Stephan Baur und Bärbel Götz, BMK »Der richtige EMS-Partner beeinflusst den Kundenerfolg«

Stephan Baur, BMK
»Es ist fast so wie im Sport. Alles ist „schneller, weiter, höher“ – es findet eine Beschleunigung der 
Geschäftsprozesse auf allen  Ebenen statt. Die Dynamik hat sich sehr verändert.«
Stephan Baur, BMK »Es ist fast so wie im Sport. Alles ist „schneller, weiter, höher“ – es findet eine Beschleunigung der Geschäftsprozesse auf allen Ebenen statt. Die Dynamik hat sich sehr verändert.«

Vor 25 Jahren hat Stephan Baur mit zwei weiteren Gesellschaftern die BMK professional electronics in Augsburg als Bestückungs-Service gegründet. Heute ist BMK einer der größten Elektronik-Dienstleister Deutschlands. Vor drei Jahren hat Baur seine aktive Geschäftsführung an Dr. Bärbel Götz abgegeben.

Markt&Technik: Herr Baur, wenn Sie die letzten 25 Jahre zurückblicken – wie sieht Ihr Fazit aus?

Stephan Baur: Wir haben vom Bestücker zum Elektronik-Dienstleister mit einem breiten Angebot eine schöne Entwicklung hingelegt. Aber nicht nur wir, auch die Kunden haben sich sehr stark verändert. Als wir angefangen haben, waren viele Ingenieurbüros am Start, die im Laufe der Zeit zu Hidden Champions wurden. Davon haben wir als Dienstleister natürlich direkt oder indirekt profitiert, aber auch die Firmen, die wir begleitet haben. Die EMS-Firma ist das operative Backbone des Kunden, und der richtige EMS-Partner beeinflusst den Kundenerfolg. Interessant finde ich auch, dass man als EMS-Firma mit sehr vielen verschiedenen Firmenkulturen zu tun hat. Das fand ich all die Jahre persönlich sehr bereichernd. Man hat viel Außenkontakt, bekommt interessante Anregungen und Impulse.

Auch technisch hat sich viel geändert. Als wir angefangen haben, waren die Kunden froh, wenn sie jemanden gefunden haben, der SMD-Bauteile sauber auf die Platine bringen konnte. Heute gibt es eine enorme Vielfalt der zu verarbeitenden Teile. Die Bauteilelandschaft ist heute sehr heterogen – einerseits viel kleiner und kompakter. Auf der anderen Seite haben wir es mit Leistungselektronik, höheren Strömen und Einpresstechnik zu tun. Das Dienstleistungsspektrum hat sich stark ausgeweitet.

Wie hat sich der EMS-Markt insgesamt in den letzten 25 Jahren verändert?

Baur: Damals hatten wir in etwa einen Produkt-Neuanlauf pro Woche bzw. pro 14 Tagen. Heute sind in etwa vier bis fünf Neuanläufe pro Tag Standard. Das heißt: wir bestellen jeden Tag mindestens fünf neue Schablonen.

Kurz zusammengefasst könnte man sagen: Es ist fast so wie im Sport. Alles ist „schneller, weiter, höher“ – es findet eine Beschleunigung der Geschäftsprozesse auf allen Ebenen statt. Die Dynamik hat sich sehr verändert. Und um im Bild zu bleiben: Schauen Sie sich doch mal eine Aufzeichnung eines Fußballspiels von vor 25 Jahren an. Damals wurde viel langsamer gekickt als heute.

Bärbel Götz: Wir sehen natürlich auch eine enorme Entwicklung bei den Maschinen, Anlagen und Informationssystemen – sonst wäre diese Dynamik für einen Elektronik-Dienstleister gar nicht machbar. Heute gibt es enge Kooperationen zwischen den Fertigungsdienstleistern und den Anlagenherstellern wie ASM und Seho, um zwei Beispiele zu nennen. Dort hört man sehr genau auf das Feedback aus dem Feld und nutzt es optimal, um die Anlagen weiterzuentwickeln. Ein OEM hat nicht die Vielfalt an Produkten wie ein EMS, insofern ist das Feedback der Dienstleister für die Maschinen- und Anlagenhersteller besonders wichtig.

Baur: Aber noch mal zurück zu Ihrer Frage: Auch Konsolidierungsprozesse sind nicht ausgeblieben im Markt. Sprich: von unseren Wettbewerbern von vor 25 Jahren gibt es einige schon nicht mehr. Des Weiteren hält die Digitalisierung Einzug in alle Lebenswelten und dadurch ist sie auch ein Treiber für den EMS-Markt. Denn Connectivity braucht immer Hardware – und die muss gefertigt werden. Auf der anderen Seite sind natürlich auch Branchen verschwunden.

Welche Schritte von BMK würden Sie als Meilensteine bezeichnen?

Baur: Ich glaube eher an viele kleine Schritte in die richtige Richtung als daran, mit einem großen Satz alles zu verändern. Den „Big Bang“ gab es aus meiner Sicht bei BMK so nicht. Wenn man über Meilensteine sprechen kann, dann ist das z.B. der Aufbau einer guten, langjährigen Kundenbeziehung, aber auch das geht im Kleinen und Schritt für Schritt los.