Bordnetz-Marktentwicklung Wie sieht der Hochvolt-Kabelsatz der Zukunft aus?

Die wichtigsten Trends und ihre Auswirkungen auf den Kabelsatz

»Der Markt für Elektromobilität wird sich bis 2030 verändern und positiv auf das Bordnetz-Geschäft auswirken«, erklärt Hornfeck. »Es wird eine gravierende Umstellung auf elektrische Fahrzeuge geben. In Folge dessen wird auch der durchschnittliche Leitungssatzanteil pro Auto über alle Fahrzeugtypen hinweg ansteigen.« Er erwartet, dass die Hochvoltkabelsätze in den kommenden Jahren ein starkes Wachstum aufweisen werden. Dabei werden sie allerdings vereinfacht und damit einhergehend günstiger. Dies gleichen ein höherer Anteil und höhere Volumina bei Elektrofahrzeugen allerdings wieder aus. 

Auch das Autonome Fahren setzt neue Impulse für das Leoni-Geschäft. Beim Autonomen Fahren unterscheidet man je nach Grad der Elektrifzierung zwischen unterschiedlichen Leveln. Während Level 0 noch keine signifikanten Assistenzfunktion bietet, sprechen die meisten Automobilhersteller derzeit davon, Funktionen zwischen Level 2 und Level 3 anzubieten, auch Level 2+ genannt. Auf diesem Level erwartet Hornfeck in 2030 den höchsten Anteil an Fahrzeugen (40 %). Die dafür notwendigen Sensoren - Leoni geht von zehn Sensoren auf Level 2 bzw. 2+ und von 25 Sensoren auf Level 5 aus - benötigen redundante und zuverlässige Energie- und Datennetzwerke.

Ebenso wirkt sich der Einsatz neuer Komfortfunktionen, wie Entertainment und OTA-Software-Updates (Over-the-Air) positiv auf den Umfang von Komponenten in Bordnetzen aus. Fahrerlebnisfunktionen sorgen dafür, dass die Fahrwerkskontrolle durch aktive Federung verbessert wird. Die zugehörigen Komponenten müssen sehr schnell reagieren und haben daher einen hohen kurzfristigen Stromverbrauch. Wegen dieses sogenannten Peak-Verbrauchs müssen Kabel größere Querschnitte haben, manchmal sind auch lokale Steuerungselemente, wie Schalter erforderlich, um das Energiebordnetz im Fahrzeug zu stabilisieren.

Als vierten Trend erwartet Leoni eine Vereinfachung der Hochvoltsysteme, was zu erheblichen Komplexitätsreduzierungen und Kosteneinspareungen führen wird. Für die Inhalte im Bordnetz bedeutet dies sowohl eine Erhöhung als auch Reduzierung.
Negative Auswirkungen auf den Content von Bordnetzen haben hingegen neue Elektrik-/Elektronik-Architekturen. Leoni forciert derzeit gemeinsam mit seinen Kunden neue E-/E-Architekturen, die einfacher sind und es ermöglichen die Anzahl der Steuergeräte und die Komplexität zu reduzieren. »Das Bordnetz wird einfacher, weniger monolitisch, und bietet uns dadurch die Möglichkeit Automatisierungslösungen weiter voranzutreiben. Insgesamt muss man aber festhalten, dass der Gesamtcontent des Leitungssatzes ein Potential nach unten hat«, erklärt Hornfeck.

Ausblick 
Wie werden sich Hochvolt-Kabelbäume also in den nächsten Jahren entwickeln und was bedeutet das für den Bordnetz-Inhalt und den Preis? »Dazu gab es in den letzten Jahren einige Diskussionen und auch unterschiedliche Meinungen, wir haben einige Erkenntnisse gesammelt und zusammengetragen«, so Hornfeck. »Im Allgemeinen sehen wir ein erhebliches Kosten-Deckungs-Potenzial.« Seiner Ansicht nach wird das Ladekabel weiter bestehen, er sieht aber Optimierungspotenzial. So lassen sich Nebenleitungssätze und Traktionskabel verkürzen und es besteht Potenzial zum Einsatz von ungeschirmten Leitungen. Auch auf 3-Phasen-Kabel kann verzichtet werden, sollte die Leistungselektronik direkt in die E-Motoren integriert werden.

Daraus schließt Hornfeck, dass es einen signifikanten Preisrückgang geben wird. Gleichzeitig sieht er Potenzial für Leoni im Bereich des Batteriekabelbaums, den das Unternehmen derzeit kaum liefert. »Gemeinsam mit unserem strategischen Partner Diehl werden wir uns in Zukunft mit diesem Markt beschäftigen.«