Corona-Pandemie Wo es in der Lieferkette jetzt hakt

MLCCs, Widerstände und Leiterplatten – es sind die alten Bekannten aus der Allokation, die in Zeiten der Corona-Pandemie und weltweit diverser Shutdowns wieder als erste für Probleme in der Lieferkette sorgen.

Im Rahmen einer aktuellen Befragung namhafter Geräte- und Subsystemhersteller durch die Markt&Technik gibt etwa Sebastian Fischer, Geschäftsführer der Traco Electronic, an: »Es gibt einige Komponenten wie Keramikkondensatoren, die teilweise nur auf dem Spotmarkt zu höheren Preisen als üblich zu beschaffen sind.«

Kai Heinemann, Geschäftsleiter Entwicklung und Produktmanagement bei Block Transformatoren, verweist darauf, dass die Verfügbarkeit für einzelne, meist passive Bauelemente bereits vor der Corona-Krise eingeschränkt war. »Dieser Trend setzt sich unseres Erachtens jetzt fort; betroffen sind Komponenten aus dem Bereich Kondensatoren und Widerstände, aber auch aktive Bauelemente wie Transistoren und ICs.«

Probleme in der Lieferkette stellt auch Christian Blersch, Geschäftsführer der E.E.P.D., fest: »Vereinzelt sind bei MLCCs, Tantal-Kondensatoren und Steckverbindern Lieferprobleme festzustellen; dazu kommen derzeit alle Produkte in Verbindung mit Indien und Malaysia, wie etwa Prozessoren. Unser Risikomanagement wurde darum in der Frequenz verdoppelt, um frühzeitig Engpässe erkennen und gegensteuern zu können.«

Im Zusammenhang mit China wird weiter häufig von Lieferproblemen mit Leiterplatten und passiven Bauelementen berichtet. So weist etwa auch Oliver Dautzenberg, Vice President Operations bei Kontron, darauf hin, »dass es bei PCBs verlängerte Lieferzeiten gibt, die man einkalkulieren muss. Abgesehen davon funktioniert die Lieferkette bisher erstaunlich gut.« Nach Darstellung von Peter Albert, Geschäftsführer von Eltec, »registrieren wir steigende Materialpreise und Frachtkosten. Bei der Produktion von Leiterplatten und der hierzu benötigten Basismaterialien haben sich nach unseren Informationen in Fabriken in China in den vergangenen Wochen enorme Rückstände aufgebaut, die noch für geraume Zeit zu einer Verlängerung der Lieferzeiten für Leiterplatten auch bei europäischen Herstellern führen können«.

Beim Thema China schwingt bei vielen Befragten offenbar die Sorge mit, dass die sogenannte Rückkehr zur Normalität dort möglicherweise nur von kurzer Dauer sein könnte, sollte es zu einer zweiten Pandemie-Welle kommen. Denn, auch das macht die Befragung deutlich, die Pufferlager der Hersteller im deutschsprachigen Raum sind in den letzten Wochen an vielen Stellen abgeschmolzen. Von 10, 15Prozent ist die Rede, es kann aber auch mehr sein. Josef Pfeil, Vertriebsleiter bei Dynamis Batterien, gibt zu Protokoll, dass das Pufferlager inzwischen auf vier bis fünf Wochen abgeschmolzen ist. »Sollten die avisierten Lieferungen wie zugesagt eintreffen, können wir das Pufferlager wieder auf den gewünschten Zwei-Monats-Bedarf auffüllen.« Damit das möglichst reibungslos geschieht, habe Dynamis inzwischen ein Drittel seiner Lieferungen aus Asien auf Luftfracht umgestellt.