Gute Stimmung auf der SMT/Hybrid/Packaging Aufatmen bei den Fertigungsausrüstern

So schnell die Auftragslage für die Hersteller von Maschinen, Anlagen und Equipment für die Elektronikfertigung im letzen Jahr in den Keller ging, so rasant geht es jetzt für viele auch wieder bergauf: OEMs und EMS-Firmen investieren wieder in ihre Fertigungsstandorte und kamen mit konkreten Kaufabsichten auf die Fertigungsmesse SMT/Hybrid/Packaging.

»Während die Kunden im vergangenen Jahr nur unbedingt erforderliche Ersatzinvestitionen tätigten, wird inzwischen auch wieder neu investiert«, erklärt Werner Kreibl, Geschäftsführer beim Fertigungsausrüster Asys. »Wir sind mit so einer Wucht in dieses Jahr gestartet, dass es nach wie vor schwierig ist, den Bedarf zu decken.« Verantwortlich für die gute Auftragslage vieler Equipment-Hersteller sind hauptsächlich Aufträge aus Asien und Osteuropa. Vor allem der Automotive-Bereich habe sich in den letzten Monaten deutlich erholt, erklären die von Markt & Technik auf der Fertigungsmesse SMT/Hybrid/Packaging befragten Unternehmen. Zusätzlich beflügelt der schwache Euro die Unternehmen, die in der Eurozone für den Export produzieren. Laut der jüngsten Geschäftsklima-Umfrage des VDMA Productronic, die dessen neuer Vorsitzende Rainer Kurtz, Geschäftsführer des Lötanlagen-Herstellers Ersa, auf der SMT/Hybrid/Packaging vorgestellt hat, erwarten die Mitglieder nach einem desaströsen Jahr 2009 mit Einbrüchen um durchschnittlich 38 Prozent für dieses Jahr ein Umsatzplus von 9,5 Prozent.

Die Auftrags- und Umsatzzuwächse sind allerdings nicht homogen über die Branche verteilt. Zu den Gewinnern zählen vor allem die Unternehmen, deren Maschinen und Anlagen die teils sehr unterschiedlichen Anforderungen der internationalen Kundschaft flexibel und umfassend abdecken. »Unsere Kunden kommen aus aller Welt. Wir müssen also beides können: Konzepte für die Massenfertigung und Lean-Konzepte«, betont Kurtz. So bewegt sich Ersa mit einem ein Umsatzplus von 49 Prozent gegenüber 2009 fast wieder auf dem Niveau des Jahres 2008. Auch Fuji Machine legte in den vergangenen Monaten kräftig zu und ist laut Klaus Gross, Senior Sales Manager bei Fuji Machine Europe, global gesehen nur noch wenige Prozentpunkte von 2008 entfernt: »Unsere Produktion in Asien fährt Sonderschichten. Wir hatten sogar mit Lieferengpässen zu kämpfen, weil wir zeitweise unsere Zulieferteile nicht schnell genug bekommen haben.« Die Liefersituation habe sich aber mittlerweile entspannt, weil die Zulieferer inzwischen ihre Kapazitäten erweitert haben, so Gross. »Mittlerweile bewegen wir uns mit zwei bis drei Monaten Lieferzeit für unsere Maschinen wieder auf einem normalen Level.«

Manchen Unternehmen gelingt es sogar, die Zahlen von 2008 zu toppen: So produziert Yamaha beispielsweise derzeit 400 Bestückungsautomaten pro Monat – ein Allzeithoch, wie Hans-Jürgen Lütter, Geschäftsführer des deutschen Yamaha-Distributors ANS bestätigt. Und LPKF, Hersteller von Lasersystemen für die Elektronikfertigung, sowie der Schablonehersteller LaserJob verbuchten mit Q1 das beste Quartal ihrer Firmengeschichte.

Auch der Gebrauchtmaschinen-Markt profitiert vom Aufschwung und kann die zahlreichen Kunden-Anfragen kaum mehr bewältigen, denn manch ein Kunden weicht angesichts der Lieferzeiten der Maschinen-Hersteller gerne auf gebrauchtes Equipment aus, weiß wie Erhard Hofmann, Geschäftsführer beim Gebraucht-Maschinenspezialist AdoptSMT bestätigt: »Viele Kunden kommen zu uns, weil sie denken, dass wir umgehend liefern können, aber das ist in vielen Bereichen nicht mehr der Fall. Wir könnten mehr verkaufen, als wir derzeit auf Lager haben.«   

Deutschland schwächelt noch

Dass sich gerade Deutschland hinter deutlich langsamer Fahrt aufnimmt als Asien und Osteuropa, liegt nicht allein daran, dass die Elektronikfertigung vor allem im hochvolumigen Bereich mehr und mehr in diese Regionen abwandert. Laut Angaben der befragten Hersteller spielen dabei auch die Angst vor dem »Double-Dip« und das traditionell eher konservative Investitionsverhalten der deutschen Unternehmen eine Rolle: »Durch unsere Unternehmen in verschiedenen europäischen Staaten bekommen wir ein ganz gutes Bild davon, wie unterschiedlich sich die Märkte entwickeln«, erklärt Marko Könönen, Geschäftsführer von Treston, Hersteller von Arbeitsplatzeinrichtungen für die Produktion. »Wenn wir beispielsweise Deutschland mit Finnland vergleichen, stellen wir fest, dass unsere finnischen Kunden früher anfingen zu investieren und dies aktuell entsprechend stärker tun, wohingegen man in Deutschland Entscheidungen oft noch hinauszögert.«