Obsolescence-Management Abgekündigte Bauteile - und wer hilft?

Abgekündigte Bauteile sind ärgerlich und verursachen hohe Kosten wenn ein Re-Design erforderlich wird. Doch die Abkündigungen kommen nicht einfach über Nacht, und unliebsame Überraschungen lassen sich durch ein ordentliches Obsolescence-Management vermeiden. Eine solche Beratung bieten EMS-Firmen wie TQ und productware.

Nicht alle Entwickler räumen bei der Produktauswahl dem Lebenszyklus von Bauelementen die oberste Priorität ein. Ein Grund, warum Entwickler immer wieder in die Abkündigungsfalle tappen, ist die Tatsache, dass sie sich das Produkt aus dem Internet aussuchen und eindesignen. Auch der hohe Druck, das Produkt möglichst schnell auf den Markt zu bringen, führt manchmal direkt in die Abkündigungsfalle. Der Kunde hat oft gar nicht mehr genug Ressourcen, um immer wieder von Grund auf alles komplett neu zu entwickeln. Deshalb wird häufig auf vorhandene Module und Blöcke zurückgegriffen, die schon lange auf dem Markt sind.

Die Bauteileabkündigungen selbst kann außer dem Hersteller zwar niemand beeinflussen, aber eklatante Fehlgriffe müssen nicht sein, »wenn der Entwickler das Obsolescence-Management schon in der Design-Phase mit im Blick hat«, erklärt Ulrich Ermel, beim EMS- und Entwicklungsunternehmen TQ als Bereichsverantwortlicher unter anderem zuständig für das Obsolescence Management. Jedes Produkt hat bekanntlich einen gewissen Lebenszyklus. Inwieweit der berücksichtigt wird, ist eine Frage der guten Beratung. »Alleine der Einkauf ist unter Obsolescence-Gesichtspunkten eine Kunst«, gibt Ermel zu bedenken. Bei der Auswahl der Hersteller müsse der Kunde unter anderem auf die strategische Ausrichtung der Hersteller, häufige Versionswechsel wegen Technologieführerschaft und auf die Kundenstruktur achten, betont Marco Balling, Geschäftsführer des EMS-Dienstleisters productware. »Besteht zum Beispiel die Gefahr einer schnellen Allokation wegen Lieferverpflichtung an Tier-1-Kunden?«

Und auch wenn eine Abkündigung bereits bekannt ist: Nicht selten reagiert der Kunde viel zu langsam auf solche Mitteilungen und verschleppt die Information. Denn Freigaben und Zertifizierungen sind teuer, da wird ein Komponentenwechsel auch gerne so lange wie möglich hinausgezögert. Das gilt auch fürs Re-Design. Dass die Firmen die hohen Freigabekosten scheuen, liegt auf der Hand: Änderungen müssen gerade in sicherheitskritischen Bereichen wie der Medizin- oder Automobilelektronik neu validiert werden. Etwa 30.000 Euro muss ein Unternehmen für die Freigabe bei seinem Endkunden/OEM veranschlagen. Das sind Kosten, vor denen die Kunden oft zurückschrecken, denn die Kosten bleiben beim Tier-1- oder Tier-2-Zulieferer hängen und lassen sich nicht an den Endkunden weiterverrechnen.