Einfluss von 5G auf Stecker und Kabel Totgesagte leben länger

»5G ist ein integraler Bestandteil der zukünftigen Infrastruktur und dem müssen wir uns als Steckverbinderhersteller natürlich stellen.«
»5G ist ein integraler Bestandteil der zukünftigen Infrastruktur und dem müssen wir uns als Steckverbinderhersteller natürlich stellen.«

Könnte 5G Steckverbinder und Kabel endgültig ablösen? Vonseiten der Teilnehmer am Markt&Technik-Forum "Connectivity für Industrie 4.0" kommt ein klares »Nein!«. Sie sehen in der Funktechnik vielmehr eine Chance für die Branche.

Bis 2020 soll nach aktuellen Voraussagen die 5. Generation des Mobilfunks marktreif sein. Der Hype ist schon jetzt groß, vor allem die Industrie verspricht sich einen großen Schritt für Industrie 4.0.

Die Aussagen der Hersteller von Steckverbindern und Kabeln folgen dabei einem einheitlichem Tenor: Geschlossen gehen die Experten davon aus, dass die Einführung von 5G keine Gefahr für die Verbindungstechnik darstellen wird. »Bei TE Connectivity ist es derzeit nicht absehbar, dass es einen Wechsel von Kabel auf Luftübertragung, sprich Wireless, geben wird«, so Sascha Lambauer, Product Manager HDC EMEA bei TE Connectivity. »Wir glauben nicht, dass wir durch 5G weniger Stecker sehen werden. Was wir sehen werden, sind unter Umständen aber andere Stecker.«

Dass sich durch die 5G-Technologie der Bedarf an Steckverbindern nicht reduzieren, sondern erhöhen wird, denkt auch Denis Giba, Geschäftsführer von Odu: »Es wird keine sichtbaren Einbußen geben. Vielmehr wird in die Infrastruktur investiert, und daraus abgeleitet werden sich die Performance-Anforderungen an die Steckzyklen erhöhen. Wir sehen 5G zwar nicht unbedingt als Treiber, aber sind total entspannt.«

»Letzten Endes wird 5G einfach neue Möglichkeiten für den Endkunden schaffen«, stimmt Manuela Gutmann, Division Manager Connector Solutions bei Yamaichi, zu. »Unsere Kunden werden durch 5G neue Möglichkeiten in ihrer Fertigung erschließen und dort sicherlich auch Daten kabellos übertragen. Trotzdem wird der Steckverbinder weiterhin da sein, um Daten aufzunehmen und zur Verfügung zu stellen.«

Schon mehrmals in der Geschichte der Funkübertragung wurde das Ende von Stecker und Kabel prognostiziert. Allen bösen Zungen zum Trotz sind die elektromechanischen Bauteile weiterhin unersetzlich. »5G wird nicht den Steckverbinder ablösen, es wird auch nicht das Kabel ablösen«, ist sich Simon Seereiner, Leiter Produktmanagement bei Weidmüller, dementsprechend sicher. »Aber es ist ein integraler Bestandteil der zukünftigen Infrastruktur und dem müssen wir uns als Steckverbinderhersteller natürlich stellen.« Deswegen arbeiten die Experten von Weidmüller und andere Hersteller mit der 5G-Alliance beim ZVEI an Architekturbeschreibungen für die Industrie-4.0-Umgebung bei 5G-Anwendungen. »Totgesagte leben länger und ich glaube, der Stecker und das Kabel oder auch die gesamte Infrastruktur werden durch 5G einfach nur um einen weiteren Aspekt ergänzt.«

Die Einführung von WLAN hat dazu geführt, dass die Branche neue Ethernet-Standards für 2,5 Gbit/s und 5 Gbit/s entwickelt hat, um die bestehende Infrastruktur mit höheren Datenraten bespielen zu können. Ähnliches erwartet Matthias Fritsche, Global Product Manager Interface Connectors bei Harting, wenn 5G den Markt erobert. »Am Ende jeder Funkschnittstelle befindet sich ein Access-Point und es werden mehr und mehr«, so die Ansicht des Experten. Für jeden dieser Access-Points werden seiner Meinung nach weiterhin Steckverbinder und Kabel notwendig sein. »Aus meiner Sicht wird 5G den Steckverbindermarkt befeuern – insbesondere bei Datensteckverbindern. Es ist für uns also vielmehr positiv zu sehen.«

Bilder: 10

Markt&Technik-Forum: Trends in der Stecker- und Kabelwelt

5G, Single-Pair-Ethernet und Standardisierung – im Forum "Connectivity für Industrie 4.0" drehte sich alles um wegweisende Zukunftstrends in der Verbindungsbranche. Einen Einblick in die Themenvielfalt gibt Ihnen die Bilderstrecke.

Dem pflichtet Thomas Robok, Field Application Engineer bei Würth Elektronik eiSos, bei: »Als wir unsere Wireless-Power-Spulen ins Produktportfolio integriert haben, war der Aufschrei groß. Aber ich konnte nicht feststellen, dass uns das in irgendeiner Form wehgetan hätte, im Gegenteil! Der Steckverbinder verschiebt sich nur in seinem Platz auf der Kette, denn irgendwo muss ja eine Wartungsbrücke für die Spule eingebaut werden.«

Nicht nur Steckverbinder, auch Kabel müssen eine mögliche Konkurrenz durch 5G nicht fürchten. 5G wird das Kabel nicht ablösen, könnte es aber ergänzen. »Wireless ist ein interessanter Ansatz, um Verschleiß zu reduzieren und Mobilität zu erhöhen, aber man spart dadurch nicht zwangsläufig an Kabel«, so Ralf Moebus, Head of Product Management bei der Lapp-Gruppe. Der Experte ist davon überzeugt, dass das Kabel an ortsfesten Installationen nach wie vor die beste Lösung ist, schon deswegen, um eine Stromversorgung zu gewährleisten. »Am Ende muss sich auch jede Wireless-Lösung einer Wirtschaftlichkeitsprüfung unterziehen. Und da trennt sich die Spreu vom Weizen.«