Gemeinsamer Weg, aber keine Einbahnstraße Auch unter dem Dach der ASMPT bleibt Siplace eine selbstbewusste Konzerntochter

Günter Lauber, ASM Assembly Systems: »Deutschland ist unser Heimatmarkt und er macht uns aktuell sehr viel Freude. Die deutschen EMS-Unternehmen haben in der hochflexiblen, extrem anspruchsvollen Elektronikfertigung ihre lukrative Nische gefunden.«
Günter Lauber, ASM Assembly Systems: »Deutschland ist unser Heimatmarkt und er macht uns aktuell sehr viel Freude. Die deutschen EMS-Unternehmen haben in der hochflexiblen, extrem anspruchsvollen Elektronikfertigung ihre lukrative Nische gefunden.«

Als ASM Assemby Systems gehört Siplace seit Januar zum asiatischen Halbleiterequipment-Hersteller ASMPT. Die von Analysten als »Golden Deal« bezeichnete Übernahme hält, was sie versprochen hat: Siplace steuerte gleich ein Drittel zum Rekordhalbjahresergebnis des ASM-Konzerns bei. Dennoch gelte es, die Kostenstruktur weiter zu optimieren. Das soll vor allem über die Materialbeschaffung erfolgen, erklärt Günter Lauber, CEO von ASM Assembly Systems.

Markt & Technik: Die Erwartungen waren hoch: Wie lautet nun Ihr Fazit nach 9 Monaten ASM Assembly Systems?

Günter Lauber: Wir sind bei der Integration im Plan, verschiedene Integrationsprojekte sind sogar deutlich weiter als gedacht. Externe Analysten haben ASMPT nach der Übernahme des Siplace Teams ja bereits zum »Golden Deal« gratuliert: Der SMT-Bereich konnte nicht nur über 30% zum Rekordumsatz des ersten Halbjahres 2011, sondern vom ersten Tag an positiv zum Unternehmensertrag von ASMPT beitragen. Der Ausdruck »Golden Deal« trifft aber auch die interne Stimmung sehr genau. Sowohl ASMPT als auch das Siplace Team sind innovativ, verfügen über herausragende Ingenieure, sind qualitäts- und kundenorientiert. Auf der Basis dieser gemeinsamen Werte ist es uns schnell gelungen, kulturelle Unterschiede zu überbrücken.
Aber es liegt natürlich auch noch viel Arbeit vor uns. Wir stehen am Anfang der Integration und beginnen erst die vorhandenen Synergiepotenziale zu nutzen.

Wie hat sich die Zusammenarbeit eingespielt?

Wie immer bei Akquisitionen gab es bei den Mitarbeitern auf beiden Seiten zu Beginn auch viele Ängste und eine gehörige Portion Skepsis. Aber das ist überwunden. Die gemeinsamen Projekte - beispielsweise im Bereich Forschung & Entwicklung, beim Sourcing oder im Bereich der Organisation - machen schnelle, konkrete Fortschritte. Beide Teams arbeiten offen miteinander und haben großen Respekt vor den Leistungen und Erfolgen des jeweils anderen Teams - das macht wirklich Spaß.

W.K. Lee, CEO von ASMPT, und Sie haben in unserem letzten Interview vor etwa einem halben Jahr ein ehrgeiziges Ziel formuliert: »Zusammen werden wir die Nummer 1 in der Elektronikfertigung«. Welche Maßnahmen sind inzwischen eingeleitet, um dieses Ziel zu erreichen?

Wir stehen ganz klar auch weiterhin zu den damals genannten Zielen. Das Siplace-Team ist jetzt Teil eines Konzerns, der die Elektronikfertigung als seine Kernbranche sieht, jahrelange Erfahrung mit der Dynamik dieses Marktes hat und langfristig ehrgeizige Wachstumsziele verfolgt. Mit der Integration des Siplace-Teams ist ASMPT der erste Anbieter, der Kunden von der Wafer-Technologie über Packaging und Backend-Assembly bis zur Bestückung mit einem durchgängigen Produkt- und Leistungsangebot bedienen kann. Viele dieser Bereiche sind marktseitig heute noch getrennt, werden aber künftig technisch zusammenwachsen oder verstärkt aufeinander abgestimmt. Ein gutes Beispiel ist der Wachstumsmarkt LED-Fertigung, wo wir mit gemeinsamen Teams und auf Basis der Siplace CA-Plattform bereits an neuen Technologien arbeiten.

