Passive Bauelemente Wieder befreit vom Lagerballast

Das war zu optimistisch! Als Tiger gesprungen, als Bettvorleger gelandet. Die Marktnormalisierung der zweiten Jahreshälfte 2019 drückte dann im Vorjahr doch deutlich stärker auf die Stimmung der Branche als noch zur Jahresmitte erwartet. Auch wenn sich die Branchenstimmung inzwischen wieder aufhellt, wie die Index-Werte zeigen, dürfte sich das Branchenbarometer 2020 in etwa auf dem Niveau des Jahres 2013/14 bewegen. Das könnte sich jedoch schlagartig ändern, sollte die Allokation in der zweiten Jahreshälfte zurückkehren.

Nach der 2019 erfolgten Korrektur der Lagerbestände gehen Hersteller und Distributoren passiver Bauelemente für 2020 wieder von einer positiven Marktentwicklung aus. Die Ergebnisse einer Umfrage von Markt&Technik.

Josef Vissing, Deputy Head of Sales bei TDK Europe, fasst den Umschwung auf dem Markt für passive Bauelemente im letzten Jahr so zusammen: »Nach den hohen Bestellvolumina 2018 haben in der Umschwungphase des Jahres 2019 die hohen Überbestände bei den Kunden im weiteren Verlauf des Jahres erhebliche Nachfragerückgänge bei passiven Bauelementen ausgelöst.« Und weiter: »Von diesem Umschwung waren insbesondere die in Europa stark verankerten Märkte der Automobil- und Industrie-Elektronik betroffen.« Eine spürbare Geschäftsbelebung erwartet Vissing erst wieder ab dem zweiten Halbjahr 2020.

Eine vorläufige Abkühlung nennt Michael Turbanisch, Head of Distributions Sales bei Yageo Europe, den Verlauf des letzten Jahres. Für 2020 erwartet er »eine Stabilisierung und gute Versorgung des gesamten europäischen Marktes, da es bereits wieder zu Verknappungen bei Commodities kommt aufgrund der stark gestiegenen Bedarfe in Asien«. Für Harald Sauer, Director Taiyo Yuden Europe, stellte das letzte Jahr die logische und konsequente Bedarfsanpassung nach einem Allokationsjahr dar. Nach dem Aufatmen des letzten Jahres geht er für 2020 von einem weiterhin positiven Marktumfeld aus.

»Aus unserer Sicht war 2019 nach einem noch kräftigen Start durch Korrekturen ab dem 2. Quartal geprägt. Getrieben wurde diese Marktentwicklung durch hohe Bestände in der Distribution und der sich abzeichnenden Korrektur und Verunsicherung in der Automobilbranche«, gibt Olaf Lüthje, Senior Vice President Business Marketing Vishay Passives, seine Interpretation der Geschäftsentwicklung im Vorjahr wieder. Mit einer Erholung des Marktes rechnet er spätestens zur zweiten Jahreshälfte 2020.

»Von der Feierlaune in den Kater«, so nennt Andreas Hammer, Vice President EMEA Sales bei Kemet, den Unterschied zwischen den Geschäftsjahren 2018 und 2019 in Europa. Positiver Nebeneffekt dieser Entwicklung ist die Tatsache, dass sich die Lieferzeiten über das gesamte Produktportfolio von Kemet betrachtet wieder bei 6 bis 12 Wochen bewegen. Hammer gibt aber auch zu, »dass wir im MLCC-Bereich immer noch Produkte oder Produktfamilien haben, die eher bei 24 Wochen liegen«.

»Ein Lager-Normalisierungs-Jahr«, nennt Ferdinand Leicher, Vice President Sales EMEA bei Bourns das Jahr 2019. Für 2020 rechnet er mit einer Rückkehr zum normalen Wachstum. Das Preisniveau im Bereich passiver Bauelemente hat sich nach seiner Einschätzung auf einem Nicht-Allokations-Niveau stabilisiert. Da die grundsätzliche Nachfrage aber nach wie vor erfreulich hoch sei, blieben auch einzelne Preise hoch. Leicher weist aber auch warnend darauf hin, »dass sich, sobald die Lieferzeiten und Bestände wieder tiefer liegen, die Allokation sehr schnell wiederholen kann«.

Eine Rückkehr in ruhigeres Fahrwasser, verbunden mit einer Navigation auf Sicht, mit einem Ausblick von rund vier Monaten attestiert Dr. Arne Albertsen, Senior Sales Manager bei Jianghai Europe Electronic Components, dem Markt für passive Bauelemente in den letzten Monaten. In seinen Augen sind die Überbestände der ersten Jahreshälfte 2019 seit der Jahresmitte abgebaut, »gleichzeitig haben sich auch die Kunden wieder stabilisiert«.