Downsizing bei Ethernet-Datenleitungen Weniger ist mehr

Hybridkabel verstärkt gefragt

Ein anderer Trend steht nur scheinbar im Widerspruch zum Downsizing: die zunehmende Nachfrage nach Hybridkabeln. Hier geht es nicht um Kabel mit möglichst wenig Adern, sondern im Gegenteil darum, möglichst viele Leitungen in einen Mantel zu packen. Solche Hybridleitungen, bekannt auch als Ein-Kabel-Lösungen, vereinen unterschiedliche Funktionen in einem Mantel. In der Regel sind dies Anschlussleitungen für Servoantriebe plus Feedbackleitungen zur Abfrage der Sensoren.

Im Vergleich zu mehreren separaten Leitungen mit jeweils separaten Steckern sparen Einkabelsysteme viel Platz – insofern kann man auch bei ihnen von Downsizing sprechen. Zum Portfolio von Lapp zählen etwa Hybridleitungen für das Hiperface-DSL-Motor-Feedback-System von Sick und für ACUROlink von Hengstler.

Für die Vernetzung mittels Industrial Ethernet bietet Lapp ein Portfolio von den Kabeln über Stecker bis hin zu einbaufertig konfektionierten Leitungen aus dem Ölflex-Connect-Programm. Darunter beispielsweise die Etherline PN Cat.6A FC mit 10 Gbit/s bei 500 MHz Bandbreite. Dank Innenmantel und Trennkreuz ist sie Fast-Connect-fähig, lässt sich also schnell und sicher konfektionieren. Die Leitung ist außerdem zertifiziert für den nordamerikanischen Markt.

Dazu passen unter anderem das Epic-MH-Gigabit-Datenmodul, Bestandteil des modularen Rechtecksteckersystems Epic MH, oder die robusten Switches aus der Serie Etherline Access zur Datenverteilung im rauen Industrieeinsatz.

»Unsere Produkte sind herstellerneutral und immer auf die Anwendung zugeschnitten«, betont Ege. Die Produktlinie Ölflex Connect zum Beispiel – mit Fertigkonfektionen von Servoleitungen bis zu vollbestückten Schleppkettensystemen – sei entstanden, weil Kunden sich zunehmend auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren wollen. »Von den Experten bei Lapp bekommen sie Beratung, Produkte und Service aus einer Hand, was ihrem Bedarf entgegenkommt.«

Drahtlos oder kabelgebunden?
Wenn Ethernet-Leitungen immer dünner werden – könnte man sie nicht irgendwann komplett ersetzen, zum Beispiel durch Funktechnologien? Immerhin wächst der Markt für drahtlose Techniken in der Fabrikvernetzung derzeit mit 32 Prozent pro Jahr, wenn auch noch auf niedrigem Niveau – ihr Marktanteil liegt aktuell bei gerade mal sechs Prozent.

Die Antwort: Es kommt auf die Anwendung an. WLAN, Bluetooth oder Mobilfunk haben dort Vorteile, wo es auf Flexibilität ankommt – beim Anschluss von Sensoren in großen Anlagen, etwa in der Chemieindustrie, oder natürlich bei mobilen Anwendungen.

Allerdings sind leitungsgebundene Techniken den Funklösungen in vielen Fällen auch auf lange Sicht überlegen. Zum Beispiel, wenn der Anforderungs-Schwerpunkt auf Reichweite, robuster Datenverbindung und/oder Energieeffizienz liegt. Nicht zu vergessen die Verzögerung der Informationsübertragung (Latenz), die für manches Anwendungs-Szenario schlicht inakzeptabel ist.
Im Übrigen sind Kabel weniger anfällig für mutwillige Störungen oder Angriffe von Hackern. Das wird sich auch mit neuen Standards wie 5G nicht ändern. Guido Ege ist sicher: »Wireless hat seine Berechtigung, ist aber keine Bedrohung für leitungsgebundene Systeme, sondern eine Ergänzung bei speziellen Anforderungen.«