Made in Germany/DACH Der billigste Produktionsstandort nicht immer der beste

Johann Weber, Zollner Elektronik
»Metal purchased in the EU, then sent to be specially treated in the USA and afterwards returned to Europe to be integrated here into systems that are then delivered to the USA market means that the protective tariff is applied twice, which is of course already critical.«
Johann Weber, Zollner Elektronik: »Made in Germany ist für die EMS-Industrie ein entscheidender Faktor.«

In den 2000er-Jahren deckelte oft eine obligatorische Low-Cost-Country-Quote beim Einkauf von Fertigungsdienstleistungen die Produktion „Made in Germany“ Heute profitiert die Elektronikfertigung in Zentraleuropa von einem intensiven Aufwärtstrend.

»Made in Germany ist für die EMS-Industrie ein entscheidender Faktor«, fasst Johann Weber, Vorstandsvorsitzender von Zollner Elektronik, zusammen. Es geht heute nicht mehr um das Low-Cost-Country, das hat man wohl inzwischen unter Irrtümer im Einkauf abgelegt, sondern allein das Best-Cost-Country, wo gesamtheitlich alle Faktoren betrachtet werden inklusive Sicherheitsaspekte und die Total Cost of Ownership zählen.

Und da habe eben eine Fertigung in Deutschland gegenüber Asien im Industriebereich die Nase vorn, meint Marco Balling, Geschäftsführer von productware. In seiner Fertigung wird die GreenMachine für den OEM Lynx produziert, eine universell einsetzbare Audio- und Video-Processing-Unit, die durch den (End-)Kunden – mit den jeweils benötigten Apps versehen – konfiguriert wird. Dort, wo die Kunden in der Vergangenheit für eine Applikation jeweils eine dedizierte Hardware/ein Produkt benötigt haben, sind sie jetzt in der Lage, in wenigen Minuten – durch eine neue App – das Produkt auf ihre neuen Anforderungen zu konfigurieren, ohne wie bei Wettbewerbern der Lynx erst neue Hardware bestellen oder vorhalten zu müssen. Lynx hat zwar große Konkurrenz aus Asien für sein Produkt, aber gerade deshalb setzt der OEM auf „Made in Germany“: »Ich denke, dass es wichtig ist, herauszuarbeiten, dass im Zuge von Digitalisierung und internationalem Wettbewerb Produkt-Features immer ähnlicher und vergleichbarer werden«, unterstreicht Sebatian Schaffrath, Vorstand und CTIO der Lynx Technik AG.

»Innovation ist der eine Differenzierungsfaktor, Qualität der andere. Wir versuchen, beide Faktoren in unsere Produkte einfließen zu lassen. Gerade im Punkt der Qualität ist Made in Germany ein Qualitätsversprechen an unsere Kunden. Wir bekommen häufig Rückmeldungen, wonach Kunden unsere Produkte an ganz besonders kritischen Punkten der Sendekette verwenden. Das Label „Made in Germany“ ist meines Erachtens sogar mittlerweile noch wichtiger als z.B. ein „Engineered in Germany“. Kluge Entwickler gibt es auch im „Silicon Valley von Shenzhen“, die Bauteile kommen ohnehin aus Asien. Made in Germany sagt aber hier mehr aus: Die Qualität des Gesamtprodukts wird in Deutschland überwacht.« Und da seien die Endkunden auch bereit, zum Teil etwas mehr zu bezahlen, weil die Produkte auch in kritischen Applikationen eingesetzt werden, weiß Balling.

Eine ähnliche Motivation hat auch Lancom dazu veranlasst, die Fertigung für seine VPN-Business-Router in Deutschland zu verorten. Lancom setzt seit seiner Gründung 2002 auf „Made in Germany“ und lässt seine VPN-Business-Router u.a. beim Augsburger Auftragsfertiger BMK produzieren. »Die Grundsätze, für die das Qualitätssiegel steht, sind fest in unserer Unternehmensphilosophie verankert. In einem von asiatischen und amerikanischen Konzernen dominierten Markt nehmen wir als deutscher Hersteller, der seine Produkte und Lösungen zum Großteil in Deutschland entwickelt und fertigt, eine besondere Rolle ein. Unsere Kunden profitieren von „Made in Germany“ in vielerlei Hinsicht: höchste Qualität in der Produktion, schnelle Verfügbarkeit dank flexibler Produktionskapazitäten sowie kurze Lieferwege und hohe Sicherheit. Die Software und Hardware aller Lancom-VPN- und WLAN-Produkte werden in der Zentrale in der Nähe von Aachen und in Karlsruhe entwickelt. Feature-Requests von Kunden können so schnell in unser Closed-Source-Betriebssystem LCOS einfließen und stehen dann später allen Kunden zur Verfügung«, schildert Regine Reinmann, Director Procurement and Logistics von Lancom.

Aber nicht nur etablierte deutsche Firmen wie Lancom setzen auf die Fertigung bei BMK, auch Kunden aus dem Ausland schätzen die Vertrauensbasis, sowie Startups, die wiederum ihre Kunden und Investoren überzeugen müssen »Wenn sie unsere Fertigung sehen, dann schafft das Vertrauen, so das Feedback, das wir von solchen Firmen bekommen«, betont Stephan Baur, CEO von BMK.