Übernahme von Kemet durch Yageo Yageo gewinnt neue Marktzugänge

Stolze 1,6 Milliarden Dollar legt Yageo für den angekündigten Kauf des amerikanischen Kondensatorspezialisten Kemet auf den Tisch.

Inklusive noch ausstehender Verpflichtungen beträgt die Gesamtsumme sogar 1,8 Milliarden Dollar Cash, den der taiwanische Widerstands- und Kondensatorspezialist Yageo für den angekündigten Kauf des amerikanischen Kondensatorspezialisten Kemet ausgeben will. Kemet‘s Aktionäre können sich dabei im 100ten Jahr der Firmengeschichte über einen 26-prozentigen Premium-Aufschlag freuen. Vorbehaltlich der Zustimmung durch staatliche Regulationsbehörden entsteht durch diese Übernahme, deren Abschluss im zweiten Halbjahr 2020 erwartet wird, ein Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von knapp 3 Milliarden Dollar.

Yageo sichert sich mit dieser Übernahme nicht nur einen der Premium-Brands der Branche, sondern betritt sowohl akquisitionstechnisch als auch produkttechnisch Neuland. Reinhard Sperlich, langjähriger Siemens- und Murata-Manager und heute als Consultant tätig, verweist darauf, dass Yageos Akquisitionen – bis auf Pulse – bisher ehemals europäische Firmen betrafen. Die Übernahme eines amerikanischen Unternehmens dieser Größenordnung und der entsprechenden Unternehmenskultur dürfte spannend werden. Gespannt sein darf man nach Sperlichs Einschätzung auch darauf, ob Yageo das Militärgeschäft von Kemet so weiterführen kann wie bisher. Für die staatlichen Regulierungsbehörden in den USA dürfte das kein Selbstläufer sein.

In der Branche war allgemein bekannt, das Kemet ein Übernahmekandidat war, nur der jetzige Zeitpunkt war für den ein oder anderen überraschend. In der Vergangenheit zählte auch Vishay zu den Interessenten. Letzte Gespräche soll es vor sechs Jahren zwischen beiden Unternehmen gegeben haben. »Uns erschien der damals geforderte Kaufpreis aber nicht vertretbar«, erinnert sich Dr. Gerald Paul, CEO und President von Vishay, »zudem standen damals Unsicherheiten im Zusammenhang mit der schwebenden Übernahme von Tokin in Japan im Raum«. Per-Olof Loof, damals Kemet-CEO, hatte die Übernahme von Tokin vorangetrieben und letztlich auch erfolgreich abgeschlossen. Tokin bereicherte das vor allem aus Kondensatoren bestehende Kemet-Produktspektrum danach vor allem um magnetische Komponenten sowie Sensoren und Aktuatoren.

Nicht zu unterschätzen dürfte die Tatsache sein, dass sich Yageos Produktionsbasis durch die Übernahme deutlich verbreitert. Kemet verfügt über 23 Produktionsstätten in Amerika, Asien und Europa. Weltweit wird Yageo nach dieser Übernahme über 14 R&D-Center und 42 Produktionsstätten verfügen. Nach Einschätzung von Markus Krieg, Chief Marketing Officer bei Rutronik, »ist darum wohl eine Optimierung der Produktionsstätten zu erwarten, was in Zukunft zu Fertigungsverlagerungen führen kann«. Da das Spektrum beider Firmen teilweise komplementär ist, rechnet Krieg damit, »dass wohl voraussichtlich nur unprofitable Produkte auf den Prüfstand gestellt werden«.

Aus Sicht von Jean Quecke, Sales Director (IPE) Central Europe bei Future Electronics, ermöglicht die Kemet-Übernahme Yageo nun eine komplette Abdeckung der Elektronikbranche. »Von Consumer und Industrie, wo Yageo stark ist, reicht das Spektrum nun über Automotive bis zu High-End-Märkten, etwa im Militärbereich oder auch zum heute schon Milliarden Dollar schweren Zukunftsmarkt Raumfahrt, den Yageo nun mit den benötigten MLCCs, Polymer-, Tantal- und Folienkondensatoren versorgen kann«.