Interview mit Florian Ritter, Asys Der nächste Schritt zur intelligenten Fabrik

Florian Ritter, Asys: »Standardisierte Schnittstellen sind die Basis für künftige Vernetzungen.«
Florian Ritter, Asys: »Standardisierte Schnittstellen sind die Basis für künftige Vernetzungen.«

»Eine autonome Materialversorgung ist der konsequente nächste Schritt in Richtung Intelligent Factory«, sagt Florian Ritter, Manager Business & Product Portfolio Development bei Asys, im Interview mit Markt&Technik.

Markt&Technik: Herr Ritter, vor einigen Jahren rückte Asys die Intelligent Factory in den Fokus und hat gemeinsam mit ASM die Hermes-Initiative initiiert. Wie sieht der Plan in puncto Digitalisierung konkret aus?
Florian Ritter: Wir haben die Vision einer standardisierten Maschinenschnittstelle schon in den Anfängen unserer Firmengeschichte verfolgt. Mit Hermes konnten wir das Thema jetzt für die Branche etablieren und einen allgemeinen Standard aufbauen. Standardisierte Schnittstellen sind die Basis für künftige Vernetzungen. Außerdem verlagern wir unseren Fokus verstärkt auf den Software-Bereich: Mit Pulse ist es unser Ziel, Maschinen und Bediener zu vernetzen und einen intelligenten Workflow zu generieren. Auch die Maschinenbedienoberfläche Simplex ist ein wichtiger USP unserer Anlagen, weil sich Mitarbeiter wegen der intuitiven Bedienung schnell in die Maschine einarbeiten können. 

Und wie sehen die nächsten Schritte aus?
Unser nächster Schritt liegt im Thema Material Logistics. Dabei verbinden wir Maschinen, AIVs – sprich: Autonomous Intelligent Vehicles – und Software gewinnbringend miteinander. Um die verschiedenen Materialflüsse in der Fertigung abzubilden, haben wir den Asys Material Manager entwickelt. Die Software bildet die Fertigungslinie virtuell ab und sammelt Daten von allen Systemen, um auf deren Basis die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Mit Blick auf den Bereich Material-Logistics hat Asys im letzten Jahr den Spezialisten für Trockenschränke Totech ins Unternehmen eingegliedert. Können Sie uns einen Einblick in das aus der Zusammenarbeit entstandene Konzept geben?
Damit die Produktionslinien arbeiten können, müssen sie effizient mit Material versorgt werden. Und genau hier greift unser Konzept der Material-Logistics: Wir verbinden das Lager nun direkt mit den Fertigungslinien und das mithilfe von Software und AIVs. Der DryTower von Totech wird als zentrales Lagersystem für Bauteilrollen nahtlos in die autonome Materialversorgung integriert. Neben Bauteilrollen sollen auch Magazine und Hilfsmaterialen direkt an die Linie gebracht werden. Somit bieten wir eine völlig neue Form von Autonomie der Produktionslinien.
 
Wie kommt das Konzept am Markt an?
Wir treffen damit genau ins Schwarze bei unseren Kunden und sind in intensiven Diskussionen zum Thema Material Logistics. Auch zeichnen sich momentan größere Kundenprojekte ab. Ein Vorteil ist, dass sich unsere Leistungen in verschiedenen Automatisierungsgraden in die Fertigung implementieren und sich jederzeit und unkompliziert auf eine vollautomatische Lösung aufstocken lassen. Eine autonome Materialversorgung ist der konsequente nächste Schritt in Richtung Intelligent Factory. 

Sind weitere Übernahmen oder enge Partnerschaften geplant?
Momentan nicht, wobei wir natürlich immer offen sind, sollten sich Chancen auftun. 


Im letzten Jahr hat Asys 25-jähriges Firmenjubiläum gefeiert. Mit welcher Vision ist Asys gestartet?
Gegründet wurde Asys vor 25 Jahren mit der Vision, modulare Anlagen für die Elektronikindustrie anzubieten. Das konkrete Ziel war, vorkonfigurierbare Module bereitzustellen, um das Handling im SMD-Bereich ohne ständige Neukonstruktion abbilden zu können. Wir haben Module entwickelt, die sich individuell steuern und an den jeweiligen Bedarf anpassen lassen. 

Und wie hat sich Asys seither entwickelt?
Heute decken wir etwa 75 Prozent der Maschinen einer Standard-SDM-Linie mit unserem modularen Portfolio ab. Sonderanlagen, Software und Lösungen für die Materiallogistik ergänzen die Standardprozesse. Außerdem haben wir weitere Geschäftsfelder integriert wie Solar und Life-Science. Aus anfangs zwei Mitarbeitern sind mittlerweile 1200 Mitarbeiter geworden, verteilt auf 20 Niederlassungen und sechs Tochtergesellschaften. 

Wie sieht Ihrer Meinung nach die Elektronikfertigung der Zukunft aus?
Die Elektronikfertigung wird stark von Industrie 4.0 geprägt. Dies bedeutet, dass Maschinen und Softwaresysteme näher zusammenwachsen. Mehr Daten werden über standardisierte Schnittstellen ausgetauscht, um den Prozess der Leiterplattenfertigung noch effektiver zu gestalten. Nicht wertschöpfende Tätigkeiten wie Materialtransporte werden zunehmend durch autonome Systeme durchgeführt. Maschinen werden durch Softwaresysteme und Schnittstellen immer intelligenter und unterstützen dabei die Menschen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. 

Wie sieht Ihre Strategie für dieses Jahr aus – können unsere Leser auch im Nicht-Productronica-Jahr Neues erwarten?
Dieses Jahr findet wieder unsere Inhouse-Veranstaltung statt – die Tech-Tage, die wir alle zwei Jahre veranstalten und in diesem Jahr schon zum zehnten Mal. Die Tech-Tage werden wieder geprägt sein von Vorträgen und der Präsentation unseres Produktportfolios. Zwar stellen wir das Thema Material-Logistics natürlich in den Vordergrund, aber auch in allen anderen Bereichen zeigen wir unseren Kunden, warum sie auf Asys als Lieferant vertrauen können.