Folgen der Coronakrise Beispielloser Einbruch bei Industrieproduktion und Export

Die Coronavirus-Krise und die damit verbundenen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie haben im April laut BME zu einem Rekord-Rückgang der Industrieproduktion in Deutschland geführt.

Das zeigen die von IHS Markit und BME veröffentlichten neuesten Daten zum Einkaufsmanager-Index. Danach führten trotz der auf breiter Front eingeführten Kurzarbeit ein massiver Nachfrageeinbruch sowie teils düstere Geschäftsaussichten für 2021 zum größten Minus bei der Beschäftigung seit fast elf Jahren.

Der saisonbereinigte IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) stürzte im April auf 34,5 Punkte nach 45,4 Zähler im März regelrecht ab. Zwar ist dies der niedrigste Wert seit März 2009, er wird jedoch von den 19,7 Punkten des Teilindexes Leistung noch deutlich in den Schatten gestellt. So wurde der Fall des Hauptindexes durch eine Rekordverlängerung der Lieferzeiten und einen Anstieg der Vormateriallager abgemildert. Beide Trends stehen dabei im Zusammenhang mit einer Coronavirus-bedingten Unterbrechung der Lieferketten und zeigen sich normalerweise bei einem Abschwung, teilte der englische Finanzdienstleister IHS Markit in London mit.
„Die Covid-19-Pandemie ist nicht nur ein Schlag für das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland. Sie fordert auch Einkauf, Logistik und Supply Chain Management heraus“, betonte Dr. Silvius Grobosch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), am Mittwoch in Eschborn. Hoffnungsvoll stimme allerdings, dass jetzt sowohl die mit dem Lockdown als auch mit dem Shutdown verbundenen Einschränkungen Schritt für Schritt gelockert würden.
„Die Stimmung in der deutschen Industrie ist schlecht – sehr schlecht. Dies überrascht nicht, denn das Wirtschaftsleben ist aufgrund des staatlich verordneten Shutdowns fast zum Erliegen gekommen“, kommentierte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, am Mittwoch auf BME-Anfrage die aktuellen EMI-Daten. Da nunmehr erste Lockerungen eingesetzt hätten und im Laufe des Monats Mai voraussichtlich noch weitere kämen, bestehe die Hoffnung auf einen Anstieg des EMI im Juni, ganz nach dem chinesischen Muster. Nichtsdestotrotz werde Deutschland 2020 mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts in Höhe von mehr als vier Prozent eine tiefe Rezession durchlaufen. „Entscheidend ist, dass das Leben und Wirtschaften bald wieder erlaubt sein muss. Ansonsten driften wir in unser Negativszenario mit einem BIP-Rückgang von sieben Prozent“, fügte die Helaba-Bankdirektorin hinzu.
„Die volle Wucht der Corona-Krise dürfte Deutschland wie den Euroraum aber erst im zweiten Quartal 2020 treffen“, sagte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, am Mittwoch dem BME. Mit Blick auf das Gesamtjahr 2020 sei seiner Einschätzung nach in Deutschland mit einem BIP-Minus in Höhe von mehr als sechs Prozent zu rechnen. „Für Euroland ist eine zweistellige BIP-Schrumpfung nicht auszuschließen“, so Kater weiter.

„Der EMI stürzt im April auf den niedrigsten Wert seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 ab. Alle Teilindizes zeigen auf Abschwung“, teilte Katharina Huhn, Leiterin des Referats Konjunktur, Wachstum, Unternehmensbefragungen im DIHK, am Mittwoch dem BME mit. Auch der Geschäftsausblick deute weiterhin auf Verschlechterung. Beim Hochfahren der Wirtschaft werde es für die Unternehmen hierzulande auch auf ein Funktionieren globaler Lieferketten ankommen. Huhn: „Der europäische Binnenmarkt und der Abbau internationaler Handelshemmnisse gewinnen in dieser Phase noch einmal zusätzlich an Bedeutung.“

Zur jüngsten Entwicklung des EMI-Teilindex Einkaufspreise sagte Dr. Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director Industrials, Automotive & Services der IKB Deutsche Industriebank AG, am Mittwoch dem BME: „Die Weltrohstoffpreise sind im April infolge der Corona-Krise sowohl auf Dollar-Basis als auch in Inlandswährung nochmals um rund 22 Prozent eingebrochen. Angesichts der weltweiten Produktionsschließungen in vielen Branchen war dies auch nicht überraschend. Zwar belastet weiter die Unsicherheit, wie lange der Shutdown dauert und wann sich die Nachfrage normalisiert, der Tiefpunkt dürfte jedoch weitgehend erreicht sein. Selbst bei den Rohölpreisen dürften die beschlossenen Produktionskürzungen im Verlauf des Mai langsam greifen, zumal bereits 300 aktive Bohrlöcher in den USA geschlossen wurden; am 1. Mai 2020 waren nur noch 325 in Betrieb. Somit trägt die USA stärker zur Marktstabilisierung bei als von US-Präsident Donald Trump gewünscht.“