Lack, Film & Pulver »Beschichten liegt im Trend«

Der Schutz elektronischer Baugruppen steht im Mittelpunkt von Innocoat. Interessant wird das Geschäftsmodell durch das runde Angebot, das Geschäftsführer Paul Voinea so zusammenfasst: »Wir verknüpfen Maschinen und Material und sind Dienstleister für unterschiedliche Beschichtungsprozesse.«

Paul Voinea ist Mitgründer und Mitgeschäftsführer des Unternehmens, das er gemeinsam mit Ralf Endres leitet. Der Grundstein für die heutige InnoCoat GmbH legten die beiden Herren im Jahr 2007 als Zwei-Mann-Unternehmen. Die wirtschaftliche Basis des Unternehmens bildet - damals wie heute - im Wesentlichen das Thema "Zuverlässigkeit elektronischer Komponenten".

"Wir erarbeiten ein Konzept für den Kunden, wie er seine Baugruppe am besten schützen kann", erläutert Voinea den Grundgedanken. Ursprünglich offerierte die InnoCoat GmbH eine Auswahl an Schutzlackierprozessen und Vorbehandlungen, wie die Reinigung elektronischer Komponenten. Aufgrund der fundierten Kenntnisse im Bereich der Verfahrens- und Applikationstechnik, aber auch durch die Erfahrung im Umgang mit zahlreichen Elektroisolationsmaterialien hat das Unternehmen aber schnell zusätzliche industrietaugliche Lösungen etabliert. Heute bietet Innocoat ein breit gefächertes Spektrum an Verfahrens- und Applikationstechniken und damit Beschichtungen für unterschiedliche Anwendungsfälle, u.a. Tauchlackierung und die selektive Sprühlackierung mittels Drei-Achs-Systeme. Mit dem Angebot wuchs auch die Zahl der Mitarbeiter: Heute zählt das Nürnberger Unternehmen 45 Beschäftigte. Zur Klientel zählen neben dem klassischen Industriekunden auch Firmen aus Medical, Luftfahrt und Automotive.

Pulverbeschichtung:
Wo beste Isolierung gefragt ist

Neben der Schutzbeschichtung elektronischer Baugruppen ist Innocoat seit 2010 auch auf dem Gebiet der Pulverbeschichtung tätig. Hier realisiert das Unternehmen vor allem technische Beschichtungen, z.B. für die elektrische Isolation hochspannungsführender Bauteile. Die Pulverbeschichtung kommt zum Beispiel in der Elektromobilität zum Einsatz bei Batterieteilen, Stromschienen oder speziellen Teilen, die sehr gut isoliert werden müssen. "Hier kann man nicht einfach nur lackieren, sondern muss isolieren. Das ist absolut sicherheitsrelevant", unterstreicht Voinea. Die Pulverbeschichtung hat sich für Innocoat inzwischen zu einer Erfolgssäule entwickelt.

So vielschichtig wie das Angebot, so individuell sind nach Auskunft von Voinea die Kundenanfragen: "Der Kunde kommt mit einem Problem zu uns, und anhand dieser Informationen erarbeiten wir einen Prozess bis zur Serienreife. Dieser Prozess ist dann eine Anreihung unterschiedlicher technischer Schritte: von Reinigung über Verkleben und Underfilling bis hin zu Schutzbeschichtung und/oder Verguss. Wir können anhand der geometrischen und klimatischen Anforderungen das beste Verfahren heraussuchen. Dazu kooperieren wir unabhängig mit vielen Herstellern, wenn sie RoHS-konform sind, und können grundsätzlich mit allen Materialien arbeiten. "Der Kunde erhält ein Muster oder eine Versuchsmatrix, denn letztlich muss der Kunde selbst entscheiden, ob die Beschichtung seine Vorgaben erfüllt. Nur er kennt schließlich die Einsatzanforderungen. Dazu kooperiert Innocoat auch mit Testhäusern. Insofern erhält der Kunde ein Komplettpaket."

Zum Einsatz kommen Acryllacke oder -Bindemittel, Polyurethane und Silikon-Lacksystem. Besondere Sorgfalt ist bei der Verarbeitung von Silikonen geboten: Diese Trennmittel können eine ganze Fertigung buchstäblich lahmlegen, wenn sie nicht materialgerecht verarbeitet werden. "Wir haben aus diesem Grund eine eigene Fertigung aufgebaut, in der ausschließlich Silikone verarbeitet werden. Diese Produktion ist räumlich von den anderen Materialien getrennt", so Voinea. "Silikone sind schwierig zu verarbeiten, man muss Temperatur und Luftfeuchtigkeit berücksichtigen. Wenn der Kunde die Baugruppe erhält, ist das Silikon selbstverständlich trocken. Dann gibt es keine Probleme mehr." Silikone zeichnen sich aus durch sehr gute Temperaturbeständigkeit und üben keine Spannung auf Bauelemente aus. Darüber hinaus haben sie eine gewisse Trennwirkung. Es gibt daher viele Anwendungen in der Industrie, die nach Silikon verlangen, etwa in der Bahntechnik und überall dort, wo erhöhte Temperaturbeständigkeit gefordert ist.

Qualität durch
Mitarbeiterqualifizierung

Beschichten ist - je nach Material - mitnichten ein Kinderspiel. "Qualität erzielt man nur, wenn die Mitarbeiter geschult sind. Wir verarbeiten Baugruppen, die mehrere Tausend Euro kosten, da muss höchste Sorgfalt garantiert sein", gibt Voinea zu bedenken. Neben den üblichen Qualitätszertifizierungen sind die Mitarbeiter von Innocoat daher IPC certified Specialists. Mittelfristig will Innocoat auch die Automotive-Zertifzierung TS 16949 erlangen, um das Geschäft weiter auszubauen. In Automotive-Anwendungen liefert das Unternehmen bereits.
"Beschichtung liegt im Trend. Insbesondere seitdem man bleifrei löten muss, aber auch in den letzten Jahren, hat der Bedarf weiter zugenommen, wegen der erhöhten Integration der Baugruppen und der steigenden Zuverlässigkeitsanforderungen. Zudem werden die Abstände auf der Baugruppe immer kleiner - auch das spielt eine Rolle. Auch versicherungstechnische Gründe könnten zur steigenden Nachfrage von Beschichtungen beitragen", schildert Voinea.