Kommentar Versorgungsschwierigkeiten setzen sich 2019 fort

Engelbert Hopf, Chefreporter, EHopf@markt-technik.de

Nach der electronica und der SPS/IPC/Drives schält sich immer deutlicher heraus: Von einer Entspannung der Liefersituation ist die Elektronikbranche offenbar noch weit entfernt.

Vor allem im Bereich der Industrie-Elektronik mit ihren verschiedenen Untersegmenten scheint die Zahl der Allokations-Geschädigten groß zu sein. Von Arroganz auf der Herstellerseite und Verzweiflung und Aggressivität bei den Anwendern war bereits auf der electronica in vielen Gesprächen die Rede.

Kaum zwei Wochen später setzten sich diese Gespräche in Nürnberg auf der letzten großen Messe der Elektronikbranche in diesem Jahr fast nahtlos fort. Es gibt eben einfach keine Planungssicherheit mehr, wenn selbst die Allergrößten beispielsweise Prozessoren nicht in der vereinbarten Quantität liefern, sondern in deutlich kleineren Stückzahlen. Und auch auf der SPS/IPC/Drives schwang bei diesen Gesprächen nicht unbedingt die Hoffnung auf eine Verbesserung im nächsten Jahr mit.

Gut im Griff zu haben scheinen Konsumgüter- und Automotive-Hersteller die Situation. So setzt die Konsumelektronik auf kleine Bauteilgrößen und liegt damit voll im Zielkorridor etwa der Hersteller passiver Bauelemente. Automotive-Kunden ihrerseits reservieren sich, gestützt auf ihre Marktmacht, im Zweifelsfall einfach komplette Fertigungslinien. In Nürnberg wurde nun die Befürchtung geäußert, dass einige Trends im Consumer-Bereich 2019 noch deutlich mehr Bedarf generieren könnten als bislang veranschlagt. Trifft das zu, dürfte sich die Liefersituation für Bauteile, die größer als 0402 sind, noch einmal zuspitzen.

Die Bauelemente-Hersteller ihrerseits werden auch auf den genannten Messen nicht müde, ihre Anstrengungen zur Produktionssteigerung hervorzuheben. Naturgemäß finden diese Investments aber nur in zukunftsgerichtete Produktsegmente statt. Letztlich erhöht sich damit der Druck auf die Industrie-Elektronik-Spezialisten, überall dort, wo es technisch möglich ist, auf kleinere Bauformen umzustellen.

Mit der embedded world steht bereits Ende Februar 2019 das nächste große Branchen-Event bevor. Man darf gespannt sein, ob und, wenn ja, in welcher Form sich bis dahin Veränderungen in der Lieferkette bemerkbar machen. Eines scheint aber schon jetzt klar zu sein: Von einer nachhaltigen Entspannung der Situation gehen für 2019 bislang nur die Wenigsten aus.