Automotive für die Passiven Vorsichtig optimistisch

Das Schlimmste scheint vorbei zu sein: Aktuell bewegen sich die Wünsche der Kunden bei der Verschiebung von Lieferterminen zwischen zwei bis sechs Wochen.

Lief für die Branche der passiven Bauelemente in Deutschland bis zum Lockdown Mitte März noch alles normal, gilt das spätestens seit April nicht mehr, die Aufträge aus dem Automotive-Bereich brachen dramatisch ein.

An der Erholung dieser Schlüssel-Abnehmerbranche wird der Verlauf der zweiten Jahreshälfte 2020 gemessen werden.

The worst is over«, das ist die Einschätzung, die Josef Vissing, Deputy Head of Sales bei TDK Europe, bei immer mehr Kunden feststellt. Aus seiner Sicht haben die Kunden inzwischen ihre Aufträge an die neue Bedarfslage angepasst und es kommt nur noch zu wenigen Verschiebungen der gewünschte Liefertermine, »und wenn, dann nur noch in einem Zeitrahmen von zwei bis sechs Wochen«.

Eine ganz ähnliche Marktwahrnehmung hat Harald Sauer, Director Taiyo Yuden Europe: »Wir befinden uns bereits in der Erholungsphase. Aufträge werden nun nicht mehr vermehrt geschoben oder storniert. Das Auftragsvolumen steigt wieder, allerdings fällt die Erholung dieses Mal deutlich moderater aus, als das vor zehn Jahren nach der Finanzkrise der Fall war.«

»Nach den wochenlangen Schließungen in der Automobilindustrie stellen wir hier nun einen deutlichen Hochlauf in Richtung der Vor-Corona-Bedarfe fest«, berichtet Olaf Lüthje, Senior Vice President Business Marketing Passive bei Vishay. »In anderen Bereichen wurden die Aufträge inzwischen an die neuen Gegebenheiten angepasst, wobei wir nun feststellen, dass die Distribution etwas zurückhaltend wird.«

»Das 2. Quartal dieses Jahres war ganz klar stark von Verschiebungen geprägt«, bestätigt auch Andreas Hammer, Vice President EMEA Sales und Managing Director bei Kemet. »Die Kunden fahren derzeit auf Sicht, sie passen Backlog und Forecast so kurzfristig wie nur irgend möglich an und schieben dann die benötigte Ware in die Zukunft.« Diese Verschiebungen können sich nach seinen Worten in einem Zeitfenster von bis zu zwölf Monaten bewegen.

»Mit Stornierungen hatten wir bislang weniger zu kämpfen«, gibt Michael Turbanisch, Head of Distribution Sales bei Yageo Europe, seine bisherigen Erfahrungen wieder. »Das hat nach meiner Einschätzung vor allem auch damit zu tun, dass speziell die Tier-Ones ihre Pipeline gefüllt haben müssen für den Fall, dass die Bedarfe wieder deutlich steigen.« Wenn es zu Verschiebungen kommt, dann meist im Zeitrahmen von einem Quartal.

Für Anton Roth, Global Sales Director Components bei der Isabellenhütte Heusler, liegt die größte Herausforderung in den Zeiten der Corona-Pandemie und ihrer Auswirkungen im Abrufverhalten der Kunden: »Die Aufträge bleiben bis kurz vor Auslieferung auf Vor-Krisen-Niveau stehen und werden dann erst kurz vor Versand an die Realität angepasst.« Wie Roth berichtet, werden Aufträge inzwischen vereinzelt aber bereits auch wieder vorgezogen.

»Die Aufträge werden vonseiten der Kunden derzeit sehr kurzfristig und bedarfsorientiert erteilt«, bestätigt auch Alexander Gerfer, CTO der Würth Elektronik eiSos Gruppe und Geschäftsführer der Würth Elektronik eiSos. »Das Orderverhalten der Kundenseite ist derzeit noch sehr vorsichtig und abwartend.«

Für Ferdinand Leicher, Vice President Sales EMEA bei Bourns, bestehen die aktuell größten Herausforderungen immer noch in den gestiegenen Logistikkosten und den aktuell zur Verfügung stehenden Logistikkapazitäten. Das Thema Stornierungen ist für ihn klar mit der Automotive-Branche verbunden, »da bewegen sich die Stornierungen bei 20 bis 25 Prozent«.