Kommentar »Der Entwickler sollte genau überlegen, welchen Halbleiterherstellern er den Vorzug gibt«

Die Entscheidungen, einen Baustein aus dem Programm zu nehmen, gründen für den Hersteller meist auf kommerziellen Überlegungen. Wenn die globale Nachfrage nach einem Produkt unter eine intern rentable Schwelle absinkt, fällen viele Hersteller den Entschluss, ihren Kunden eine letztmalige Lieferung anzubieten, um dann die Herstellung des Produkts einstellen zu können.

Wir wünschen uns immer kleinere, schnellere und billigere Produkte mit mehr Eigenschaften und höherer Leistung. Diese Überlegungen mögen manche Silizium-Lieferanten, die den Consumer-Markt bedienen, dazu verleiten, Komponenten auslaufen zu lassen, weil das Endprodukt, in dem diese Komponenten eingesetzt werden, sowieso kurzfristig wieder eingestellt wird.

Bedauerlicherweise greifen diese Überlegungen nicht, wenn Ihr Endprodukt für den Industriemarkt konzipiert ist und 10 bis 30 Jahre lang vom Band laufen soll. Viele Komponentenhersteller können die Kosten und Umstände gar nicht einschätzen, die einen Kunden treffen, wenn er feststellt, dass ein Bauteil nicht mehr lieferbar ist oder auf der Abkündigungsliste steht. Wenn ein Kunde mit einem einzigen Kaufauftrag einen »letzten Abruf« für einen mehrjährigen Bedarf platzieren muss, kann sich das Kostenvolumen leicht auf mehrere hunderttausend Euro belaufen.

Die Entscheidungen, einen Baustein aus dem Programm zu nehmen, gründen für den Hersteller meist auf kommerziellen Überlegungen. Wenn die globale Nachfrage nach einem Produkt unter eine intern rentable Schwelle absinkt, fällen viele Hersteller den Entschluss, ihren Kunden eine letztmalige Lieferung anzubieten, um dann die Herstellung des Produkts einstellen zu können. Dies trifft wahrscheinlich für digitale Bausteine (z. B. DSPs, Speicher, FPGAs) noch eher zu, bei denen der Drang zu höherer Leistung zum Teil in der kleineren Silizium-Geometrie begründet liegt. Besitzt ein Halbleiterlieferant keine eigenen Wafer-Herstellungsanlagen, so muss er Fremdhersteller in Anspruch nehmen, deren Leading-Edge-Prozesse eine bestimmte Herstellungsmenge erfordern. Das schließt kleinere und mittlere Volumina meist aus.  Hersteller, die wie wir über eine eigene Waferfabrikation und vielfache Analogprozesse (CMOS, BiCMOS, SiGe, bipolar, etc.) verfügen, stehen nicht ganz unter demselben Druck zu kleineren Geometrien wie die Fabrikanten digitaler Bausteine. Sicher sind kleinere Geometrien von genereller Bedeutung für die Bausteinfunktion. Die genannten analogen Prozesse haben sich jedoch über eine Reihe von Jahren herausgebildet und es gibt häufig ganz bestimmte Designfeinheiten im Wafer-Herstellungsprozess, die sich in Eigenschaften, Parameterdaten oder Qualität bzw. Zuverlässigkeit des Bauelements wieder finden lassen – beispielsweise die Fähigkeit, hohe Spannungen verarbeiten zu können. Beständigkeit in der Parameterleistung ist entscheidend für jeden Analogbaustein. Muss ein Lieferant – weil er keine  eigene Waferfabrikation hat - zwischen externen Anbietern wechseln, so kann die Reproduzierbarkeit von Leistungsdaten auf Geräteebene zum Problem werden. Analoge Fab-Prozesse sind generell deutlich langlebiger als digitale Prozesse. Besitzt ein Hersteller seine eigenen Fabs, kann er auch selbst die Maskensätze verfügbar halten und hält die Lebensdauer seiner Halbleiterprodukte strategisch selbst in der Hand.    

Der Entwickler sollte daher genau überlegen, welche Halbleiterhersteller er in seinen Designs den Vorzug gibt:  Wählt er einen Halbleiterhersteller, der seine Fabrikationsprozesse von der Herstellung über die Montage bis zum Endtest selbst kontrolliert, bedeutet dies für ihn im Endeffekt geringere Kosten über die gesamte Produktlebensdauer. Ein typisches Beispiel dafür  ist der LT1001, das erste Produkt von Linear Technology. Wir haben diesen Baustein vor über 24 Jahren vorgestellt und er ist nach wie vor in Produktion und für neue Entwicklungen verfügbar. Wir stellen unsere Produkte äußerst selten ein, sondern bemühen uns, die Lebensdauer unserer Komponenten so lange zu gewährleisten, wie sie der Kunde verwendet und verlangt. Dies können wir nur leisten, weil wir unsere  Fertigungsprozesse von A bis Z selbst in der Hand haben. An den Entwicklungsingenieur kann ich also nur appellieren: Lassen Sie nicht zu, dass Ihr Produkt durch die versteckten Kosten einer Komponentenabkündigung seine Wettbewerbsfähigkeit verliert. Wenn die deutsche Elektronikindustrie auf dem Weltmarkt weiter wachsen und wettbewerbsfähig bleiben soll, dann bedenken Sie die »Gesamtlebenskosten« Ihres Endprodukts. Wählen Sie einen Lieferanten, der seine Produkte nicht zur »Unzeit« aus dem Markt nimmt.