Abkündigungsmitteilungen leichter verwalten COG stellt standardisiertes PCN-Format »Smart PCN« vor

Markt&Technik Round Tables »Obsolescence Management«
"Wir brauchen eine standardisierte Kommunikation", lautete eine der zentralen Forderungen auf dem Markt&Technik Round Table »Obsolescence Management«.

Ein mittelständischer Bauteile-Kunde bekommt mehrere hundert Product Change Notifications pro Monat. Wie eine solche PCN auszusehen hat, ist aber nicht normiert. Wer aus der PCN-Flut schnell die Abkündigungsmitteilungen herausfischen möchte, braucht also bislang detektivischen Spürsinn. Die Component Obsolescence Group will mit einem einheitlichen PCN-Format jetzt Abhilfe schaffen.

Es existieren unzählige verschiedene Formate – jeder Hersteller und Distributor hat sein eigenes. Und genau das ist eine Zumutung, wie Anke Bartel auf dem Round Table »Obsolescence Management« der Markt&Technik treffend feststellt, und mit ihr die Mehrheit der Teilnehmer am Round Table Gespräch. PCNs, also Änderungsmitteilungen, werden von den Herstellern an Kunden und Distributoren versendet, sobald sich entweder Änderungen am Produkt ergeben, der Fertigungsprozess in ein anderes Werk transferiert wird oder eine Abkündigung bevorsteht. Jeder Distributor hat dann wiederum sein eigenes Format, in dem er die Änderungsmeldungen weiter an den Kunden verschickt. Wie solche Mitteilungen auszusehen haben, ist momentan nirgendwo geregelt, auch nicht in der JEDEC Norm 46 und 48. Diese Normen legen lediglich fest, dass der Zeitraum zwischen Abkündigung und Last Time Buy sechs Monate betragen soll. Wie die Änderungen im Markt kommuniziert werden, definieren sie nicht. Beim Kunden läuft also ein schier unübersichtlicher Wust an Daten auf. Das möchte die COG-Deutschland mit ihrem standardisierten PCN-Format »Smart PCN« ändern, wie Ulrich Ermel erklärt, Vorsitzender der COG Deutschland: »Wir brauchen eine standardisierte Form, wie Distribution und Hersteller gegenüber den Einkäufern kommunizieren.«

Das Format, das die COG Deutschland entwickelt hat, ist maschinell auslesbar und kann in jedem ERP-System ausgewertet werden. Einige Distributoren setzten das Format bereits ein, aber damit der Standard wirklich greift, braucht der Standard eine breite Akzeptanzbasis. Derzeit ist die COG Deutschland dabei, das Format im Markt bekannt zu machen, u.a. auf dem Obsolescence Day der COG auf der electronica, der am 14. November stattfindet. Eine Vereinheitlichung der PCNs wäre dringend erforderlich und eine große Erleichterung für die Kunden. Denn im Normalfall lässt sich aus der PCN auf den ersten Blick noch nicht einmal herauslesen, ob es sich dabei nur um die Information eine Fertigungsverlagerung des Produktes handelt oder um eine Abkündigung. »Es hilft die beste Abkündigungsmitteilung nichts, wenn ich sie erst Wochen später in der Flut der PCNs entdecke«, gibt Bartel zu bedenken: »Wir bekommen 150 PCNs pro Woche. Und die müssen erst mal gesichtet und abgearbeitet werden. Da sind sehr viele doppelte dabei, weil wir einige Bauteile von mehreren Lieferanten beziehen.« Das meiste sind laut Bartel nur kleinere Änderungen, wie Verpackungsänderungen, ein anderes Label oder eine Fab-Verlagerung. Aber irgendwo im Stapel verbirgt sich eben auch eine Abkündigung. Aber die muss der Kunde erst mal finden. Wenn sich die Branche bei der Kommunikation auf einen Standard einigen würde, käme es zumindest nicht zum Verzug. denn je länger die Abkündigungsmitteilung unbeachtet beim Bauteil-Kunden liegt, umso kürzer wird das »Aktionsfenster«. Denkbar wäre beispielsweise eine Klassifizierung der PCNs oder zumindest eine deutliche und einheitliche Kennzeichnung, wie Karl Bayer vorschlägt, Senior Project Manager von Hy-Line Computer Components: »Bei der Flut von PCNs, die die betreffenden Stellen bei einem Kunden sichten und bearbeiten müssen, würden vielleicht groß geschriebne oder farbige Signalworte wie ’EOL’ und das Datum des Last-Time-Buy schon helfen, um sich schnell einen Überblick der Situation zu verschaffen.«

Rainer Maier, Technical Sales Manager Germany von Avnet Memec, weiß aber auch, dass so mancher – auch namhafte – Hersteller auch schon mal komplett vergessen hat, eine Abkündigungsmitteilung herauszugeben. Dann wird das Produkt eingestellt, ohne dass es jemals offiziell abgekündigt wurde. Die Benachrichtigung an den Distirbutor erfolgt dann allenfalls telefonisch. In solchen Fällen gilt wohl einfach »Pech gehabt«, da hilft auch kein Standard mehr.

Weltweite Standards gegen Abkündigungen sind nicht durchsetzbar 

Könnten Standards ganz generell dabei helfen, die Problematik der kurzen Verfügbarkeitszeiträume in den Griff zu bekommen? Das glaubt die Mehrheit der Diskussionsrunde nicht. Denn dafür bräuchte es zum einen ein weltweit agierendes Standardisierungskomitee – und das unter einen Hut zu bringen, ist schon mal aus den weltweit gänzlich unterschiedlichen Interessenslagen schwierig. Zum andern, so Bayer, »wird ein solches Unterfangen den vielfältigen Gründen, die zu einer Abkündigung führen und den Maßnahmen, die ein Hersteller für Ersatz im Einsatz der Ware treffen kann, nicht gerecht.«