ZVEI EMS-Initiative "Warum Testen" Damit der Test in der Fertigung nicht zur Stolperfalle wird

Ihre Initiative "Warum Testen?" diskutierte die ZVEI Arbeitsgruppe "Services in EMS" beim Round Table der Markt&Technik.

Vor zwei Jahren startete die ZVEI Arbeitsgruppe "Services in EMS" die Initiative NPI (New Product Introduction) - der schnelle Weg zum Serienprodukt«. Jetzt hat die Arbeitsgruppe nachgelegt und stellt auf der electronica die Folge-Initiative »Warum Testen« vor.

Hohe Packungsdichten, Leiterbahnen im Mikrometerbereich, Mini-Bauteile bis hinunter zu 01005 und Frequenzen bis 20 Gigahertz gehören heute zum Alltagsgeschäft für die Elektronikfertigung. Um komplexe Baugruppen und Systeme ordentlich zu testen, ist ein umfassendes Prüfkonzept erforderlich. Doch ganz so einfach, wie das auf den ersten Blick - zumindest theoretisch - klingt, ist es in der Praxis leider oft nicht, stellen die Teilnehmer des Markt & Technik Round Tables »Services in EMS - die Welt des Testens«, fest. In der Praxis kommt die Fertigung - egal ob EMS-Dienstleister oder die Inhouse-Produktion beim OEM – in vielen Fällen zu spät ins Boot und zwar erst dann, wenn das Produkt fertig entwickelt ist oder zumindest schon ein Großteil der Entwicklungsarbeit getan ist. Aspekte wie das Design-for-Testability sind dann oft nicht berücksichtigt und die Testbarkeit des Produktes wird damit aufwändiger als nötig und damit auch teuerer oder entfällt im Zweifelsfall gleich ganz. Dabei wäre gerade im Hinblick auf eine Teststrategie eine frühe Zusammenarbeit enorm wichtig, »weil es kein Kochbuch gibt, wie man richtig testet«, bringt es Harald Kaderabek, SRI, Geschäftsfeldleiter Enginieering & Services treffend auf den Punkt. »Es geht vielmehr darum, die entscheidenden Inputs aus dem Design, den Stückzahlen und aus der Zielqualität, die der Kunde am Ende erreichen möchte, zusammenzutragen und daraus gemeinsam die bestmögliche Teststrategie abzustimmen.

Ganz grundsätzlich gilt die Formel, dass 80 Prozent der Produktkosten bereits in der Entwicklungsphase festgelegt werden. »Diese Kosten und die Folgekosten eines Produktes können wir aber zu einem erheblichen Teil beeinflussen«, erklärt Michael Velmeden, Geschäftsführer von cms electronics. Auch deshalb ist es wichtig, den EMS-Dienstleister, der das Produkt später fertigen soll, frühzeitig mit ins Boot holen. Es dürfe keine Mauer zwischen Entwicklung und Fertigung geben, hinter der beide Seiten vor sich hinarbeiten, so Johann Weber, Vorstandsvorsitzender von Zollner Elektronik. »Der eine entwickelt nach bestem Wissen und Gewissen und der anderer fertigt nach bestem Wissen und Gewissen. Das ist sicher kein Ziel führender Ansatz.«

Vielmehr sollten beide Seiten, Kunde und EMS, parallel und nicht seriell arbeiten, fordern die Teilnehmer der Runde. Dazu muss der Kunde aber die Bedeutung des Testens erkennen und genau an diesem Punkt sehen die Diskussionsteilnehmer noch eine Menge Nachholbedarf. »Obwohl viele Firmen hohe Qualitätsanforderungen an ihr Produkt haben, sind sie beim Testen eher zurückhaltend«, gibt Erich Baumgartner zu bedenken, Business Development Manager des EMS-Dienstleisters CCS. Dementsprechend wollen die an der Services in EMS Initiative »Warum Testen« beteiligten EMS-Firmen die Kunden wachrütteln und Aufmerksamkeit für das Thema Testen in der Fertigung schaffen. Sie haben eine klare Botschaft: »Wer die gewünschte Funktionalität, Zuverlässigkeit und Qualität erreichen will, kommt ums Testen nicht herum!«