Kaum Lagerkapazitäten Was macht Samtec beim Service besser?

Samtec bezeichnet sich selbst als Service-Leader

Samtec schneidet seit Jahren bei Kundenbefragungen in punkto Kundenzufriedenheit überdurchschnittlich gut ab. Aber was macht der Steckverbinder-Hersteller besser als der Wettbewerb? Ringo Krumm, Country Manager D/A/CH, gibt im Markt&Technik-Interview einen Einblick in die internen Prozesse.

Markt&Technik: Ihr »Sudden Service«, also die schnelle Lieferung, ist zu einem feststehenden Begriff in der Steckverbinder-Industrie geworden. Geben Sie uns einen Einblick, welche Ressourcen und Anstrengungen von Seiten ihres Unternehmens überhaupt erforderlich sind, um dem zweifelsfrei sehr guten Ruf in der Branche gerecht zu werden?

Ringo Krumm: Hier kommen mehrere Faktoren zusammen. Samtec verfügt über mehr als zehn Produktionsstätten weltweit. Generell sind wir in der Lage, ein Bauteil an mindestens zwei Fertigungsstandorten herzustellen. Abhängig von der Stückzahl geschieht das in Work-Centern nach den »Lean-Manufacturing Prinzipien« oder auf automatischen Maschinen mit hohem Durchsatz. In unseren Arbeitsstationen nach den Lean-Prinzipien können mehrere Arbeitsschritte von einem Mitarbeiter unabhängig durchgeführt werden, etwa das Formen der Kontakte, das Schneiden oder Füllen der Isolierkörper sowie das Konfektionieren der Kabel. Dadurch können wir unseren Kunden fast alle Bauteile binnen kürzester Zeit und bereits zu Kleinstmengen anzubieten.

Zudem bemühen wir uns seit Jahren erfolgreich um die vertikale Integration von Galvanik, Kunststofftechnik und Werkzeugherstellung. Nur so ist es uns möglich, Lieferzeiten von etwa einer Woche für Katalogbauteile einzuhalten.

Manch einer würde meinen, Sie verfügen über ein überdurchschnittlich großes Lager. Aber genau das Gegenteil ist der Fall.

Bis auf unsere Material-Lagerplätze im Kanban-System verfügt Samtec über nahezu keine Lagerkapazitäten. In Absprache mit unseren Kunden wie beispielswiese aus der Automotive-Branche lagern wir zwar schon einmal projektbezogen vor, alle weiteren Bauteile werden aber ausschließlich auftragsbezogen produziert! Nach der Fertigung senden wir die Bauteile vom Produktionsstandort direkt per UPS oder DHL International-Air-Freight binnen 48 Stunden zum Kunden. Dabei ist der Prozess immer der gleiche, unabhängig davon, ob der Kunde 1 oder 1000 Bauteile bestellt. Zugegeben, der Versand ist ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor, wird aber durch den kompletten Wegfall einer zentralen Lagerführung amortisiert.

Was sind aus ihrer Sicht die größten Vorteile der bedarfsgerechten Produktion?

Der entscheidende Vorteil bei diesem System ist, dass wir in der Lieferkette zum Kunden keine Zeit damit verlieren, leere Lagerplätze wieder aufzufüllen. Gleichzeitig sind wir unabhängig von Lagerbeständen. Und unsere Kunden profitieren ebenso: Denn sofern Bestellungen noch nicht produziert sind, können wir dem Kunden einen kostenfreien Aufschub oder gar Stornierungen anbieten. Der Entwickler kann basierend auf unserem Katalog aus Millionen Optionen auswählen, ohne dass wir bei Samtec in Gefahr laufen, mit Bauteilen oder Lagerbeständen in Vorleistung gehen zu müssen, welche der Markt nicht oder nur in geringen Mengen benötigt.

Lange Jahre war das Geschäft mit Steckverbindern sehr stabil, ohne große Schwankungen nach oben oder unten, wie man sie aus der Halbleiterindustrie kennt. Mittlerweile hat sich das grundlegend geändert…

Generell kann man natürlich sagen, dass die Elektronikindustrie am Tropf der wirtschaftlichen Konjunktur hängt. Wir ziehen seit Jahren den regelmäßigen Vergleich zur Halbleiterindustrie und erkennen deutliche Parallelen zum Absatz unserer Steckverbinder. Die letzten Jahre waren dabei geprägt von Ungewissheit und Unsicherheit. Bedarfe können sich kurzfristig ändern, was eine langfristige Planung oft schwierig macht. In der Konsequenz wollen unsere Kunden natürlich kein Kapital in riskante Lagerhaltung investieren. Vorwiegend den EMS-Dienstleitern und den großen OEMs ist das ein Dorn im Auge. Hier wird im besten Falle versucht, sich das Risiko zu teilen. Daher ist eine schnelle zuverlässige Lieferung heute mehr denn je ein Schlüssel zum Erfolg, aber Themen wie Obsolescence-Policy, Second Source oder Consignment werden seitens unserer Kunden ebenfalls deutlich öfter angesprochen als noch in den Jahren zuvor. Zudem erkennen wir einen deutlichen Trend unserer Kunden, primär auf Katalogstandards zurückzugreifen. Die Gründe dafür sind, dass sich unsere Kunden davon eine schnellere Lieferung, geringere Mindestbestellmengen und Langzeitverfügbarkeit versprechen.