Relais-Forum der Markt&Technik Werden Relais bald deutlich teurer?

Dr. Christian Veit, Hongfa Europe: »Mit stromsparenden, bistabilen Relais machen wir übrigens weltweit deutlich mehr als 100 Mio. Dollar Umsatz.«
Dr. Christian Veit, Hongfa: »Die Liefersituation ist entspannt, von Allokation kann keine Rede sein, und sie ist auch nicht zu erwarten.«

Der enorme Wertverfall des Euro gegenüber dem Dollar von 20 Cent binnen weniger Monate macht den europäischen Niederlassungen asiatischer Relaishersteller zu schaffen. Deren Einkaufspreise sind so sehr gestiegen, dass die geringen Margen die höheren Kosten auf Dauer nicht auffangen können.

Im Relais-Forum 2015 der Markt&Technik waren sich die Teilnehmer einig, dass eine Preiserhöhung trotz derzeit günstiger Rohstoffpreise nicht zu vermeiden ist, sollte der Euro weiterhin so schwach bleiben. 20 Prozent dürften es eher nicht werden, aber schlimmstenfalls müssen sich die Kunden auf eine Preissteigerung »im hohen einstelligen Prozentbereich einstellen«, erwartet Dr. Christian Veit, Marketing&Sales Director bei Hongfa Europe. Doch nicht nur die asiatischen Relaishersteller sind vom schwachen Euro gebeutelt, auch die Schweizer Elesta hat am starken Franken zu knabbern, nachdem dessen Kursbindung an den Euro Mitte Januar 2015 abgekoppelt worden ist. »Zwar verbilligt sich der Einkauf von Vorprodukten, aber das reicht bei weitem nicht aus, um alles zu kompensieren«, sagt Jürgen Steinhäuser, Vertriebsleiter beim Spezialisten für Relais mit zwangsgeführten Kontakten.

In puncto Lieferfähigkeit ist Entspannung angesagt, die Lieferzeiten bewegen sich im üblichen Rahmen von 4 bis 8 Wochen ab Werk. Bei einigen Relaistypen wie Signalrelais sind es wegen unerwartet starker Nachfrage auch mal bis zu 15 Wochen, »aber von Allokation kann keine Rede sein, und sie ist auch nicht zu erwarten«, sagt Veit. An der Rohstofffront ist Ruhe eingekehrt, die Preise für die wichtigen Metalle Kupfer und Silber schwanken nur gering, der derzeit günstige Rohölpreis hat sich bei den Kunststoffpreisen allerdings nicht niedergeschlagen. Vertriebsseitig sind aber insofern Änderungen in Sicht, als die Hersteller den Distributionsanteil im Vergleich mit dem Direktgeschäft von derzeit maximal 30:70 auf bis zu 40:60 erhöhen wollen. »Unser Distributionskonzept sieht vor, künftig verstärkt mit einem Broadliner und einem Katalogdistributor zusammen zu arbeiten«, sagt der Hongfa-Manager. Mit dieser Maßnahme will man sich den nötigen Freiraum schaffen, um sich noch intensiver als bisher um die großen Direktkunden kümmern zu können.

Das vor 2 Jahren schon als Auslaufmodell bezeichnete Würfelrelais (»Der Würfel ist gefallen«) erfreut sich bei den Herstellern Weißer Ware nach wie vor großer Beliebtheit. Demzufolge setzen die chinesische Hongfa und die taiwanische Song Chuan weiterhin auf diesen auch als Sugar-Cube bzeichneten Relaistyp, ist er doch preislich unschlagbar. Während sich die anderen großen Hersteller wie TE und Panasonic aus diesem Business vor einigen Jahren zurückgezogen haben, fokussiert auch der weniger bekannte chinesische Hersteller Sanyou auf das Würfelrelais. Vorrangig adressiert wird zwar der chinesische Markt, doch ist Sanyou auch in den USA und Kanada aktiv, von wo bislang der europäische Markt beliefert wird. Doch nun will sich Sanyou in Europa ein eigenes Standbein schaffen, wodurch Hongfa und Song Chuan vor Ort ein Mitbewerber bei den Herstellern großer Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen entsteht.