Passive Bauelemente: Sogwirkung durch 5G Zwischen perfektem Sturm und Nullsummenspiel

Welche Auswirkungen wird die Coronavirus-Epidemie auf die Produktion, die Lieferkette und die Kunden passiver Bauelemente haben? Neben der Diskussion ums Downsizing und einem sich wieder abzeichnenden Bedarfsanstieg in Asien war das das dominierende Thema einer aktuellen Expertendiskussion.

Es gab bereits in der Vergangenheit Round-Table-Gespräche der Markt&Technik, die in ihrem thematischen Verlauf durch aktuelle Ereignisse geprägt wurden. Erinnert sei hier vor allem an die Pleite von Lehman Brothers und den rasanten Absturz des globalen Finanzsektors in den Folgewochen, oder an die Dreifachkatastrophe von Fukushima, deren unerwartete Folgen die weltweite Elektronikbranche sehr schnell zu spüren bekam. Nun also das Coronavirus, und es stellt sich nicht nur in der Elektronikbrache zunehmend ein gewisser „Auch-das-noch-Effekt“ ein.

Zum Zeitpunkt des Round-Table-Gesprächs ging die Verlängerung des Chinese New Year gerade zu Ende, in den chinesischen Fertigungen sollte die Produktion gerade wieder anlaufen. Auch wenn zu Beginn der Epidemie noch nicht absehbar war, wie sich die Situation weiter entwickeln würde, haben viele der Anfang Februar getroffenen Aussagen auch heute noch Bestand, nachdem sich das Thema Coronavirus auch in Europa sehr dynamisch entwickelt hat. »Wir stellen ein Drittel der globalen Gesamtkapazität des Weltmarkt im Hinblick auf Widerstände dar«, macht Michael Turbanisch, Head of Distribution Sales, bei Yageo gleich zu Beginn der Diskussion deutlich, »und ich habe mir die Nummern 2 bis 5 angesehen, die fertigen auch überwiegend in China, damit haben wir schon etwa 70 Prozent der weltweiten Produktionskapazität für Widerstände abgebildet«. Ohne Widerstände, da pflichten die übrigen Diskussionsteilnehmer bei, keine Elektronikfertigung. »Was uns nach aktuellem Stand im Februar und März an Produktionsausfall bevorsteht, weil die Fertigungen natürlich nicht wieder auf dem Niveau des Januars sind, entspricht in etwa einem Drittel des Jahresbedarfs Europas!«

Damit macht Turbanisch gleich zu Beginn der Diskussionsrunde ein Hauptproblem nicht nur der europäischen Elektronikbranche deutlich: Ein Großteil nicht nur passiver Bauelemente wird inzwischen in China gefertigt. Der Grund dafür liegt im Fall von Massenprodukten auf der Hand: »Das billigste Produkt in der Elektronikindustrie ist der Widerstand«, stellt Turbanisch fest. »Aus diesem Grund kommt nur eine zentralisierte Fertigung infrage, sonst kriege ich die Kosten nicht strukturiert raus. Der Dickschicht-Widerstand ist ein China-Produkt – Punkt.« Und weiter erklärt der Yageo-Manager: »Wir haben zu Zeiten der Allokation darüber nachgedacht, einen zweiten Fertigungsstandort zu errichten, sind aber davon abgekommen, weil sich die Kosten dafür nicht am Markt darstellen lassen.«

»Wir produzieren seit dem 10. Februar wieder, im Schnitt mit gut zwei Drittel bis 80 Prozent der jeweiligen Belegschaft«, berichtet Josef Vissing, Senior Executive Vice President und Deputy Head of Sales Europe bei TDK Europe. »Die Frage ist nun, wie es mit der Materialversorgung und der ganzen Lieferlogistik weitergehen wird. So habe etwa die Lufthansa Group alle Flüge nach China bis Ende Februar ausgesetzt. »Also rund 50 Flüge pro Woche, die fehlen.« Vissing zeigt sich optimistisch, dass sich die Lage in den kommenden Wochen wieder entspannt, auch wenn sich möglicherweise auftretende Versorgungslücken nicht immer schnell schließen lassen werden.