Made in Germany/DACH Der billigste Produktionsstandort nicht immer der beste

"Made in Germany" und "Made in DACH" ist eine rentable Alternative...

Auch bei Grundig Business Systems gibt es einige Kunden, die das Made in Germany explizit als Qualitätssiegel sehen, so etwa die Firma Desko, die ein Passlesesystem entwickelt hat, das an vielen deutschen und internationalen Flughäfen zum Einsatz kommt. »Dabei handelt es sich natürlich um ein hochkritisches Gerät, und daher legt die Firma Wert auf eine hohe Wertschöpfungstiefe hierzulande«, sagt Roland Hollstein, Geschäftsführer von Grundig Business Systems. Ein besonderer Ritterschlag für das Bayreuther Produktionsunternehmen: Desko bezeichnet Grundig Business Systems als ausgelagertes Produktionsunternehmen, sind doch beide Firmen nur wenige hundert Meter voneinander entfernt. »Wir sind in der Entwicklung mit dabei, helfen bei der Industrialisierung und wir produzieren.«

Je höher der Automatisierungsgrad, umso weniger wichtig ist es, wo das Produkt produziert wird, weil die Lohnkosten in den Hintergrund treten und gleichzeitig in Mexiko und Südchina sehr stark angestiegen sind. Bei direkten Ship-to-Line-Lieferungen, wie sie im Automobil- und Industriebereich oft gefordert werden, tun sich Lieferanten aus Asien sowieso denkbar schwer.

Und selbst asiatische Produkt-Vertriebspartner wissen um die Bedeutung von Made in Germany, »weil dann beim Kunden dort die Bereitschaft vorhanden ist, selbst bei vergleichbarem Leistungsspektrum zweier Produkte für ein deutsches Produkt auch etwas mehr zu bezahlen«, weiß Wolfgang Peter, Business Development von Elektron.

Made in Germany vs. lokale Nähe

Aber es gibt auch kritische Stimmen aus der Teilnehmerrunde: So erinnert Bernd Enser, VP Automotive von Sanmina daran, dass mittlerweile für das Siegel Made in Germany nur noch 20 Prozent der Wertschöpfung in Deutschland erbracht werden müssen. Insofern sei das heutige Made in Germany nicht mehr mit dem Made in Germany der 70er- und 80er-Jahre zu vergleichen.

Darauf kommt es aber letztlich auch gar nicht an. Viele setzen auf Made in Germany, weil sie damit ihre Verbundenheit mit Dienstleistern in lokaler Nähe zum Ausdruck bringen wollen. So berichtet Andreas Kraus, Geschäftsführer von Kraus Hardware, zum Beispiel davon, dass er vorwiegend Maschinen von Herstellern einsetzt, die er mit dem Auto erreichen kann. »Weil wir daran interessiert sind, die eine oder andere Innovation direkt beim Maschinenhersteller einzubringen«, so Kraus. Dabei spiele es nicht unbedingt eine Rolle, ob die Maschine aus Deutschland, Tschechien oder der Schweiz kommt.

Auch bei Ginzinger electronic, einem EMS aus Österreich, ist zwar Made in Germany kein Aushängeschild, aber ebenso wie in Deutschland spielt die lokale Nähe eine große Rolle. »Kundenbeziehungen existieren bei uns typischerweise Jahrzehnte«, erklärt Andreas Pfeiffer, zuständig für Vertrieb und Marketing von Ginzinger. »Diese enge Partnerbeziehung lokal vor Ort wird sehr geschätzt, darum bleiben wir auch in unserem Radius.«

Die Kundennähe macht viel aus, bestätigt auch Dr. Peter Schmitt, Business Director der Schweizer CCS-Gruppe: »Unsere Erfahrung ist, dass die Kunden ökonomisch getrieben sind. Wir haben keinen Kunden, der uns explizit sagt, es muss Made in Germany sein, aber die Kunden schätzen die Nähe zu uns und das Sprachverständnis sowie die Kompetenz.«

Diese Erfahrung machte auch Ralf Hasler, CEO von Lacon: »Gerade das mittelständische Klientel schätzt es, in Landessprache in der gleichen Zeitzone mit teils mundartlichen Mitarbeitern zusammenzuarbeiten. Das ist ein Vorzug, den der Kunde nicht hat, wenn er versucht, direkt in Osteuropa oder Asien seine Dienstleistungen einzukaufen, und das wird auch honoriert.«

Nichtsdestotrotz – auch wenn man den lokalen Touch außer Acht lässt: Betrachtet man die Gesamtkosten, rechnet es sich schlichtweg nicht, dass der Fertigungsmanager wegen jedem Problem nach Asien fliegen muss. Insofern ist „Made in Germany“ oder „Made in DACH“ eine rentable Alternative.