Ein großes strategisches Plus versprechen wir uns von der guten Vernetzung des ASMPT-Vertriebs mit Unternehmen in Asien und China. Unsere Sales-Teams operieren weiter unabhängig voneinander. Aber schon der Informationsaustausch und die gemeinsame Marke ASMPT bringen uns in Asien große Vorteile. Traditionell hat Siplace bei den großen Key Accounts der Region bereits eine starke Stellung, in Zusammenarbeit mit dem ASMPT-Team werden wir künftig auch verstärkt in der Breite der mittelgroßen Elektronikfertiger vertreten sein.  

An der Kostenstruktur muss ASM Assembly Systems teilweise noch arbeiten, so Ihre Aussage in unserem letzten Interview. An welchen Stellschrauben haben Sie gedreht - was wurde verändert?

Wir haben gemeinsame Sourcing-Teams gebildet, die unsere Kostenstrukturen beim Einkauf und der Zulieferung intensiv beleuchten. Die Optimierung unseres Sourcings baut auf drei strategischen Säulen auf:

Joint Sourcing, In-Sourcing und Joint Developments. Unsere Teams haben bereits über 100 Komponenten identifiziert, bei denen sich über die eine oder andere dieser Strategien relevante Kostenvorteile erzielen lassen.
Dort wo ASMPT und wir bei gemeinsamen Lieferanten bestellen, nutzen wir unsere gestiegene Einkaufsmacht, um über Joint Sourcing bessere Einkaufspreise zu erwirken. Hier gibt es bereits erste Erfolge.

Das In-Sourcing nutzt den Umstand, dass ASMPT ein Konzern mit einer sehr großen Wertschöpfungstiefe ist. Fast alle Komponenten der ASMPT Maschinen werden konzernintern gefertigt. Dadurch verfügen wir jetzt über gute und detaillierte Vergleichsmöglichkeiten zu den Kosten einer vorwiegend externen Teile-Fertigung, wie sie Siplace bisher praktiziert. Wir nutzen also die ASMPT- Fertigung als Benchmark und diskutieren diese Zahlen mit unseren Zulieferern. In letzter Konsequenz - und dort wo die ASMPT ASMPT-Werke gleichwertige Qualität und logistische Performance bieten können - kann dies heißen, dass ASMPT-Werke zu neuen Lieferanten werden.

Joint Developments, der letzte strategische Sourcing-Baustein, werden erst langfristig greifen. Wir sehen bei verschiedenen Komponenten Möglichkeiten für gemeinsame Entwicklungen oder eine gemeinsame Nutzung. Das ist übrigens keine Einbahnstraße. Die Ingenieure von ASMPT erwägen beispielsweise, unsere Siplace X-Feeder-Technologie in ASM-Maschinen einzusetzen.

Unter dem Strich gilt aber: Die größte Wichtigkeit hat die gelieferte Qualität. Dazu verpflichtet uns unsere Marke Siplace. Die ist Synonym ist für Innovation, Technologieführerschaft und Qualität aber gerade auch für »German Engineering«.

Lassen sich bei der Materialbeschaffung bereits konkrete Einsparungen beziffern?

Wie gesagt, wir sehen in einem optimierten Sourcing erhebliche Potenziale. Aber da viele Einzelmaßnahmen gerade erst eingeleitet wurden, aktuell mit unseren Lieferanten diskutiert werden oder erst vor der Umsetzung stehen, lassen sich hier noch keine konkreten Summen oder Effekte beziffern.

Wie sicher ist angesichts der geplanten Einsparungen der Standort München?

Die Analysen und Vergleiche haben es gezeigt: Unsere Fertigungen in München und Singapur arbeiten sehr effizient und müssen den Vergleich mit anderen Werken nicht scheuen. Wir reden also von einer Optimierung im Sourcing, für Standortveränderungen gibt es insbesondere nach den erfolgreichen Modernisierungen und mit Blick auf die Nähe zur Produktentwicklung keinerlei Anlass. Unser Hauptwerk bleibt München, Singapur bleibt die Dependance für die flexible Belieferung der asiatischen Märkte.