investition voraus. Und hier denken viele zu kurzfristig«, so der Experte.

Anke Bartel, Regional Product Manager bei Velocity Electronics, schließt sich dieser Aussage an: »Gerade in der aktuellen Allokationssituation wächst das Bewusstsein, PCN- und somit auch EOL-Informationen effizienter zu bearbeiten, da hilft das smartPCN Format.«

Und wie steht die Chance auf smartPCN 4.0? Paatsch rechnet in naher Zukunft nicht mit einer neuen Version: »Die ersten drei Versionen waren eigentlich immer Technologiewandler. Ich könnte mir deshalb eine neue Version eher vorstellen, wenn irgendwann Web-based-Technologien kommen sollten, denn XML ist zwar etwas altbacken, aber weltweit gängiger Standard.«