Das Foundry-Modell von Auris Taktgeber-Spezialisten – gefragter denn je

Vom Verkäufer zum Techniker: Heute ist mehr denn je tiefe technische Kompetenz gefragt. Quarze und Oszillatoren verkaufen sich nicht wie Standardprodukte und verlangen nach eingehender Design-in-Unterstützung.

Da stellt sich gleich zu Beginn die alte Frage: Quarz oder Oszillator? »Wir erzielen rund zwei Drittel des Umsatzes mit Quarzen, ein Drittel mit Oszillatoren. Das dürfte ungefähr auch der Verteilung im Gesamtmarkt entsprechen«, sagt Rüdiger Zahn, Geschäftsführer von Auris, die in Hameln derzeit zehn Mitarbeiter beschäftigt. Denn die Preise von Oszillatoren liegen im Durchschnitt um den Faktor 2,5 über denen der Preise für Quarze, und häufig gebe der Preis eben doch den Ausschlag. Auch wenn es etwas bequemer ist, einen fertigen Oszillator einzusetzen, um sich nicht mit den Problemen der Quarze selber und ihrer Beschaltung herumschlagen zu müssen.

Davon gibt es viele, dazu ein Beispiel: Der Trend zur Miniaturisierung bei Quarzen und Oszillatoren ist nicht aufzuhalten, dieser Einschätzung stimmt auch Zahn zu. Allerdings hebe der Trend die Physik nicht auf. Und sie schlägt bisweilen zu. Insbesondere, wenn auf der Anwenderseite nicht genau bekannt ist, um was es überhaupt geht und auf was zu achten ist.

Er beschreibt einen typischen Fehler, der immer wieder auftritt: Wird ein bisher großes Quarzgehäuse durch ein kleineres ersetzt, mag sich oberflächlich betrachtet dadurch nichts Gravierendes geändert haben. Doch wer nicht auf die Feinheiten achtet, kann unliebsame Überraschungen erleben. Denn wenn sich die Gehäusegröße reduziert, dann vertragen die kleineren Gehäuse plötzlich deutlich weniger Energie. Konnte ein großes Gehäuse ohne weiteres eine Energie von 500 µW über eine fast unbegrenzte Zeitdauer überstehen, so reagieren kleine Gehäuse empfindlicher. Denn wenn ein Controller einen Quarz dauerhaft mit hoher Energie belastet – bei kleineren Gehäusen kann die Schwelle schon bei 50 µW liegen –, dann steigt unweigerlich der Hub des Quarzes, was wiederum dazu führt, dass das Material höher belastet wird, der Quarz ermüdet schneller und die Lebensdauer sinkt.

Weil die Hersteller die Grenzen der Quarze und der Schaltungen immer mehr an ihre physikalischen Grenzen treiben, kommen solche Effekte auch immer häufiger in vielen Varianten vor; Probleme mit dem „Drive-Level“ oder allgemein rund um das Einschwingverhalten sind da nur einige von vielen Varianten. Auf der anderen Seite nimmt das Wissen aufseiten der Anwender darüber, was in den Quarzen und Oszillatoren und ihren Beschaltungen tatsächlich geschieht, stetig ab.

Deshalb hat sich der Markt in diesem Punkt deutlich gewandelt, wie Jürgen Zahn über die vergangenen 20 Jahre beobachtet hat: »Als ich in der Quarzbranche angefangen habe, war ich Verkäufer. Heute bin ich in erster Linie Techniker.« Zumindest kommt ihm zugute, dass er in den 1980er-Jahren studiert hat und damals Analog- und HF-Technik gelehrt wurden, was ihm für den späteren Weg ein gutes Fundament geboten hat.

Dass sich die Anwender in diesem häufig unterschätzten Bereich immer weniger auskennen, bietet allerdings für Spezialisten große Chancen – und als einen solchen Spezialisten sieht sich Auris. So stellen nicht wenige Anwender bisweilen bestürzt fest, dass Module im Feld plötzlich ausfallen und die Ursache mit hoher Wahrscheinlichkeit der Taktgeber ist. »Dann ist der Spezialist gefragt. Wir haben die erforderlichen Maschinen, die Messgeräte und die Ingenieure, die dies genau analysieren und den Fehler finden können«, erklärt Zahn.